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Vortrag S. Em. Dr. Giovanni Kardinal Lajolo (Wien, 9. Dezember 2010)



Es gilt das gesprochene Wort!



Die Friedensmission der Kirche und die Politik des Heiligen Stuhles
Vortrag von Seiner Eminenz Dr. Giovanni Kardinal Lajolo
vor der Österreichisch-Deutschen Kulturgesellschaft
Wien, Hotel de France, 9. Dezember 2010

Exzellenz, hochwürdigster Herr Apostolischer Nuntius!
Sehr geehrter Gastgeber, lieber Herr Präsident Professor Schambeck!
Exzellenzen!
Hochwürdige Geistlichkeit, liebe Mitbrüder im Bischofs- und Priesteramt!
Liebe Mitglieder und Gäste der Österreichisch-Deutschen Kulturgesellschaft!
Meine sehr verehrten Damen und Herren!

1.      Mit großer Freude, jedoch nicht ganz ohne ein wenig Bangen, habe ich die liebenswürdige Einladung von Herrn Professor Schambeck angenommen, über ein mir sehr nahes Thema vor dieser prestigereichen Gesellschaft zu sprechen, die in den vergangenen Jahren schon so manche illustre und kompetente Persönlichkeiten als Redner zu Gast hatte.

Indem ich dem Gastgeber des heutigen Abends, Herrn Professor Schambeck, bestens danke, grüße ich auch Sie alle, meine sehr verehrten Damen und Herren, respektvoll und herzlich!

Gleich zu Beginn sei es mir gestattet, einen nicht nur sehr angenehmen, sondern auch höchst ehrenvollen Auftrag zu erfüllen, indem ich Ihnen gerne den väterlichen Gruß und Apostolischen Segen Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. überbringe, der, wie Sie wissen, sich mit Österreich besonders verbunden weiß.

Ich möchte meinem Vortrag die Bemerkung vorausschicken, daß ich nicht beabsichtige, über bislang unbekannte Ereignisse oder Ideen im Zusammenhang mit der Friedensaktivität des Heiligen Stuhls auf internationaler Ebene zu referieren; ich werde hingegen versuchen, Ihre geschätzte Aufmerksamkeit auf einige wesentliche und vorrangige Elemente zu lenken, die gewissermaßen die logischen Grundlagen darstellen, ohne die sich der Diskurs über unser Thema weder entfalten kann, noch verstanden werden kann. Daher spreche ich zuerst über die Friedensmission der Kirche mit dem Ziel, den Ursprung der kirchlichen Friedensinspiration verständlich zu machen, die nicht auf einfache und offensichtliche Kriterien der Menschlichkeit und der internationalen Politik reduzierbar ist. Im zweiten Teil meines Referates werde ich dann auf einige Verlautbarungen und Interventionen des Heiligen Stuhls zugunsten des Friedens sowie auf einige seiner Instrumente, die diesem Ziel dienen, Bezug nehmen, wobei es sich hier logischerweise nur um Anmerkungen handeln kann.

2.      Der Friede in der Welt ist ein Anliegen, das alle Staaten betrifft. Damit beschäftigen sich sowohl die Regierungen, als auch die nationale und die inter­nationale Politik. Der Friede ist aber ein viel zu wichtiges Anliegen, als daß es nur den offiziellen Gremien überlassen werden dürfte. Sie betrifft jeden einzelnen. Pax summum bonum. Der Friede ist jenes so hohe Gut, das die anderen Güter der Gesellschaft bedingt und befruchtet. Es erstaunt deshalb nicht, daß in den ver­gangenen Jahren eine internationale pazifistische Bewegung entstanden ist, deren Herkunft allerdings zweifelhaft und deren Konturen undeutlich sind, deren Philosophie überaus einfach und deren Vorschläge einseitig sind, die aber die Sympathie und die Zustimmung vieler, vorwiegend junger Menschen in aller Welt finden konnte. Denn der Friede betrifft wirklich alle und ist, kurz gesagt, der einzige Lebensumstand, nach dem alle von Natur aus streben. Alle wünschen den Frieden. Alle, auch die Anmaßenden und die Unterdrücker, die anderen ihren eigenen Willen aufzwingen und sie unterwerfen wollen. Denn wenn die anderen einmal unterworfen sind, können sie in Frieden" herrschen.

 

