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Vortrag S. Em. Dr. Giovanni Kardinal Lajolo (Wien, 9. Dezember 2010)
Es gilt das gesprochene Wort!
Die Friedensmission der Kirche und die Politik des Heiligen Stuhles
Vortrag von Seiner Eminenz Dr. Giovanni Kardinal Lajolo
vor der Österreichisch-Deutschen Kulturgesellschaft
Wien, Hotel de France, 9. Dezember 2010
Exzellenz,
hochwürdigster
Herr
Apostolischer
Nuntius!
Sehr
geehrter
Gastgeber,
lieber
Herr
Präsident
Professor
Schambeck!
Exzellenzen!
Hochwürdige
Geistlichkeit,
liebe
Mitbrüder
im
Bischofs-
und
Priesteramt!
Liebe
Mitglieder
und
Gäste
der
Österreichisch-Deutschen
Kulturgesellschaft!
Meine
sehr
verehrten
Damen
und
Herren!
1.
Mit
großer
Freude,
jedoch
nicht
ganz
ohne
ein
wenig
Bangen,
habe
ich
die
liebenswürdige
Einladung
von
Herrn
Professor
Schambeck
angenommen,
über
ein
mir
sehr
nahes
Thema
vor
dieser
prestigereichen
Gesellschaft
zu
sprechen,
die
in
den
vergangenen
Jahren
schon
so
manche
illustre
und
kompetente
Persönlichkeiten
als
Redner
zu
Gast
hatte.
Indem
ich
dem
Gastgeber
des
heutigen
Abends,
Herrn
Professor
Schambeck,
bestens
danke,
grüße
ich
auch
Sie
alle,
meine
sehr
verehrten
Damen
und
Herren,
respektvoll
und
herzlich!
Gleich
zu
Beginn
sei
es
mir
gestattet,
einen
nicht
nur
sehr
angenehmen,
sondern
auch
höchst
ehrenvollen
Auftrag
zu
erfüllen,
indem
ich
Ihnen
gerne
den
väterlichen
Gruß
und
Apostolischen
Segen
Seiner
Heiligkeit
Papst
Benedikt
XVI.
überbringe,
der,
wie
Sie
wissen,
sich
mit
Österreich
besonders
verbunden
weiß.
Ich
möchte
meinem
Vortrag
die
Bemerkung
vorausschicken,
daß
ich
nicht
beabsichtige,
über
bislang
unbekannte
Ereignisse
oder
Ideen
im
Zusammenhang
mit
der
Friedensaktivität
des
Heiligen
Stuhls
auf
internationaler
Ebene
zu
referieren;
ich
werde
hingegen
versuchen,
Ihre
geschätzte
Aufmerksamkeit
auf
einige
wesentliche
und
vorrangige
Elemente
zu
lenken,
die
gewissermaßen
die
logischen
Grundlagen
darstellen,
ohne
die
sich
der
Diskurs
über
unser
Thema
weder
entfalten
kann,
noch
verstanden
werden
kann.
Daher
spreche
ich
zuerst
über
die
Friedensmission
der
Kirche
mit
dem
Ziel,
den
Ursprung
der
kirchlichen
Friedensinspiration
verständlich
zu
machen,
die
nicht
auf
einfache
und
offensichtliche
Kriterien
der
Menschlichkeit
und
der
internationalen
Politik
reduzierbar
ist.
Im
zweiten
Teil
meines
Referates
werde
ich
dann
auf
einige
Verlautbarungen
und
Interventionen
des
Heiligen
Stuhls
zugunsten
des
Friedens
sowie
auf
einige
seiner
Instrumente,
die
diesem
Ziel
dienen,
Bezug
nehmen,
wobei
es
sich
hier
logischerweise
nur
um
Anmerkungen
handeln
kann.
2.
Der
Friede
in
der
Welt
ist
ein
Anliegen,
das
alle
Staaten
betrifft.
Damit
beschäftigen
sich
sowohl
die
Regierungen,
als
auch
die
nationale
und
die
internationale
Politik.
Der
Friede
ist
aber
ein
viel
zu
wichtiges
Anliegen,
als
daß
es
nur
den
offiziellen
Gremien
überlassen
werden
dürfte.
Sie
betrifft
jeden
einzelnen.
Pax
summum
bonum.
Der
Friede
ist
jenes
so
hohe
Gut,
das
die
anderen
Güter
der
Gesellschaft
bedingt
und
befruchtet.
Es
erstaunt
deshalb
nicht,
daß
in
den
vergangenen
Jahren
eine
internationale
pazifistische
Bewegung
entstanden
ist,
deren
Herkunft
allerdings
zweifelhaft
und
deren
Konturen
undeutlich
sind,
deren
Philosophie
überaus
einfach
und
deren
Vorschläge
einseitig
sind,
die
aber
die
Sympathie
und
die
Zustimmung
vieler,
vorwiegend
junger
Menschen
in
aller
Welt
finden
konnte.
Denn
der
Friede
betrifft
wirklich
alle
und
ist,
kurz
gesagt,
der
einzige
Lebensumstand,
nach
dem
alle
von
Natur
aus
streben.
Alle
wünschen
den
Frieden.
Alle,
auch
die
Anmaßenden
und
die
Unterdrücker,
die
anderen
ihren
eigenen
Willen
aufzwingen
und
sie
unterwerfen
wollen.
Denn
wenn
die
anderen
einmal
unterworfen
sind,
können
sie
in
Frieden"
herrschen.
Dies
hat
der
hl.
Augustinus
mit
seiner
bekannten
gedanklichen
Kraft
und
der
Macht
seines
Wortes
im
Buch
XIX,
Kapitel
XII
(Nr.
1
und
2)
seines
Meisterwerkes
De
civitate
Dei
gut
zum
Ausdruck
gebracht.
Ich
beschränke
mich
darauf,
nur
einige
kurze,
aber
sehr
geistreiche
Sätze
zu
zitieren:
Omnis
enim
homo
etiam
belligerando
pacem
requirit:
nemo
autem
bellum
pacificando.
Nam
et
illi
qui
pacem,
in
qua
sunt,
perturbari
volunt,
non
pacem
oderunt,
sed
eam
pro
arbitrio
suo
cupiunt
commutari.
Non
ergo
ut
sit
pax
nolunt,
sed
ut
ea
sit
quam
volunt...
Pacem
itaque
cum
suis
omnes
habere
cupiunt,
quos
ad
sum
arbitrium
volunt
vivere.
Nam
et
cum
quibus
bellum
gerunt,
suos
facere,
si
possint,
volunt,
eisque
subiectis
leges
suae
pacis
imponere...
Cum
etiam
mali
pro
pace
suorum
belligerent,
omnesque,
si
possint,
suos
facere
velint,
ut
uni
cuncti
et
cuncta
deserviant;
quo
pacto
nisi
in
eius
pacem,
vel
amando,
vel
timendo
consentiant?3
(3Jeder
Mensch
sucht
den
Frieden,
auch
wenn
er
Krieg
führt.