         Dies hat der hl. Augustinus mit seiner bekannten gedanklichen Kraft und der Macht seines Wortes im Buch XIX, Kapitel XII (Nr. 1 und 2) seines Meisterwerkes De civitate Dei gut zum Ausdruck gebracht. Ich beschränke mich darauf, nur einige kurze, aber sehr geistreiche Sätze zu zitieren: Omnis enim homo etiam belligerando pacem requirit: nemo autem bellum pacificando. Nam et illi qui pacem, in qua sunt, perturbari volunt, non pacem oderunt, sed eam pro arbitrio suo cupiunt commutari. Non ergo ut sit pax nolunt, sed ut ea sit quam volunt... Pacem itaque cum suis omnes habere cupiunt, quos ad sum arbitrium volunt vivere. Nam et cum quibus bellum gerunt, suos facere, si possint, volunt, eisque subiectis leges suae pacis imponere... Cum etiam mali pro pace suorum belligerent, omnesque, si possint, suos facere velint, ut uni cuncti et cuncta deserviant; quo pacto nisi in eius pacem, vel amando, vel timendo consentiant?3 (3Jeder Mensch sucht den Frieden, auch wenn er Krieg führt. Keiner aber sucht den Krieg, wenn er Frieden schafft. In der Tat, auch diejenigen, die den Frieden stören wollen, in dem sie sich befinden, hassen den Frieden nicht, aber sie wünschen, ihn nach ihrem Gutdünken zu verändern. So kann man nicht sagen, daß sie den Frieden nicht wollen, sondern daß der Friede sei, den sie wollen. Sie wollen diejenigen, mit denen sie Krieg führen, sich zu eigen machen, um, wenn sie einmal unterworfen sind, ihnen die Gesetzte des eigenen Friedens aufzu­zwingen...").

3.      Worin besteht die Haltung der Kirche in Bezug auf den Frieden? Die Kirche ist nicht nur allen Menschen guten Willens, die aufrichtig den Frieden suchen, ideell verbunden. Der Friede ist im Sein der Kirche tiefinnerlich verwurzelt. Das II. Vatikanische Konzil erklärt in seiner Konstitution Lumen Gentium, daß die Kirche in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit" ist (Lumen Gentium 1).

Es ist interessant festzustellen, in welcher Reihenfolge die bestimmten Bezüge in dieser fundamentalen Aussage stehen: zuerst der Bezug zur innigsten Vereinigung mit Gott, dann der Bezug zur Einheit der ganzen Menschheit. Der zweite Bezug geht aus dem ersten hervor. Die Einheit bedarf eines sicheren und starken einigenden Punktes. So wird in der Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute, Gaudium et Spes, bei der Nummer 42 folgendes gesagt:

Die Einheit der menschlichen Familie wird durch die Einheit der Familie der Kinder Gottes, die in Christus begründet ist, in vieler Hinsicht gestärkt und erfüllt. Die ihr eigene Sendung, die Christus seiner Kirche anvertraut hat, bezieht sich zwar nicht auf den politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Bereich: das Ziel, das er ihr gesetzt hat, gehört ja der religiösen Ordnung an. Doch fließen aus eben dieser religiösen Sendung Auftrag, Licht und Kräfte, um der Gemeinschaft zu Aufbau und Festigung nach göttlichem Gesetz behilflich zu sein. Die Kirche anerkennt weiterhin, was an Gutem in der heutigen gesellschaftlichen Dynamik vorhanden ist, besonders die Entwicklung hin zur Einheit, den Prozess einer gesunden Sozialisation und Vergesellschaftung im bürgerlichen und wirtschaftlichen Bereich. Förderung von Einheit hängt ja mit der ureigenen Sendung der Kirche zusammen" (Gaudium et Spes, 42). Das Konzil wiederholt somit die erwähnte Stelle der Konstitution Lumen Gentium".

4.      Um die Aussagekraft dieser Worte besser zu verstehen, ist es notwendig, zum Ursprung der Kirche zurückzugehen, das heißt zu demjenigen, der ihr Gründer ist, Jesus Christus, der die Substanz ihres Lebens ist, und zu seinem Geist, von dem die Kirche lebt.

Das Thema des Friedens hat das ganze irdische Leben unseres Herrn begleitet. Schon Jesaia hatte über den Messias vorausgesagt, sein Name sei: "Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens" (Jes 9,5). Bei seiner Geburt singen die Engel: Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden Friede bei den Menschen seiner Gnade" (Lk 2,14). In der für das Leben seiner Jünger grundlegenden Rede, der Bergpredigt, legt er neun Seligpreisungen dar, deren siebente lautet: Selig die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden" (Mt 5,9). Er legt den höchsten Grundsatz dar, nämlich das um Frieden zu erlangen erforderliche Verhalten, welches wahrlich überraschend ist: Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen" (Lk 6,27). Ein wahrlich überraschendes Prinzip, aber, wie die Erfahrung zeigt, die am wirk­samsten entwaffnende Waffe. Als er seine zwölf Apostel und seine 72 Jünger aussendet und an jene Orte vorausschickt, zu denen er unterwegs war, trägt er ihnen auf:   Wenn ihr in ein Haus kommt, dann wünscht ihm Frieden. Wenn das Haus es wert ist, soll der Friede, den ihr ihm wünscht, bei ihm einkehren. Ist das Haus es aber nicht wert, dann soll der Friede zu euch zurückkehren" (Mt 10, 12-13; cfr. Lk 10,56). Am Ende seines irdischen Lebens, in seiner Rede beim Letzten Abendmahl sagt er zu den Aposteln: Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch" (Joh 14,27). Und schließlich das erste Wort, das er nach der Auferstehung an die Jünger richtet und wiederholt, ist der Gruß: Friede sei mit euch. Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich euch" (Joh 20,19.21). Es ist unbestreitbar, daß es im Leben Christi eine Art roten Faden des Friedens" gibt.