Keiner
aber
sucht
den
Krieg,
wenn
er
Frieden
schafft.
In
der
Tat,
auch
diejenigen,
die
den
Frieden
stören
wollen,
in
dem
sie
sich
befinden,
hassen
den
Frieden
nicht,
aber
sie
wünschen,
ihn
nach
ihrem
Gutdünken
zu
verändern.
So
kann
man
nicht
sagen,
daß
sie
den
Frieden
nicht
wollen,
sondern
daß
der
Friede
sei,
den
sie
wollen.
Sie
wollen
diejenigen,
mit
denen
sie
Krieg
führen,
sich
zu
eigen
machen,
um,
wenn
sie
einmal
unterworfen
sind,
ihnen
die
Gesetzte
des
eigenen
Friedens
aufzuzwingen...").
3.
Worin
besteht
die
Haltung
der
Kirche
in
Bezug
auf
den
Frieden?
Die
Kirche
ist
nicht
nur
allen
Menschen
guten
Willens,
die
aufrichtig
den
Frieden
suchen,
ideell
verbunden.
Der
Friede
ist
im
Sein
der
Kirche
tiefinnerlich
verwurzelt.
Das
II.
Vatikanische
Konzil
erklärt
in
seiner
Konstitution
Lumen
Gentium,
daß
die
Kirche
in
Christus
gleichsam
das
Sakrament,
das
heißt
Zeichen
und
Werkzeug
für
die
innigste
Vereinigung
mit
Gott
wie
für
die
Einheit
der
ganzen
Menschheit"
ist
(Lumen
Gentium
1).
Es
ist
interessant
festzustellen,
in
welcher
Reihenfolge
die
bestimmten
Bezüge
in
dieser
fundamentalen
Aussage
stehen:
zuerst
der
Bezug
zur
innigsten
Vereinigung
mit
Gott,
dann
der
Bezug
zur
Einheit
der
ganzen
Menschheit.
Der
zweite
Bezug
geht
aus
dem
ersten
hervor.
Die
Einheit
bedarf
eines
sicheren
und
starken
einigenden
Punktes.
So
wird
in
der
Pastoralkonstitution
über
die
Kirche
in
der
Welt
von
heute,
Gaudium
et
Spes,
bei
der
Nummer
42
folgendes
gesagt:
Die
Einheit
der
menschlichen
Familie
wird
durch
die
Einheit
der
Familie
der
Kinder
Gottes,
die
in
Christus
begründet
ist,
in
vieler
Hinsicht
gestärkt
und
erfüllt.
Die
ihr
eigene
Sendung,
die
Christus
seiner
Kirche
anvertraut
hat,
bezieht
sich
zwar
nicht
auf
den
politischen,
wirtschaftlichen
oder
sozialen
Bereich:
das
Ziel,
das
er
ihr
gesetzt
hat,
gehört
ja
der
religiösen
Ordnung
an.
Doch
fließen
aus
eben
dieser
religiösen
Sendung
Auftrag,
Licht
und
Kräfte,
um
der
Gemeinschaft
zu
Aufbau
und
Festigung
nach
göttlichem
Gesetz
behilflich
zu
sein.
Die
Kirche
anerkennt
weiterhin,
was
an
Gutem
in
der
heutigen
gesellschaftlichen
Dynamik
vorhanden
ist,
besonders
die
Entwicklung
hin
zur
Einheit,
den
Prozess
einer
gesunden
Sozialisation
und
Vergesellschaftung
im
bürgerlichen
und
wirtschaftlichen
Bereich.
Förderung
von
Einheit
hängt
ja
mit
der
ureigenen
Sendung
der
Kirche
zusammen"
(Gaudium
et
Spes,
42).
Das
Konzil
wiederholt
somit
die
erwähnte
Stelle
der
Konstitution
Lumen
Gentium".
4.
Um
die
Aussagekraft
dieser
Worte
besser
zu
verstehen,
ist
es
notwendig,
zum
Ursprung
der
Kirche
zurückzugehen,
das
heißt
zu
demjenigen,
der
ihr
Gründer
ist,
Jesus
Christus,
der
die
Substanz
ihres
Lebens
ist,
und
zu
seinem
Geist,
von
dem
die
Kirche
lebt.
Das
Thema
des
Friedens
hat
das
ganze
irdische
Leben
unseres
Herrn
begleitet.
Schon
Jesaia
hatte
über
den
Messias
vorausgesagt,
sein
Name
sei:
"Wunderbarer
Ratgeber,
starker
Gott,
Vater
in
Ewigkeit,
Fürst
des
Friedens"
(Jes
9,5).
Bei
seiner
Geburt
singen
die
Engel:
Verherrlicht
ist
Gott
in
der
Höhe,
und
auf
Erden
Friede
bei
den
Menschen
seiner
Gnade"
(Lk
2,14).
In
der
für
das
Leben
seiner
Jünger
grundlegenden
Rede,
der
Bergpredigt,
legt
er
neun
Seligpreisungen
dar,
deren
siebente
lautet:
Selig
die
Frieden
stiften,
denn
sie
werden
Söhne
Gottes
genannt
werden"
(Mt
5,9).
Er
legt
den
höchsten
Grundsatz
dar,
nämlich
das
um
Frieden
zu
erlangen
erforderliche
Verhalten,
welches
wahrlich
überraschend
ist:
Euch,
die
ihr
mir
zuhört,
sage
ich:
Liebt
eure
Feinde;
tut
denen
Gutes,
die
euch
hassen"
(Lk
6,27).
Ein
wahrlich
überraschendes
Prinzip,
aber,
wie
die
Erfahrung
zeigt,
die
am
wirksamsten
entwaffnende
Waffe.
Als
er
seine
zwölf
Apostel
und
seine
72
Jünger
aussendet
und
an
jene
Orte
vorausschickt,
zu
denen
er
unterwegs
war,
trägt
er
ihnen
auf:
Wenn
ihr
in
ein
Haus
kommt,
dann
wünscht
ihm
Frieden.
Wenn
das
Haus
es
wert
ist,
soll
der
Friede,
den
ihr
ihm
wünscht,
bei
ihm
einkehren.
Ist
das
Haus
es
aber
nicht
wert,
dann
soll
der
Friede
zu
euch
zurückkehren"
(Mt
10,
12-13;
cfr.
Lk
10,56).
Am
Ende
seines
irdischen
Lebens,
in
seiner
Rede
beim
Letzten
Abendmahl
sagt
er
zu
den
Aposteln:
Frieden
hinterlasse
ich
euch,
meinen
Frieden
gebe
ich
euch"
(Joh
14,27).
Und
schließlich
das
erste
Wort,
das
er
nach
der
Auferstehung
an
die
Jünger
richtet
und
wiederholt,
ist
der
Gruß:
Friede
sei
mit
euch.