Der Friede, den der Auferstandene seinen Aposteln schenkt, ist vor allem der Friede mit Gott, wie bei der ersten Erscheinung nach seiner Auferstehung aus der Gabe des Heiligen Geistes und der Vollmacht zur Sündenvergebung hervorgeht: er ist somit etwas anderes, als das was die Menschen allgemeinhin unter Frieden" verstehen. Den Worten Meinen Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch" fügt Jesus in seiner Abendmahlsrede hinzu Nicht einen Frieden wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch". Es ist dies ein anderer Friede, denn es ist nicht nur der Friede der schweigenden Waffen, und auch nicht jener höhere Friede der kulturellen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit; es ist der Friede, der eine kostbare Frucht des Geistes Gottes ist (vgl. Gal 5,22).

Das Zweite Vatikanische Konzil lehrt: Die wahre Einheit in der äußeren gesellschaftlichen Sphäre erwächst aus einer Einheit der Gesinnungen und Herzen, aus jenem Glauben und jener Liebe nämlich, auf denen im Heiligen Geist ihre unauflösliche Einheit beruht." (Gaudium et Spes, 42). Dieser Friede ist somit ausgesprochen geistlicher Natur, aber gerade er vermag auf gesellschaftlicher Ebene einen wirksamen Einfluß auszuüben, weil er den, der ihn besitzt, zu einem Friedens­stifter macht.

In diesem Zusammenhang darf an ein Wort des Herrn erinnert werden, das dem bisher Gesagten scheinbar widerspricht. Der Evangelist Matthäus überliefert es uns so: Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert" (Mt 10,34). Diese Worte bedeuten aber, wie aus dem unmittelbaren Zusammenhang hervorgeht, den Mut zum Zeugnis. Dieses Zeugnis erfordert die Kraft, sich um der Liebe Christi willen unter Umständen von dem zu trennen, was uns am liebsten ist, da Christus - er allein! - der Weg, die Wahrheit und das Leben (vgl. Joh 14,6) ist. Jesus ist kein Pazifist, wie es ein Relativist sein könnte: Darum bin ich in die Welt gekommen - bezeugt er gegenüber Pilatus - um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen". Dafür wurde er gekreuzigt. Es ist wohlbekannt, wie die christlichen Märtyrer - im Unterschied zu den islamistischen Selbstmordattentätern unserer Tage, welche sich als Märtyrer betrachten - bereit waren, um des Zeugnisses für die Wahrheit willen auf alles zu verzichten und wie sie Gewalt erlitten, ohne jedoch anderen jemals Gewalt zugefügt zu haben. Ihr Zeugnis hat die Worte Jesu vom Schwert in ihrem tiefsten Sinn und ihrer Vollständigkeit bewahrheitet. So sind die christlichen Märtyrer mit ihrem Blut und ihrem Gebet für die Feinde zu Friedensstiftern geworden.

Ein Wort möchte ich noch hinzufügen, das vom Apostel Paulus stammt und seinem Brief an die Epheser entnommen ist. Von Christus sagt er: Er ist unser Friede" (Eph 2,14). Wie begründet der Apostel diese Beteuerung? Durch die Tatsache, daß Christus die Mauer niedergerissen hat, welche die Heiden vom Volk Israel trennte, und so alle Menschen geeint hat: Er versöhnte die beiden durch das Kreuz mit Gott in einem einzigen Leib. Er hat in seiner Person die Feindschaft getötet". Er kam und verkündete den Frieden: euch, den Fernen (das heißt den Heiden), und uns, den Nahen (das heißt den Gliedern des Volkes des Alten Bundes)" (Eph 2,14-17). Dies ist die Begründung der universalen Berufung der Kirche, weswegen es in ihr nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau gibt; denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus" (Gal 3,28; vgl. Röm 10,12). Die Tatsache, daß sich die Kirche unter allen Völkern ausgebreitet hat, bildet eine wesentliche Komponente der Kirche, welche sie befähigt, wie keine andere menschliche Institution Friedensstifterin zu sein. Das II. Vatikanische Konzil erklärt:  Die Kirche kann kraft dieser ihrer Universalität ein ganz enges Band zwischen den verschiedenen menschlichen Gemeinschaften und Nationen bilden, solange diese ihr vertrauen und ihre wahre Freiheit zur Erfüllung dieser ihrer Sendung wirklich anerkennen " (Gaudium et Spes, 42). Die Kirche ist in jedem Volk präsent und jedes Volk in ihr. Es ist zwar leider unleugbar - und wir müssen dies mit Schmerz zugeben -, daß diese Tatsache es nicht verhindern konnte, daß in der Vergangenheit, so genannte christliche Staaten gegeneinander grausame Kriege führten; es ist aber ebenso wahr, daß dies nicht dem Evangelium entsprach. Im Gegenteil, dies war dem Buchstaben und dem Geist des Evangeliums gänzlich entgegengesetzt.