Wie
der
Vater
mich
gesandt
hat,
so
sende
ich
euch"
(Joh
20,19.21).
Es
ist
unbestreitbar,
daß
es
im
Leben
Christi
eine
Art
roten
Faden
des
Friedens"
gibt.
Der
Friede,
den
der
Auferstandene
seinen
Aposteln
schenkt,
ist
vor
allem
der
Friede
mit
Gott,
wie
bei
der
ersten
Erscheinung
nach
seiner
Auferstehung
aus
der
Gabe
des
Heiligen
Geistes
und
der
Vollmacht
zur
Sündenvergebung
hervorgeht:
er
ist
somit
etwas
anderes,
als
das
was
die
Menschen
allgemeinhin
unter
Frieden"
verstehen.
Den
Worten
Meinen
Frieden
hinterlasse
ich
euch,
meinen
Frieden
gebe
ich
euch"
fügt
Jesus
in
seiner
Abendmahlsrede
hinzu
Nicht
einen
Frieden
wie
die
Welt
ihn
gibt,
gebe
ich
euch".
Es
ist
dies
ein
anderer
Friede,
denn
es
ist
nicht
nur
der
Friede
der
schweigenden
Waffen,
und
auch
nicht
jener
höhere
Friede
der
kulturellen
und
wirtschaftlichen
Zusammenarbeit;
es
ist
der
Friede,
der
eine
kostbare
Frucht
des
Geistes
Gottes
ist
(vgl.
Gal
5,22).
Das
Zweite
Vatikanische
Konzil
lehrt:
Die
wahre
Einheit
in
der
äußeren
gesellschaftlichen
Sphäre
erwächst
aus
einer
Einheit
der
Gesinnungen
und
Herzen,
aus
jenem
Glauben
und
jener
Liebe
nämlich,
auf
denen
im
Heiligen
Geist
ihre
unauflösliche
Einheit
beruht."
(Gaudium
et
Spes,
42).
Dieser
Friede
ist
somit
ausgesprochen
geistlicher
Natur,
aber
gerade
er
vermag
auf
gesellschaftlicher
Ebene
einen
wirksamen
Einfluß
auszuüben,
weil
er
den,
der
ihn
besitzt,
zu
einem
Friedensstifter
macht.
In
diesem
Zusammenhang
darf
an
ein
Wort
des
Herrn
erinnert
werden,
das
dem
bisher
Gesagten
scheinbar
widerspricht.
Der
Evangelist
Matthäus
überliefert
es
uns
so:
Denkt
nicht,
ich
sei
gekommen,
um
Frieden
auf
die
Erde
zu
bringen.
Ich
bin
nicht
gekommen,
um
Frieden
zu
bringen,
sondern
das
Schwert"
(Mt
10,34).
Diese
Worte
bedeuten
aber,
wie
aus
dem
unmittelbaren
Zusammenhang
hervorgeht,
den
Mut
zum
Zeugnis.
Dieses
Zeugnis
erfordert
die
Kraft,
sich
um
der
Liebe
Christi
willen
unter
Umständen
von
dem
zu
trennen,
was
uns
am
liebsten
ist,
da
Christus
-
er
allein!
-
der
Weg,
die
Wahrheit
und
das
Leben
(vgl.
Joh
14,6)
ist.
Jesus
ist
kein
Pazifist,
wie
es
ein
Relativist
sein
könnte:
Darum
bin
ich
in
die
Welt
gekommen
-
bezeugt
er
gegenüber
Pilatus
-
um
für
die
Wahrheit
Zeugnis
abzulegen".
Dafür
wurde
er
gekreuzigt.
Es
ist
wohlbekannt,
wie
die
christlichen
Märtyrer
-
im
Unterschied
zu
den
islamistischen
Selbstmordattentätern
unserer
Tage,
welche
sich
als
Märtyrer
betrachten
-
bereit
waren,
um
des
Zeugnisses
für
die
Wahrheit
willen
auf
alles
zu
verzichten
und
wie
sie
Gewalt
erlitten,
ohne
jedoch
anderen
jemals
Gewalt
zugefügt
zu
haben.
Ihr
Zeugnis
hat
die
Worte
Jesu
vom
Schwert
in
ihrem
tiefsten
Sinn
und
ihrer
Vollständigkeit
bewahrheitet.
So
sind
die
christlichen
Märtyrer
mit
ihrem
Blut
und
ihrem
Gebet
für
die
Feinde
zu
Friedensstiftern
geworden.
Ein
Wort
möchte
ich
noch
hinzufügen,
das
vom
Apostel
Paulus
stammt
und
seinem
Brief
an
die
Epheser
entnommen
ist.
Von
Christus
sagt
er:
Er
ist
unser
Friede"
(Eph
2,14).
Wie
begründet
der
Apostel
diese
Beteuerung?
Durch
die
Tatsache,
daß
Christus
die
Mauer
niedergerissen
hat,
welche
die
Heiden
vom
Volk
Israel
trennte,
und
so
alle
Menschen
geeint
hat:
Er
versöhnte
die
beiden
durch
das
Kreuz
mit
Gott
in
einem
einzigen
Leib.
Er
hat
in
seiner
Person
die
Feindschaft
getötet".
Er
kam
und
verkündete
den
Frieden:
euch,
den
Fernen
(das
heißt
den
Heiden),
und
uns,
den
Nahen
(das
heißt
den
Gliedern
des
Volkes
des
Alten
Bundes)"
(Eph
2,14-17).
Dies
ist
die
Begründung
der
universalen
Berufung
der
Kirche,
weswegen
es
in
ihr
nicht
mehr
Juden
und
Griechen,
nicht
Sklaven
und
Freie,
nicht
Mann
und
Frau
gibt;
denn
ihr
alle
seid
«einer»
in
Christus
Jesus"
(Gal
3,28;
vgl.
Röm
10,12).
Die
Tatsache,
daß
sich
die
Kirche
unter
allen
Völkern
ausgebreitet
hat,
bildet
eine
wesentliche
Komponente
der
Kirche,
welche
sie
befähigt,
wie
keine
andere
menschliche
Institution
Friedensstifterin
zu
sein.
Das
II.
Vatikanische
Konzil
erklärt:
Die
Kirche
kann
kraft
dieser
ihrer
Universalität
ein
ganz
enges
Band
zwischen
den
verschiedenen
menschlichen
Gemeinschaften
und
Nationen
bilden,
solange
diese
ihr
vertrauen
und
ihre
wahre
Freiheit
zur
Erfüllung
dieser
ihrer
Sendung
wirklich
anerkennen
"
(Gaudium
et
Spes,
42).
Die
Kirche
ist
in
jedem
Volk
präsent
und
jedes
Volk
in
ihr.