5.      Getreu der Botschaft des Evangeliums und der überlieferten Lehre der Kirche enthält das II. Vatikanische Konzil zahlreiche Unterweisungen zur Förderung des Friedens. Diesem Anliegen ist das ganze fünfte Kapitel der Konstitution Gaudium et Spes gewidmet, dessen Überschrift lautet: Die Förderung des Friedens und der Aufbau der Völkergemeinschaft. In diesem Kapitel wird unter anderem die innere Erneuerung betont, als unverzichtbare Voraussetzung, um den Schrecken und die Grausamkeit des Krieges zu verhindern.  Da der Friede aus dem gegenseitigen Vertrauen der Völker erwachsen sollte, statt den Nationen durch den Schrecken der Waffen auferlegt zu werden, sollten alle sich bemühen, dem Wettrüsten ein Ende zu machen. Man soll wirklich mit der Abrüstung beginnen, nicht einseitig, sondern in vertraglich festgelegten gleichen Schritten und mit echten und wirksamen Sicherungen " (Gaudium et Spes, 82). Das sind - wie man sagt - vertrauensbildende Maßnahmen.

Das Konzil beharrt nachdrücklich auf der Notwendigkeit, beim menschlichen Herz zu beginnen, denn der Herr hat selber gelehrt: Aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugenaussagen und Verleumdungen " (Mt 15,19), all dies sind Ursachen von Zwist und Streit.  Darum ", so unterstreicht es das Konzil,  sind vor allem eine neue Erziehung und ein neuer Geist in der öffentlichen Meinung dringend notwendig " (Gaudium et Spes, 82).

Was das Konzil über den Frieden sagt, ist nichts wahrhaft Neues, weder in der Praxis noch in der katholischen Lehre. Die Verkündigung der Frohen Botschaft vom Frieden wie auch die Bemühungen, welche die katholische Kirche direkt oder indirekt zugunsten des Friedens in verschiedenen Ländern ausübt, sei es, dort wo die Katholiken in der Mehrheit sind, sei es, dort wo sie eine unbedeutende Minderheit darstellten, sind in ihrer Art sowohl in quantitativer als - mehr noch - auch in qualitativer Hinsicht nur schwer bestimmbar.

6.      Die Lehre des Konzils war zuvor schon in zahlreichen wichtigen päpstlichen Dokumenten formuliert worden. So möchte ich nun zur Darlegung der politischen Aktivitäten a) des Papstes und b) des Heiligen Stuhles zu Gunsten des Friedens kommen. Darüber könnte man Bücher schreiben, die auf weit zurückliegende Fakten Bezug nehmen. Ich beschränke mich auf einige kurze Hinweise aus der jüngeren Vergangenheit.

Weltweit war das Echo der Interventionen von Papst Pius XII. lebendig, mit denen er die Welt vor dem Zweiten Weltkrieg retten wollte. Alles ist verloren mit dem Krieg. Alles kann gerettet werden mit dem Frieden" lautete seine Ermahnung in der berühmten Radioansprache zu Weihnachten 1942. Papst Johannes XXIII. wurde, so kann man sagen, durch die Enzyklika Pacem in terris" aus dem Jahre 1963 in der ganzen Welt bekannt. In dieser Enzyklika verweist er auf vier Säulen des Friedens: Wahrheit, Freiheit, Gerechtigkeit, Recht. Von Papst Paul VI. stammt das andere, in seiner 1967 erschienenen Enzyklika Populorum progressio" enthaltene, sehr berühmte Wort: Der Fortschritt ist der neue Name des Friedens."

Bei Papst Johannes Paul II. kommt man nicht umhin, an die Vermittlungs­tätigkeit im Konflikt zwischen Chile und Argentinien zu erinnern, als die Flotten dieser Länder zum Kampf bereit standen. Diese Mediation gelang 1986 mit dem Friedens- und Freundschaftsvertrag zwischen den beiden Ländern. Der gleiche Erfolg konnte nicht verzeichnet werden, als Johannes Paul II. mit allen ihm zur Verfügung stehenden diplomatischen Mitteln versuchte, den Krieg im Irak zu verhindern. In prophetischer Weise bezeichnete er diesen Krieg als Abenteuer ohne Wiederkehr", dessen Konsequenzen, die nur als verheerend bezeichnet werden können, Wunden verursacht haben, die in sehr schmerzlicher und bedrückender Weise zu Lasten der Kirche im Irak gehen, aber nicht nur in jenem Land.

Ein weltweiches Echo hat auch die kühne Initiative von Papst Johannes Paul II. zum Friedensgebetsgipfel in Assisi am 24. Jänner 2002 hervorgerufen. Dazu wurden nicht nur die Vertreter der anderen christlichen Konfessionen, sondern auch die aller wichtigen Religionen der ganzen Welt eingeladen. Einen Monat später, am 24. Februar, hat Johannes Paul II. allen Staats- und Regierungschefs einen Brief gesandt, der einen Dekalog" des Engagements für den Frieden enthielt, wie er in diesem historischen Ereignis herangereift war. Daraus entwickelte sich auch das, was heute unter dem Geist von Assisi" bekannt ist. Dieser Geist bezieht sich außer auf Johannes Paul II. auch auf den heiligen Franziskus von Assisi, ein Geist, der den Willen artikuliert, für den Frieden zu beten und zu wirken, jenseits jeglicher politischer, ideologischer und religiöser Unterschiede.

6.1.            Als ein Mittel, um die Herzen zum Frieden zu erziehen, führte Paul VI. 1968 den Weltfriedenstag ein. Der Weltfriedenstag wird in der ganzen Weltkirche am 1. Jänner mit besonderen Gebeten begangen. Der Friede ist ja grundsätzlich eine Gabe Gottes, die die Herzen der Menschen zum Frieden lenken kann. Der Welt­friedenstag wird stets von einer Botschaft des Papstes begleitet, die an alle Politiker und alle Menschen guten Willens gerichtet ist. Jede dieser Botschaften thematisiert einen bestimmten Aspekt des Friedens. Diese Botschaften sind einigen regelmäßig wiederkehrenden Themen gewidmet, wenn auch solche Themen unter verschiedenen und immer neuen Blickwinkeln behandelt werden. So wird das Thema der Familie in folgenden Botschaften behandelt: 1977 Wenn du den Frieden willst, verteidige das Leben, 1985 Frieden und Jugend zusammen unterwegs, 1995 Die Frau, Erzieherin zum Frieden, 1996 Bereiten wir den Kindern eine friedliche Zukunft. Das Thema der Armut kehrt wieder in den Botschaften folgender Jahre: 1987 Entwicklung und Solidarität: Zwei Schlüssel zum Frieden, 1993 Willst du den Frieden, komm den Armen entgegen, 2009 Die Armut bekämpfen, den Frieden schaffen. Das Thema der Gerechtigkeit bildet die Basis folgender Botschaften: 1972 Willst du den Frieden, so arbeite für die Gerechtigkeit, 2002 Kein Friede ohne Gerechtigkeit, keine Gerechtigkeit ohne Vergebung. Man beachte die einmalige und mutige These keine Gerechtigkeit ohne Vergebung"! Dieses Thema ist später von Professor Dr. Walter Brandmüller, damals Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissen­schaften und jetzt Kardinal, in seinem Aufsatz mit dem Titel Vergebung - der Weg zum Frieden" behandelt worden. Allerdings bedeutet dieses Motto letztlich nichts anderes als eine Anwendung einer der Vaterunser-Bitten: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Man könnte in der tat leicht einen Aufsatz über die Politik des Vaterunsers" schreiben, das heißt, über eine Politik, wie sie aus dem Geist des Vaterunsers abgeleitet werden kann und soll. 2005 lautete das Thema der Weltfriedensbotschaft: Lass Dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute (Röm 12,21). Das Thema der Freiheit charakterisiert folgende Botschaften: 1981 Schütze die Freiheit, dann dienst du dem Frieden, 1988 Religionsfreiheit, Bedingung für friedliches Zusammenleben, 1991 Wenn du den Frieden willst, achte das Gewissen jedes Menschen. Und die neue Botschaft für 2011 trägt den Titel: Religionsfreiheit, ein Weg für den Frieden. Die Wahrheit ist Thema der Botschaften in den Jahren 1980 Die Wahrheit, Stärke des Friedens und 2006 In der Wahrheit liegt der Friede. Die Ökologie ist Gegenstand der Botschaften in den Jahren 1990 Friede mit Gott, dem Schöpfer, Friede mit der ganzen Schöpfung, 2010 Willst Du den Frieden fördern, so bewahre die Schöpfung. Die Religionen sind Gegenstand der Botschaft zum Weltfriedenstag des Jahres 1992, die den Titel trägt: Die Gläubigen vereint im Aufbau des Friedens.

         Schon aus den hier zitierten Themen der Weltfriedenstags-Botschaften sind einige Punkte klar ersichtlich, von denen wir nicht absehen können bei der Suche nach einem dauerhaften Frieden, der dem Menschen gerecht wird.

         Das Thema Frieden" liegt auch dem ganzen Diskurs der am 29. Juni 2009 erschienenen Enzyklika Caritas in Veritate von Papst Benedikt XVI. zugrunde. Diese Enzyklika betrifft in spezifischer Weise die Thematik der sozialen Beziehungen in Weiterführung jener Perspektiven, die Papst Paul VI. am 26. März 1967 in seiner Enzyklika Populorum progressio eröffnet hat. Dabei ist klar, daß die weite Blick­richtung der neuen Enzyklika direkte Folgen für das Friedens-Thema besitzt. Dieses wird nämlich in besonders klarer Weise im V. Kapitel mit dem Titel Die Zusammenarbeit in der Menschheitsfamilie" behandelt. Der Papst unterstreicht die Dringlichkeit einer Reform der Organisation der Vereinten Nationen und der wirtschaftlichen und finanziellen Strukturen auf internationaler Ebene. Darüber hinaus bringt er abermals - auf der Linie Johannes' XXIII. und des II. Vatikanischen Konzils - die Notwendigkeit einer wirklichen politischen Autorität auf Weltebene" ins Gespräch, der die Aufgabe zukommt, die Entwicklung des Friedens zu fördern (N. 67). Hinsichtlich dieser interessanten Frage erlaube ich mir, auf einen lehrmäßig konzipierten Vortrag von Herrn Professor Schambeck bei der 16. Vollversammlung der Päpstlichen Akademie für die Sozialwissenschaften zu verweisen, die unter dem Titel stand: Is the Global Authority a Feasable Solution?".