Es
ist
zwar
leider
unleugbar
-
und
wir
müssen
dies
mit
Schmerz
zugeben
-,
daß
diese
Tatsache
es
nicht
verhindern
konnte,
daß
in
der
Vergangenheit,
so
genannte
christliche
Staaten
gegeneinander
grausame
Kriege
führten;
es
ist
aber
ebenso
wahr,
daß
dies
nicht
dem
Evangelium
entsprach.
Im
Gegenteil,
dies
war
dem
Buchstaben
und
dem
Geist
des
Evangeliums
gänzlich
entgegengesetzt.
5.
Getreu
der
Botschaft
des
Evangeliums
und
der
überlieferten
Lehre
der
Kirche
enthält
das
II.
Vatikanische
Konzil
zahlreiche
Unterweisungen
zur
Förderung
des
Friedens.
Diesem
Anliegen
ist
das
ganze
fünfte
Kapitel
der
Konstitution
Gaudium
et
Spes
gewidmet,
dessen
Überschrift
lautet:
Die
Förderung
des
Friedens
und
der
Aufbau
der
Völkergemeinschaft.
In
diesem
Kapitel
wird
unter
anderem
die
innere
Erneuerung
betont,
als
unverzichtbare
Voraussetzung,
um
den
Schrecken
und
die
Grausamkeit
des
Krieges
zu
verhindern.
Da
der
Friede
aus
dem
gegenseitigen
Vertrauen
der
Völker
erwachsen
sollte,
statt
den
Nationen
durch
den
Schrecken
der
Waffen
auferlegt
zu
werden,
sollten
alle
sich
bemühen,
dem
Wettrüsten
ein
Ende
zu
machen.
Man
soll
wirklich
mit
der
Abrüstung
beginnen,
nicht
einseitig,
sondern
in
vertraglich
festgelegten
gleichen
Schritten
und
mit
echten
und
wirksamen
Sicherungen
"
(Gaudium
et
Spes,
82).
Das
sind
-
wie
man
sagt
-
vertrauensbildende
Maßnahmen.
Das
Konzil
beharrt
nachdrücklich
auf
der
Notwendigkeit,
beim
menschlichen
Herz
zu
beginnen,
denn
der
Herr
hat
selber
gelehrt:
Aus
dem
Herzen
kommen
böse
Gedanken,
Mord,
Ehebruch,
Unzucht,
Diebstahl,
falsche
Zeugenaussagen
und
Verleumdungen
"
(Mt
15,19),
all
dies
sind
Ursachen
von
Zwist
und
Streit.
Darum
",
so
unterstreicht
es
das
Konzil,
sind
vor
allem
eine
neue
Erziehung
und
ein
neuer
Geist
in
der
öffentlichen
Meinung
dringend
notwendig
"
(Gaudium
et
Spes,
82).
Was
das
Konzil
über
den
Frieden
sagt,
ist
nichts
wahrhaft
Neues,
weder
in
der
Praxis
noch
in
der
katholischen
Lehre.
Die
Verkündigung
der
Frohen
Botschaft
vom
Frieden
wie
auch
die
Bemühungen,
welche
die
katholische
Kirche
direkt
oder
indirekt
zugunsten
des
Friedens
in
verschiedenen
Ländern
ausübt,
sei
es,
dort
wo
die
Katholiken
in
der
Mehrheit
sind,
sei
es,
dort
wo
sie
eine
unbedeutende
Minderheit
darstellten,
sind
in
ihrer
Art
sowohl
in
quantitativer
als
-
mehr
noch
-
auch
in
qualitativer
Hinsicht
nur
schwer
bestimmbar.
6.
Die
Lehre
des
Konzils
war
zuvor
schon
in
zahlreichen
wichtigen
päpstlichen
Dokumenten
formuliert
worden.
So
möchte
ich
nun
zur
Darlegung
der
politischen
Aktivitäten
a)
des
Papstes
und
b)
des
Heiligen
Stuhles
zu
Gunsten
des
Friedens
kommen.
Darüber
könnte
man
Bücher
schreiben,
die
auf
weit
zurückliegende
Fakten
Bezug
nehmen.
Ich
beschränke
mich
auf
einige
kurze
Hinweise
aus
der
jüngeren
Vergangenheit.
Weltweit
war
das
Echo
der
Interventionen
von
Papst
Pius
XII.
lebendig,
mit
denen
er
die
Welt
vor
dem
Zweiten
Weltkrieg
retten
wollte.
Alles
ist
verloren
mit
dem
Krieg.
Alles
kann
gerettet
werden
mit
dem
Frieden"
lautete
seine
Ermahnung
in
der
berühmten
Radioansprache
zu
Weihnachten
1942.
Papst
Johannes
XXIII.
wurde,
so
kann
man
sagen,
durch
die
Enzyklika
Pacem
in
terris"
aus
dem
Jahre
1963
in
der
ganzen
Welt
bekannt.
In
dieser
Enzyklika
verweist
er
auf
vier
Säulen
des
Friedens:
Wahrheit,
Freiheit,
Gerechtigkeit,
Recht.
Von
Papst
Paul
VI.
stammt
das
andere,
in
seiner
1967
erschienenen
Enzyklika
Populorum
progressio"
enthaltene,
sehr
berühmte
Wort:
Der
Fortschritt
ist
der
neue
Name
des
Friedens."
Bei
Papst
Johannes
Paul
II.
kommt
man
nicht
umhin,
an
die
Vermittlungstätigkeit
im
Konflikt
zwischen
Chile
und
Argentinien
zu
erinnern,
als
die
Flotten
dieser
Länder
zum
Kampf
bereit
standen.
Diese
Mediation
gelang
1986
mit
dem
Friedens-
und
Freundschaftsvertrag
zwischen
den
beiden
Ländern.
Der
gleiche
Erfolg
konnte
nicht
verzeichnet
werden,
als
Johannes
Paul
II.
mit
allen
ihm
zur
Verfügung
stehenden
diplomatischen
Mitteln
versuchte,
den
Krieg
im
Irak
zu
verhindern.
In
prophetischer
Weise
bezeichnete
er
diesen
Krieg
als
Abenteuer
ohne
Wiederkehr",
dessen
Konsequenzen,
die
nur
als
verheerend
bezeichnet
werden
können,
Wunden
verursacht
haben,
die
in
sehr
schmerzlicher
und
bedrückender
Weise
zu
Lasten
der
Kirche
im
Irak
gehen,
aber
nicht
nur
in
jenem
Land.
Ein
weltweiches
Echo
hat
auch
die
kühne
Initiative
von
Papst
Johannes
Paul
II.
zum
Friedensgebetsgipfel
in
Assisi
am
24.
Jänner
2002
hervorgerufen.
Dazu
wurden
nicht
nur
die
Vertreter
der
anderen
christlichen
Konfessionen,
sondern
auch
die
aller
wichtigen
Religionen
der
ganzen
Welt
eingeladen.
Einen
Monat
später,
am
24.
Februar,
hat
Johannes
Paul
II.
allen
Staats-
und
Regierungschefs
einen
Brief
gesandt,
der
einen
Dekalog"
des
Engagements
für
den
Frieden
enthielt,
wie
er
in
diesem
historischen
Ereignis
herangereift
war.
Daraus
entwickelte
sich
auch
das,
was
heute
unter
dem
Geist
von
Assisi"
bekannt
ist.
Dieser
Geist
bezieht
sich
außer
auf
Johannes
Paul
II.
auch
auf
den
heiligen
Franziskus
von
Assisi,
ein
Geist,
der
den
Willen
artikuliert,
für
den
Frieden
zu
beten
und
zu
wirken,
jenseits
jeglicher
politischer,
ideologischer
und
religiöser
Unterschiede.
6.1.
Als
ein
Mittel,
um
die
Herzen
zum
Frieden
zu
erziehen,
führte
Paul
VI.
1968
den
Weltfriedenstag
ein.
Der
Weltfriedenstag
wird
in
der
ganzen
Weltkirche
am
1.
Jänner
mit
besonderen
Gebeten
begangen.
Der
Friede
ist
ja
grundsätzlich
eine
Gabe
Gottes,
die
die
Herzen
der
Menschen
zum
Frieden
lenken
kann.
Der
Weltfriedenstag
wird
stets
von
einer
Botschaft
des
Papstes
begleitet,
die
an
alle
Politiker
und
alle
Menschen
guten
Willens
gerichtet
ist.
Jede
dieser
Botschaften
thematisiert
einen
bestimmten
Aspekt
des
Friedens.
Diese
Botschaften
sind
einigen
regelmäßig
wiederkehrenden
Themen
gewidmet,
wenn
auch
solche
Themen
unter
verschiedenen
und
immer
neuen
Blickwinkeln
behandelt
werden.
So
wird
das
Thema
der
Familie
in
folgenden
Botschaften
behandelt:
1977
Wenn
du
den
Frieden
willst,
verteidige
das
Leben,
1985
Frieden
und
Jugend
zusammen
unterwegs,
1995
Die
Frau,
Erzieherin
zum
Frieden,
1996
Bereiten
wir
den
Kindern
eine
friedliche
Zukunft.
Das
Thema
der
Armut
kehrt
wieder
in
den
Botschaften
folgender
Jahre:
1987
Entwicklung
und
Solidarität:
Zwei
Schlüssel
zum
Frieden,
1993
Willst
du
den
Frieden,
komm
den
Armen
entgegen,
2009
Die
Armut
bekämpfen,
den
Frieden
schaffen.
Das
Thema
der
Gerechtigkeit
bildet
die
Basis
folgender
Botschaften:
1972
Willst
du
den
Frieden,
so
arbeite
für
die
Gerechtigkeit,
2002
Kein
Friede
ohne
Gerechtigkeit,
keine
Gerechtigkeit
ohne
Vergebung.
Man
beachte
die
einmalige
und
mutige
These
keine
Gerechtigkeit
ohne
Vergebung"!
Dieses
Thema
ist
später
von
Professor
Dr.
Walter
Brandmüller,
damals
Präsident
des
Päpstlichen
Komitees
für
Geschichtswissenschaften
und
jetzt
Kardinal,
in
seinem
Aufsatz
mit
dem
Titel
Vergebung
-
der
Weg
zum
Frieden"
behandelt
worden.
Allerdings
bedeutet
dieses
Motto
letztlich
nichts
anderes
als
eine
Anwendung
einer
der
Vaterunser-Bitten:
Vergib
uns
unsere
Schuld,
wie
auch
wir
vergeben
unseren
Schuldigern.
Man
könnte
in
der
tat
leicht
einen
Aufsatz
über
die
Politik
des
Vaterunsers"
schreiben,
das
heißt,
über
eine
Politik,
wie
sie
aus
dem
Geist
des
Vaterunsers
abgeleitet
werden
kann
und
soll.
2005
lautete
das
Thema
der
Weltfriedensbotschaft:
Lass
Dich
nicht
vom
Bösen
besiegen,
sondern
besiege
das
Böse
durch
das
Gute
(Röm
12,21).
Das
Thema
der
Freiheit
charakterisiert
folgende
Botschaften:
1981
Schütze
die
Freiheit,
dann
dienst
du
dem
Frieden,
1988
Religionsfreiheit,
Bedingung
für
friedliches
Zusammenleben,
1991
Wenn
du
den
Frieden
willst,
achte
das
Gewissen
jedes
Menschen.
Und
die
neue
Botschaft
für
2011
trägt
den
Titel:
Religionsfreiheit,
ein
Weg
für
den
Frieden.
Die
Wahrheit
ist
Thema
der
Botschaften
in
den
Jahren
1980
Die
Wahrheit,
Stärke
des
Friedens
und
2006
In
der
Wahrheit
liegt
der
Friede.
Die
Ökologie
ist
Gegenstand
der
Botschaften
in
den
Jahren
1990
Friede
mit
Gott,
dem
Schöpfer,
Friede
mit
der
ganzen
Schöpfung,
2010
Willst
Du
den
Frieden
fördern,
so
bewahre
die
Schöpfung.
Die
Religionen
sind
Gegenstand
der
Botschaft
zum
Weltfriedenstag
des
Jahres
1992,
die
den
Titel
trägt:
Die
Gläubigen
vereint
im
Aufbau
des
Friedens.
Schon
aus
den
hier
zitierten
Themen
der
Weltfriedenstags-Botschaften
sind
einige
Punkte
klar
ersichtlich,
von
denen
wir
nicht
absehen
können
bei
der
Suche
nach
einem
dauerhaften
Frieden,
der
dem
Menschen
gerecht
wird.
Das
Thema
Frieden"
liegt
auch
dem
ganzen
Diskurs
der
am
29.
Juni
2009
erschienenen
Enzyklika
Caritas
in
Veritate
von
Papst
Benedikt
XVI.
zugrunde.
Diese
Enzyklika
betrifft
in
spezifischer
Weise
die
Thematik
der
sozialen
Beziehungen
in
Weiterführung
jener
Perspektiven,
die
Papst
Paul
VI.
am
26.
März
1967
in
seiner
Enzyklika
Populorum
progressio
eröffnet
hat.
Dabei
ist
klar,
daß
die
weite
Blickrichtung
der
neuen
Enzyklika
direkte
Folgen
für
das
Friedens-Thema
besitzt.
Dieses
wird
nämlich
in
besonders
klarer
Weise
im
V.
Kapitel
mit
dem
Titel
Die
Zusammenarbeit
in
der
Menschheitsfamilie"
behandelt.
Der
Papst
unterstreicht
die
Dringlichkeit
einer
Reform
der
Organisation
der
Vereinten
Nationen
und
der
wirtschaftlichen
und
finanziellen
Strukturen
auf
internationaler
Ebene.