6.2.   Der Heilige Stuhl als operatives Instrument des Papstes in der Leitung der Universalkirche engagiert sich seinerseits auf multilateraler wie auch auf bilateraler Ebene in der Friedensförderung.

6.3.1. Auf multilateraler Ebene geschieht dies durch seine Präsenz und Mitarbeit in den wichtigsten internationalen Organisationen, sei es in Form der Mitgliedschaft, beispielsweise in der Internationalen Atomenergie-Agentur (IAEA) und in der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), in denen der Heilige Stuhl mit Ständigen Vertretern präsent ist, sei es durch die Ständigen Beobachter (es sind insgesamt elf), sei es durch einen Delegierten bei der Liga der Arabischen Staaten oder durch einen Sonderbeauftragten bei der Afrikanischen Union. Der Beitrag, der durch diese Vertreter in den internationalen Debatten geleistet wird - auf weltweiter wie auch auf regionaler Ebene -, wird sehr beachtet, ja von den Vertretern der Mitgliedstaaten sehr oft sogar angefordert, auch wenn aus ideologischen oder politischen Gründen der Beitrag des Heiligen Stuhles nur teilweise aufgenommen wird. Es gibt kein den Frieden betreffendes Problem, das in den Beiträgen der Vertreter des Heiligen Stuhls nicht berührt wird: die Verteidigung des Lebens, Abrüstung, der Kampf gegen Hunger und Analphabetismus, Migration, Förderung der Frau, Respektierung der Religionsfreiheit, interkultureller Dialog und so weiter. Eine durch den Apostolischen Nuntius bei der Europäischen Union, André Dupuy, erstellte Sammlung dieser Beiträge ist unter dem Titel Words that matter" von der jüdischen Stiftung Path to Peace veröffentlicht worden (New York 2003).

6.3.2.          Der Einsatz für den Frieden ist auch bedeutsam für die zwischen­staatliche Diplomatie des Heiligen Stuhles. Zurzeit gibt es 176 Apostolische Nuntiaturen. Bei den Aufgaben, die der Kodex des Kanonischen Rechtes den Päpstlichen Vertretern überträgt, wird ausdrücklich daran erinnert sich darum zu bemühen, daß die den Frieden, den Fortschritt und das gemeinsame Mühen der Völker betreffenden Angelegenheiten gefördert werden" (c. 364, n.5° CIC). In diesem Zusammenhang möchte ich betonen, daß die Institutionen vatikanischer Diplomatie ihre Legitimität nicht vom Staat der Vatikanstadt herleiten, sondern vom Heiligen Stuhl, das heißt letztlich vom Papst, der unabhängig und frei von jeglicher Staats­gewalt, das heißt in der Terminologie des internationalen Rechts, der souverän ist.

6.3.3.          Die Stärke der diplomatischen Tätigkeit des Heiligen Stuhles hat ihre Grenzen, die ihr durch viele Umstände gesetzt werden, paradoxerweise auch durch ein Element, das ihr besondere Kraft gibt. Ihre wesentliche Kraft kommt a) vom Wort Gottes, das sie führt, und b) von den Vernunftargumenten, mit denen sie mit Gläubigen und Ungläubigen in Dialog treten kann. Ein nicht unerhebliches Element ihrer Kraft geht aus einem sozialen Umstand hervor, nämlich aus der Tatsache, daß alle in den verschiedenen Ländern der Welt verstreuten Katholiken - es sind mehr als 1 Milliarde und 300 Millionen - den Papst als ihr geistiges Oberhaupt anerkennen. Dies ist eine Gegebenheit, durch die das Wort des Papstes, wie das Wort des Heiligen Stuhles, eine Resonanz erhält, welche die Regierungen nicht unberücksichtigt lassen können. Aber genau in diesem Punkt verbirgt sich ein Grund seiner Schwäche.