Darüber
hinaus
bringt
er
abermals
-
auf
der
Linie
Johannes'
XXIII.
und
des
II.
Vatikanischen
Konzils
-
die
Notwendigkeit
einer
wirklichen
politischen
Autorität
auf
Weltebene"
ins
Gespräch,
der
die
Aufgabe
zukommt,
die
Entwicklung
des
Friedens
zu
fördern
(N.
67).
Hinsichtlich
dieser
interessanten
Frage
erlaube
ich
mir,
auf
einen
lehrmäßig
konzipierten
Vortrag
von
Herrn
Professor
Schambeck
bei
der
16.
Vollversammlung
der
Päpstlichen
Akademie
für
die
Sozialwissenschaften
zu
verweisen,
die
unter
dem
Titel
stand:
Is
the
Global
Authority
a
Feasable
Solution?".
6.2.
Der
Heilige
Stuhl
als
operatives
Instrument
des
Papstes
in
der
Leitung
der
Universalkirche
engagiert
sich
seinerseits
auf
multilateraler
wie
auch
auf
bilateraler
Ebene
in
der
Friedensförderung.
6.3.1.
Auf
multilateraler
Ebene
geschieht
dies
durch
seine
Präsenz
und
Mitarbeit
in
den
wichtigsten
internationalen
Organisationen,
sei
es
in
Form
der
Mitgliedschaft,
beispielsweise
in
der
Internationalen
Atomenergie-Agentur
(IAEA)
und
in
der
Organisation
für
Sicherheit
und
Zusammenarbeit
in
Europa
(OSZE),
in
denen
der
Heilige
Stuhl
mit
Ständigen
Vertretern
präsent
ist,
sei
es
durch
die
Ständigen
Beobachter
(es
sind
insgesamt
elf),
sei
es
durch
einen
Delegierten
bei
der
Liga
der
Arabischen
Staaten
oder
durch
einen
Sonderbeauftragten
bei
der
Afrikanischen
Union.
Der
Beitrag,
der
durch
diese
Vertreter
in
den
internationalen
Debatten
geleistet
wird
-
auf
weltweiter
wie
auch
auf
regionaler
Ebene
-,
wird
sehr
beachtet,
ja
von
den
Vertretern
der
Mitgliedstaaten
sehr
oft
sogar
angefordert,
auch
wenn
aus
ideologischen
oder
politischen
Gründen
der
Beitrag
des
Heiligen
Stuhles
nur
teilweise
aufgenommen
wird.
Es
gibt
kein
den
Frieden
betreffendes
Problem,
das
in
den
Beiträgen
der
Vertreter
des
Heiligen
Stuhls
nicht
berührt
wird:
die
Verteidigung
des
Lebens,
Abrüstung,
der
Kampf
gegen
Hunger
und
Analphabetismus,
Migration,
Förderung
der
Frau,
Respektierung
der
Religionsfreiheit,
interkultureller
Dialog
und
so
weiter.
Eine
durch
den
Apostolischen
Nuntius
bei
der
Europäischen
Union,
André
Dupuy,
erstellte
Sammlung
dieser
Beiträge
ist
unter
dem
Titel
Words
that
matter"
von
der
jüdischen
Stiftung
Path
to
Peace
veröffentlicht
worden
(New
York
2003).
6.3.2.
Der
Einsatz
für
den
Frieden
ist
auch
bedeutsam
für
die
zwischenstaatliche
Diplomatie
des
Heiligen
Stuhles.
Zurzeit
gibt
es
176
Apostolische
Nuntiaturen.
Bei
den
Aufgaben,
die
der
Kodex
des
Kanonischen
Rechtes
den
Päpstlichen
Vertretern
überträgt,
wird
ausdrücklich
daran
erinnert
sich
darum
zu
bemühen,
daß
die
den
Frieden,
den
Fortschritt
und
das
gemeinsame
Mühen
der
Völker
betreffenden
Angelegenheiten
gefördert
werden"
(c.
364,
n.5°
CIC).
In
diesem
Zusammenhang
möchte
ich
betonen,
daß
die
Institutionen
vatikanischer
Diplomatie
ihre
Legitimität
nicht
vom
Staat
der
Vatikanstadt
herleiten,
sondern
vom
Heiligen
Stuhl,
das
heißt
letztlich
vom
Papst,
der
unabhängig
und
frei
von
jeglicher
Staatsgewalt,
das
heißt
in
der
Terminologie
des
internationalen
Rechts,
der
souverän
ist.
6.3.3.
Die
Stärke
der
diplomatischen
Tätigkeit
des
Heiligen
Stuhles
hat
ihre
Grenzen,
die
ihr
durch
viele
Umstände
gesetzt
werden,
paradoxerweise
auch
durch
ein
Element,
das
ihr
besondere
Kraft
gibt.
Ihre
wesentliche
Kraft
kommt
a)
vom
Wort
Gottes,
das
sie
führt,
und
b)
von
den
Vernunftargumenten,
mit
denen
sie
mit
Gläubigen
und
Ungläubigen
in
Dialog
treten
kann.
Ein
nicht
unerhebliches
Element
ihrer
Kraft
geht
aus
einem
sozialen
Umstand
hervor,
nämlich
aus
der
Tatsache,
daß
alle
in
den
verschiedenen
Ländern
der
Welt
verstreuten
Katholiken
-
es
sind
mehr
als
1
Milliarde
und
300
Millionen
-
den
Papst
als
ihr
geistiges
Oberhaupt
anerkennen.
Dies
ist
eine
Gegebenheit,
durch
die
das
Wort
des
Papstes,
wie
das
Wort
des
Heiligen
Stuhles,
eine
Resonanz
erhält,
welche
die
Regierungen
nicht
unberücksichtigt
lassen
können.
Aber
genau
in
diesem
Punkt
verbirgt
sich
ein
Grund
seiner
Schwäche.
Wie
kann
der
Heilige
Stuhl
öffentlich
die
Verletzung
eindeutiger
Rechte
in
einigen
Ländern
anprangern,
ohne
die
katholischen
Bürger
dieser
Länder
der
Gefahr
auszusetzen,
Repressalien
erleiden
zu
müssen?
Diverse
Beispiele
solcher
Konditionierungen
und
-
sagen
wir
es
ruhig
-
der
Bremsung
des
Wirkens
des
Heiligen
Stuhles,
stehen
heute
unter
Beobachtung
aller,
besonders
in
Bezug
auf
gewisse
Länder
Asiens,
Afrikas
und
Lateinamerikas.
Es
wäre
nicht
moralisch,
mit
der
Kühnheit
eines
Propheten
aufzutreten,
wenn
dies
das
Blut
von
Märtyrern
kosten
würde.
Deshalb
ist
es
oft
notwendig,
daß
der
Heilige
Stuhl
-
anstatt
die
Stimme
zu
erheben
-
mit
diplomatischer
Umsicht
und
mit
überaus
sorgfältig
abgewogenen
Worten
spricht.
Diese
Besonnenheit
wird
dann
nicht
übertrieben,
wenn
verstanden
werden
kann,
was
zu
verstehen
gegeben
ist,
ohne
daß
die
Adressaten
sich
vor
das
Gericht
der
Völkergemeinschaft
gestellt
fühlen
müssen,
was
gefährliche
Reaktionen
verursachen
und
die
Lage
weiter
verschlechtern
könnte.
Im
Grunde
genommen
ist
es
dasselbe
Prinzip
der
Selbstdisziplin,
das
Papst
Pius
XII.
während
seines
Lebens
viele
innere
Leiden
und
nach
seinem
Tod
heftige
Verleumdungen
einbrachte.
In
diesem
Zusammenhang
möchte
ich
einige
seiner
bedeutsamen
Worte
aus
einem
Brief
vom
30.
April
1943
zitieren:
er
antwortete
auf
einen
Brief
des
Berliner
Kardinals
von
Preysing,
der
ihm
von
einer
neuen
Welle
von
Deportationen
von
Juden
berichtet
hatte:
Den
an
Ort
und
Stelle
tätigen
Oberhirten
überlassen
Wir
es
abzuwägen,
ob
und
bis
zu
welchem
Grade
die
Gefahr
von
Vergeltungsmaßnahmen
und
Druckmitteln
im
Falle
bischöflicher
Kundgebungen
[...]
es
ratsam
erscheinen
lassen,
trotz
der
angeführten
Beweggründe,
ad
maiora
mala
vitanda
Zurückhaltung
zu
üben.
Hier
liegt
einer
der
Gründe,
warum
Wir
selber
Uns
in
Unseren
Kundgebungen
Beschränkungen
auferlegen
"
(vgl.
Hubert
Gruber:
Katholische
Kirche
und
Nationalsozialismus
1930-1945,
Paderborn,
2006
Zit.
486f.).
7.
Zum
Schluß
möchte
ich
die
Aufmerksamkeit
auf
einige
weitere
Organe
des
Heiligen
Stuhles
richten,
die
keinen
diplomatischen
Charakter
besitzen,
die
aber
in
besonderer
Weise
im
Dienst
seines
Wirkens
für
den
Frieden
engagiert
sind.
Die
erste
hier
zu
nennende
Behörde
ist
der
Päpstliche
Rat
Iustitia
et
Pax.
Dieser
ist
eine
Frucht
einer
Empfehlung
des
II.
Vatikanischen
Konzils,
das
in
der
schon
vorher
erwähnten
Konstitution
Gaudium
et
Spes
sagt:
Angesichts
der
zahllosen
Drangsale,
unter
denen
der
größere
Teil
der
Menschheit
auch
heute
noch
leidet,
hält
es
das
Konzil
für
sehr
zweckmäßig,
ein
Organ
der
Gesamtkirche
zu
schaffen,
um
die
Gerechtigkeit
und
Liebe
Christi
den
Armen
in
aller
Welt
zuteil
werden
zu
lassen.
Seine
Aufgabe
soll
es
sein,
[...]
die
Gemeinschaft
der
Katholiken
immer
wieder
anzuregen,
den
Aufstieg
der
notleidenden
Gebiete
und
die
soziale
Gerechtigkeit
unter
den
Völkern
zu
fördern"
(Gaudium
et
Spes,
90).
Diesem
Wunsche
des
II.
Vatikanischen
Konzils
folgend,
gründete
Papst
Paul
VI.
1967
den
Päpstlichen
Rat
Iustitia
et
Pax.
Dieser
geht
einer
intensiven
Forschungs-
und
Beratungstätigkeit
zu
Fragen
des
Friedens
nach
und
bereitet
für
den
Heiligen
Vater
die
Grundlagen
für
die
Botschaft
zum
Weltfriedenstag
vor.
Am
25.
Oktober
2004
hat
dieser
Päpstliche
Rat
das
sehr
hilfreiche
Kompendium
der
Soziallehre
der
Kirche"
veröffentlicht.
Ein
weiteres
Organ
mit
großem
Einfluß
auf
den
Frieden
ist
der
Päpstliche
Rat
für
den
Interreligiösen
Dialog,
der
von
Paul
VI.
1964
mit
der
Aufgabe
gegründet
wurde,
entsprechende
Untersuchungen
und
gute
Beziehungen
der
Kirche
mit
nichtchristlichen
Gruppierungen
zu
fördern
und
regelmäßige
Kontakte
zu
unterstützen,
auch
mit
jenen,
denen
in
irgendeiner
Weise
ein
religiöses
Bewusstsein
nicht
fremd
ist.
Neben
zahlreichen
Begegnungen
mit
Vertretern
der
unterschiedlichen
Religionen,
schickt
dieser
Rat
auch
jedes
Jahr
eine
Botschaft
an
die
Muslime
anläßlich
des
Festes
Id
al
Fitr,
am
Ende
des
Fastenmonats
Ramadan,
an
die
Buddhisten
anläßlich
des
Vesakh-Festes,
und
an
die
Hindus
zum
Diwali-Fest.
Dies
ist
vielleicht
nicht
mehr
als
eine
kleine
Geste;
aber
daraus
entsteht
oft
eine
Freundschaft,
die
sich
aus
solchen
kleinen
Gesten
nährt,
und,
mir
scheint,
dies
kann
eine
besonders
bedeutsame
Geste
der
Gemeinschaft
in
der
Freude
sein,
die
aus
einem
geistlichen,
religiösen
Anlaß
entsteht.
Diesem
Päpstlichen
Rat
zugeordnet
ist
die
Kommission
für
die
Beziehungen
zu
den
Muslimen.
In
unserer
Zeit,
die
von
der
Angst
eines
Clash
of
civilizations
(so
der
Titel
des
berühmten
Buches
von
Samuel
Phillips
Huntington
aus
dem
Jahre
1994)
geprägt
ist,
erscheint
der
Beitrag
dieses
Päpstlichen
Rates
zugunsten
des
Friedens
von
hervorragender
Bedeutung,
und
sei
es
auch
nur
auf
indirekte
Weise.
Ähnliche
Anmerkungen
könnten
wir
zum
Päpstlichen
Rat
Cor
Unum",
zu
den
Räten
für
die
Kultur"
und
für
die
Familie"
sowie
zu
weiteren
Einrichtungen
des
Heiligen
Stuhls
vornehmen.
Ich
möchte
hier
nicht
verabsäumen,
auch
an
die
Abschlußbotschaft
der
Bischofssynode
für
den
Nahen
Osten
am
22.
Oktober
d.J.
zu
erinnern,
die
sich
mit
den
schmerzlichen
Wunden
und
mit
der
dramatischen
Situation
in
jener
Weltregion
auseinandergesetzt
hat.