                   Wie kann der Heilige Stuhl öffentlich die Verletzung eindeutiger Rechte in einigen Ländern anprangern, ohne die katholischen Bürger dieser Länder der Gefahr auszusetzen, Repressalien erleiden zu müssen? Diverse Beispiele solcher Konditionierungen und - sagen wir es ruhig - der Bremsung des Wirkens des Heiligen Stuhles, stehen heute unter Beobachtung aller, besonders in Bezug auf gewisse Länder Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. Es wäre nicht moralisch, mit der Kühnheit eines Propheten aufzutreten, wenn dies das Blut von Märtyrern kosten würde. Deshalb ist es oft notwendig, daß der Heilige Stuhl - anstatt die Stimme zu erheben - mit diplomatischer Umsicht und mit überaus sorgfältig abgewogenen Worten spricht. Diese Besonnenheit wird dann nicht übertrieben, wenn verstanden werden kann, was zu verstehen gegeben ist, ohne daß die Adressaten sich vor das Gericht der Völkergemeinschaft gestellt fühlen müssen, was gefährliche Reaktionen verursachen und die Lage weiter verschlechtern könnte. Im Grunde genommen ist es dasselbe Prinzip der Selbstdisziplin, das Papst Pius XII. während seines Lebens viele innere Leiden und nach seinem Tod heftige Verleumdungen einbrachte. In diesem Zusammenhang möchte ich einige seiner bedeutsamen Worte aus einem Brief vom 30. April 1943 zitieren: er antwortete auf einen Brief des Berliner Kardinals von Preysing, der ihm von einer neuen Welle von Deportationen von Juden berichtet hatte: Den an Ort und Stelle tätigen Oberhirten überlassen Wir es abzuwägen, ob und bis zu welchem Grade die Gefahr von Vergeltungsmaßnahmen und Druckmitteln im Falle bischöflicher Kundgebungen [...] es ratsam erscheinen lassen, trotz der angeführten Beweggründe, ad maiora mala vitanda Zurückhaltung zu üben. Hier liegt einer der Gründe, warum Wir selber Uns in Unseren Kundgebungen Beschränkungen auferlegen " (vgl. Hubert Gruber: Katholische Kirche und Nationalsozialismus 1930-1945, Paderborn, 2006 Zit. 486f.).

7.      Zum Schluß möchte ich die Aufmerksamkeit auf einige weitere Organe des Heiligen Stuhles richten, die keinen diplomatischen Charakter besitzen, die aber in besonderer Weise im Dienst seines Wirkens für den Frieden engagiert sind.

Die erste hier zu nennende Behörde ist der Päpstliche Rat Iustitia et Pax. Dieser ist eine Frucht einer Empfehlung des II. Vatikanischen Konzils, das in der schon vorher erwähnten Konstitution Gaudium et Spes sagt: Angesichts der zahl­losen Drangsale, unter denen der größere Teil der Menschheit auch heute noch leidet, hält es das Konzil für sehr zweckmäßig, ein Organ der Gesamtkirche zu schaffen, um die Gerechtigkeit und Liebe Christi den Armen in aller Welt zuteil werden zu lassen. Seine Aufgabe soll es sein, [...] die Gemeinschaft der Katholiken immer wieder anzuregen, den Aufstieg der notleidenden Gebiete und die soziale Gerechtigkeit unter den Völkern zu fördern" (Gaudium et Spes, 90). Diesem Wunsche des II. Vatikanischen Konzils folgend, gründete Papst Paul VI. 1967 den Päpstlichen Rat Iustitia et Pax. Dieser geht einer intensiven Forschungs- und Beratungstätigkeit zu Fragen des Friedens nach und bereitet für den Heiligen Vater die Grundlagen für die Botschaft zum Weltfriedenstag vor. Am 25. Oktober 2004 hat dieser Päpstliche Rat das sehr hilfreiche Kompendium der Soziallehre der Kirche" veröffentlicht.

Ein weiteres Organ mit großem Einfluß auf den Frieden ist der Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog, der von Paul VI. 1964 mit der Aufgabe gegründet wurde, entsprechende Untersuchungen und gute Beziehungen der Kirche mit nicht­christlichen Gruppierungen zu fördern und regelmäßige Kontakte zu unterstützen, auch mit jenen, denen in irgendeiner Weise ein religiöses Bewusstsein nicht fremd ist. Neben zahlreichen Begegnungen mit Vertretern der unterschiedlichen Religionen, schickt dieser Rat auch jedes Jahr eine Botschaft an die Muslime anläßlich des Festes Id al Fitr, am Ende des Fastenmonats Ramadan, an die Buddhisten anläßlich des Vesakh-Festes, und an die Hindus zum Diwali-Fest. Dies ist vielleicht nicht mehr als eine kleine Geste; aber daraus entsteht oft eine Freundschaft, die sich aus solchen kleinen Gesten nährt, und, mir scheint, dies kann eine besonders bedeutsame Geste der Gemeinschaft in der Freude sein, die aus einem geistlichen, religiösen Anlaß entsteht.

Diesem Päpstlichen Rat zugeordnet ist die Kommission für die Beziehungen zu den Muslimen. In unserer Zeit, die von der Angst eines Clash of civilizations (so der Titel des berühmten Buches von Samuel Phillips Huntington aus dem Jahre 1994) geprägt ist, erscheint der Beitrag dieses Päpstlichen Rates zugunsten des Friedens von hervorragender Bedeutung, und sei es auch nur auf indirekte Weise.

Ähnliche Anmerkungen könnten wir zum Päpstlichen Rat Cor Unum", zu den Räten für die Kultur" und für die Familie" sowie zu weiteren Einrichtungen des Heiligen Stuhls vornehmen.