In
ihrer
Schlußbotschaft
haben
sich
die
Synodenväter
sowohl
an
die
jüdischen
Mitbürger,
als
auch
an
die
muslimischen
Mitbürger
gewandt,
um
sie
einzuladen,
konkrete
Schritte
in
Richtung
Frieden
zu
unternehmen.
Sie
haben
auch
einen
Appell
an
die
internationale
Gemeinschaft
gerichtet,
besonders
an
die
UNO,
damit
sie
ernsthaft
an
einer
gerechten
und
endgültigen
Friedenslösung
in
der
Region
arbeiten
möge,
(und
das)
durch
die
Umsetzung
der
Resolutionen
des
Sicherheitsrates
und
durch
die
Anwendung
der
notwendigen
juristischen
Schritte,
um
die
Besetzung
der
verschiedenen
arabischen
Territorien
zu
beenden".
Es
scheint
überflüssig
hinzuzufügen,
daß
der
israelisch-palästinensische
Konflikt
eine
Kernproblematik
des
Nahen
Ostens
darstellt,
in
der
sich
die
Frage
des
Friedens
in
der
ganzen
Welt
widerspiegelt.
Papst
Benedikt
XVI.
hat
in
seiner
Predigt
während
der
Abschluß-Messe
der
Synode
am
24.
Oktober
gesagt:
Man
darf
sich
nie
mit
dem
Fehlen
des
Frieden
abfinden.
Der
Friede
ist
möglich.
Der
Friede
ist
dringend
notwendig.
Der
Friede
ist
die
unverzichtbare
Bedingung
für
ein
würdiges
Leben
der
Person
und
der
ganzen
Gesellschaft."
8.
Meine
Damen
und
Herren!
Ich
möchte
zum
Schluß
kommen.
Der
Friede
ist
möglich.
Aber
ist
er
auch
jemals
real
gewesen,
und
wird
er
es
je
sein?
Im
VI.
Buch
seiner
Historiae
contra
Paganos"
schreibt
Paolus
Orosius,
daß
im
Jahre
572
der
Gründung
Roms,
Kaiser
Augustus
cunctis
gentibus
una
pace
compositis",
die
Tore
des
Janustempels
schloß,
die
für
circa
zwölf
Jahre
immer
geschlossen
blieben,
so
daß
sie
ipsa
etiam
rubigo
(eas)
signavit":
so
daß
die
Tore
des
Janustempels
also
verrosteten.
Und
er
fügt
hinzu:
Igitur
eo
tempore,
id
est
eo
anno
quo
firmissimam
verissimamque
pacem
ordinatione
Dei
Caesar
composuit,
natus
est
Christus,
cuius
adventui
pax
ista
famulata
est,
in
cuius
ortu
audientibus
hominibus
exultantes
angeli
cecinerunt
9Gloria
in
excelsis
Deo,
et
in
terra
pax
hominibus
bonae
voluntatis:."
Und
zu
jener
Zeit,
das
heißt
in
dem
Jahr,
in
welchem
Cesar
(der
Kaiser)
durch
den
Willen
Gottes
der
Welt
den
wahrhaftigsten
und
beständigsten
Frieden
gab,
wurde
Christus
geboren,
zu
dessen
Ankunft
dieser
Friede
diente
und
bei
dessen
Geburt
die
frohlockenden
Engel
sangen
und
die
Menschen
hörten:
Ehre
sei
Gott
in
der
Höhe,
und
Friede
auf
Erden
den
Menschen
guten
Willens'."
Zwölf
Jahre
sind
noch
nicht
die
aurea
saecula
",
(das
Goldene
Zeitalter
"),
das
von
Virgil
vorausgesagt
wurde
(vgl.
Aeneis
VI,
791-793),
und
auch
Orosius
spricht
nicht
vom
Frieden
in
der
restlichen
Welt,
die
in
ihrer
Ausdehnung
weit
über
das
Römische
Reich
hinausgeht.
In
der
Tat,
wenn
es
je
auf
dieser
Welt
Frieden
gab,
dann
war
dieser
so
kurz,
daß
man
ihn
wohl
einen
gelegentlichen
(Frieden)
nennen
muß.
Die
Geschichte
der
Menschheit
ist
nicht
nur,
aber
auch
-
leider!
-
eine
ununterbrochene
Geschichte
von
Kriegen.
Wie
stehen
wir
heute
da?
Den
Daten
des
Instituts
für
Politikwissenschaft
-
Arbeitsgemeinschaft
Kriegsursachenforschung"
an
der
Universität
Hamburg
zufolge,
gab
es
2008
in
der
Welt
40
Kriege
oder
bewaffnete
Konflikte.
Ich
besitze
keine
aktuelleren
Daten;
aber
es
ist
bekannt,
daß
die
Atomwaffen-Arsenale
der
größeren
Mächte
jetzt
schon
mit
einer
so
großen
Zahl
von
Atomsprengköpfen
und
solcher
Zerstörungskraft
ausgestattet
sind,
daß
sie
den
gesamten
Erdkreis
verwüsten
können.
Das
ist
kein
gutes
Vorzeichen
für
den
Frieden.
Wird
je
einmal
der
Tag
kommen,
an
dem
man
wird
sagen
können:
Toto
orbe
in
pace
composito
"?
Eine
Zeit,
in
der
nicht
die
Tore
des
Janustempels,
sondern
die
Waffen
verrosten
werden?
Zweifel
daran
sind
angebracht.
Nichts
desto
trotz
fühlt
sich
die
Kirche,
fühlen
sich
alle
Christen
von
den
Worten
Unseres
Herren
angespornt:
Selig,
die
Frieden
stiften,
denn
sie
werden
Söhne
Gottes
genannt
werden";
und
auch
von
den
Worten
des
Apostel
Paulus,
in
denen
die
Worte
des
Herrn
nachhallen:
Denn
das
Reich
Gottes
ist
nicht
Essen
und
Trinken,
es
ist
Gerechtigkeit,
Friede
und
Freude
im
Heiligen
Geist:
Und
wer
Christus
so
dient,
wird
von
Gott
anerkannt
und
ist
bei
den
Menschen
geachtet.
Laßt
uns
also
nach
dem
streben,
was
zum
Frieden
und
zum
Aufbau
(der
Gemeinde)
beiträgt."
(Röm
14,17-19).
Wir
wissen
nicht,
ob
es
je
einen
wirklichen
Frieden
in
der
Welt
geben
wird;
aber
wir
wissen,
daß
die
Kirche
Christi
und
daß
der
Heilige
Stuhl
stets
an
vorderster
Front
stehen
werden,
um
den
Frieden
zu
fördern
und
um
ihn
da,
wo
er
gelingt,
zu
festigen.
Danke!
Es
gilt
das
geschriebene
Wort!