Ich möchte hier nicht verabsäumen, auch an die Abschlußbotschaft der Bischofssynode für den Nahen Osten am 22. Oktober d.J. zu erinnern, die sich mit den schmerzlichen Wunden und mit der dramatischen Situation in jener Weltregion auseinandergesetzt hat. In ihrer Schlußbotschaft haben sich die Synodenväter sowohl an die jüdischen Mitbürger, als auch an die muslimischen Mitbürger gewandt, um sie einzuladen, konkrete Schritte in Richtung Frieden zu unternehmen. Sie haben auch einen Appell an die internationale Gemeinschaft gerichtet, besonders an die UNO, damit sie ernsthaft an einer gerechten und endgültigen Friedenslösung in der Region arbeiten möge, (und das) durch die Umsetzung der Resolutionen des Sicherheitsrates und durch die An­wendung der notwendigen juristischen Schritte, um die Besetzung der verschiedenen arabischen Territorien zu beenden".

Es scheint überflüssig hinzuzufügen, daß der israelisch-palästinensische Kon­flikt eine Kernproblematik des Nahen Ostens darstellt, in der sich die Frage des Friedens in der ganzen Welt widerspiegelt.

Papst Benedikt XVI. hat in seiner Predigt während der Abschluß-Messe der Synode am 24. Oktober gesagt: Man darf sich nie mit dem Fehlen des Frieden abfinden. Der Friede ist möglich. Der Friede ist dringend notwendig. Der Friede ist die unverzichtbare Bedingung für ein würdiges Leben der Person und der ganzen Gesellschaft."

8.      Meine Damen und Herren! Ich möchte zum Schluß kommen.

Der Friede ist möglich. Aber ist er auch jemals real gewesen, und wird er es je sein? Im VI. Buch seiner Historiae contra Paganos" schreibt Paolus Orosius, daß im Jahre 572 der Gründung Roms, Kaiser Augustus cunctis gentibus una pace compositis", die Tore des Janustempels schloß, die für circa zwölf Jahre immer geschlossen blieben, so daß sie ipsa etiam rubigo (eas) signavit": so daß die Tore des Janustempels also verrosteten. Und er fügt hinzu: Igitur eo tempore, id est eo anno quo firmissimam verissimamque pacem ordinatione Dei Caesar composuit, natus est Christus, cuius adventui pax ista famulata est, in cuius ortu audientibus hominibus exultantes angeli cecinerunt 9Gloria in excelsis Deo, et in terra pax hominibus  bonae voluntatis:."

Und zu jener Zeit, das heißt in dem Jahr, in welchem Cesar (der Kaiser) durch den Willen Gottes der Welt den wahrhaftigsten und beständigsten Frieden gab, wurde Christus geboren, zu dessen Ankunft dieser Friede diente und bei dessen Geburt die frohlockenden Engel sangen und die Menschen hörten: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden den Menschen guten Willens'."

         Zwölf Jahre sind noch nicht die  aurea saecula ", (das  Goldene Zeitalter "), das von Virgil vorausgesagt wurde (vgl. Aeneis VI, 791-793), und auch Orosius spricht nicht vom Frieden in der restlichen Welt, die in ihrer Ausdehnung weit über das Römische Reich hinausgeht. In der Tat, wenn es je auf dieser Welt Frieden gab, dann war dieser so kurz, daß man ihn wohl einen gelegentlichen (Frieden) nennen muß. Die Geschichte der Menschheit ist nicht nur, aber auch - leider! - eine ununter­brochene Geschichte von Kriegen.

Wie stehen wir heute da? Den Daten des Instituts für Politikwissenschaft - Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung" an der Universität Hamburg zufolge, gab es 2008 in der Welt 40 Kriege oder bewaffnete Konflikte. Ich besitze keine aktuelleren Daten; aber es ist bekannt, daß die Atomwaffen-Arsenale der größeren Mächte jetzt schon mit einer so großen Zahl von Atomsprengköpfen und solcher Zerstörungskraft ausgestattet sind, daß sie den gesamten Erdkreis verwüsten können. Das ist kein gutes Vorzeichen für den Frieden.

         Wird je einmal der Tag kommen, an dem man wird sagen können:  Toto orbe in pace composito "? Eine Zeit, in der nicht die Tore des Janustempels, sondern die Waffen verrosten werden? Zweifel daran sind angebracht.

         Nichts desto trotz fühlt sich die Kirche, fühlen sich alle Christen von den Worten Unseres Herren angespornt: Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden"; und auch von den Worten des Apostel Paulus, in denen die Worte des Herrn nachhallen: Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, es ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist: Und wer Christus so dient, wird von Gott anerkannt und ist bei den Menschen geachtet. Laßt uns also nach dem streben, was zum Frieden und zum Aufbau (der Gemeinde) beiträgt." (Röm 14,17-19).

         Wir wissen nicht, ob es je einen wirklichen Frieden in der Welt geben wird; aber wir wissen, daß die Kirche Christi und daß der Heilige Stuhl stets an vorderster Front stehen werden, um den Frieden zu fördern und um ihn da, wo er gelingt, zu festigen.

Danke!

 

 

 

Es gilt das geschriebene Wort!

 

 

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