Predigt
Seiner
Eminenz
Kardinal
Giovanni
LAJOLO
(Baden,
5.
Dezember
2010)
Pontifikalamt
in
der
Stadtpfarrkirche
St.
Stephan,
Baden
bei
Wien,
5.
Dezember
2010
II.
Adventssonntag
(Lesejahr
A)
Predigt
Seiner
Eminenz
Kardinal
Giovanni
LAJOLO,
Präsident
des
Gouverneursamtes
des
Staates
der
Vatikanstadt
Exzellenz,
hochwürdigster
Herr
Apostolischer
Nuntius!
Hochwürdiger
Herr
Stadtpfarrer
Prälat
Hoffegger!
Lieber
Herr
Nuntiaturrat
Mons.
Kühn!
Brüder
und
Schwestern
im
Glauben,
liebe
Mitchristen!
Mit
großer
Freude
feiere
ich
heute,
am
ersten
Tag
meines
Österreich-Besuchs,
hier
in
St.
Stephan
zu
Baden
mit
Ihnen
allen
diese
heilige
Messe
zum
zweiten
Adventsonntag.
In
den
biblischen
Texten
dieses
II.
Advents
begegnen
wir
drei
großen
Persönlichkeiten,
die
ein
sehr
unterschiedliches
Profil
aufweisen,
von
denen
aber
jede
mit
einer
eigenen,
tiefen
Botschaft
heraussticht.
Alle
drei
lenken
unseren
Blick
und
unsere
Herzen
auf
ein
einziges
Ziel
hin:
auf
Jesus
Christus
hin,
der
unser
Leben
verändert
und
uns
stets
mit
neuer
Hoffnung
erfüllt!
1.    Â
Die
erste
dieser
drei
großen
Gestalten
ist
der
Prophet
Jesaja:
Er
übermittelt
uns
eine
messianische
Prophetie,
in
der
sich
zwei
Perspektiven
überlappen:
die
der
geschichtlichen
Ankunft
des
Messias
vor
etwa
zweitausend
Jahren
und
jene
seines
eschatologischen
Kommens,
d.h.
seiner
Wiederkunft
am
Ende
der
Zeiten,
das
sich
der
Ewigkeit
öffnet.
       Â
In
unserer
Zeit
sieht
Jesaja
einen
sprießenden
Trieb,
der
aus
dem
Baumstumpf
Isais
hervorgeht,
ein
Pflänzchen,
das
aus
seinen
Wurzeln
hervorsprießt
und
dasteht
als
Zeichen
für
alle
Völker.
Der
Stumpf
des
Baumes
Isai
(Jesse),
des
Vaters
von
König
David,
hat
den
treuen
König,
den
guten
Hirten
hervorgebracht;
doch
wie
es
so
häufig
geschieht,
war
seine
Nachkommenschaft
untreu.
Der
Stamm
Jesse
verdorrte
und
wurde
zerspalten.
Aus
dem
Baumstumpf
muß
etwas
völlig
Neues
hervorgehen:
ein
neuer
Sproß,
der
ganz
und
gar
vom
Geiste
Gottes
erfüllt
ist.
Er
wird
den
Armen
und
Unterdrückten
Gerechtigkeit
und
Recht
verschaffen.
Dieser
Sproß
ist
der
Messias,
der
Christus
-
der
Gesalbte,
Jesus,
auf
den
sich
der
Geist
Gottes
bei
der
Taufe
durch
Johannes
im
Jordan
niederlassen
wird.
Dieser
Trieb
am
Stamm
Jesse
ist
Jesus
Christus,
aufgerichtet
zum
Zeichen
für
die
Völker.
Ihn
suchen
alle
Menschen
im
Tiefsten
ihres
Herzens,
nach
ihm
steckt
sich
die
Sehnsucht
aller
aus,
denn
nur
er
ist
das
wahre
Heil
des
Menschen.
       Â
Während
sich
diese
Prophetie
verwirklicht,
scheint
auch
schon
die
noch
mehr
in
der
Ferne
liegende
Vollendung
durch,
wenn
das
Reich
des
Messias
zur
Erfüllung
gelangt,
wenn
die
Weisheit
Gottes
die
Erde
erfüllen
wird
und
die
Natur
selbst
gereinigt
sein
wird.
Der
Prophet
Jesaja
sagt
es
uns
in
eindrücklichen
Bildern:
„Dann
wohnt
der
Wolf
beim
Lamm,
der
Panther
liegt
beim
Böcklein"
(
Jes
11,6a).
       Â
Wir
selbst
befinden
uns
in
dieser
Spannung
zwischen
der
ersten
Erfüllung
und
der
Vollendung
am
Ende
der
Zeiten.
Die
Adventszeit,
die
wir
in
diesen
Wochen
feiern,
ist
in
ganz
besonderer
Weise
Ausdruck
dieser
Situation,
des
Übergangs
von
einer
Zeit
in
eine
andere:
Denn
unsere
Freiheit
sieht
sich
mit
dem
Sproß
Isais
konfrontiert;
sie
wird
erhöht
zum
Zeichen
des
Guten
im
Kampf
gegen
das
Böse,
aber
sie
wird
auch
erleuchtet
und
getragen
von
der
Hoffnung,
die
die
Freude
der
Erfüllung
ihres
Zieles
voraussieht
und
vorwegnimmt.
Dann
nämlich
wird
sich
das
menschliche
Herz
in
perfekter
Harmonie
mit
dem
Guten
befinden
und
unsere
Natur
wird
an
der
gewonnen
Freiheit
der
Kinder
Gottes
teilhaben,
wie
es
der
Apostel
Paulus
formuliert
(vgl.
Röm
8,20-25).
       Â
Auf
diese
Weise
erhält
der
Bezug
zum
Sproß
der
Wurzel
Jesse
den
gläubigen
Menschen
voll
in
der
Wirklichkeit
und
im
Zeichen
des
Messias,
zu
dem
er
aufschaut
und
für
den
er
kämpft
und
er
richtet
ihn
gleichzeitig
auf
die
Zukunft
aus.
Wir
können
also
sagen:
Der
Christ
ist
ein
Mensch,
der
das
Engagement
in
der
Gegenwart
ernstnimmt,
und
zugleich
ist
der
Christ
ein
Mensch
der
Hoffnung,
nicht
irgendeiner
Hoffnung,
sondern
der,
die
von
Christus,
dem
Messias,
ausgeht
und
uns
erfüllt.
2.    Â
Die
zweite
biblische
Persönlichkeit,
die
uns
die
Liturgie
der
Kirche
heute
nahebringt,
ist
Johannes
der
Täufer.
Eine
große
Menschenmenge
drängt
sich
um
ihn,
weit
mehr
als
dies
bei
den
anderen
Propheten
des
Alten
Bundes
der
Fall
war.
Seine
Botschaft
ist
die
einer
historischen
Wende
für
das
Volk
Israel,
ja
sogar
einer
einzigartigen
und
definitiven
Wende
für
das
ganze
Menschengeschlecht.
Die
Botschaft
des
Täufers
ergeht
vor
diesem
geschichtlichen
Hintergrund:
Das
Volk
Israel
war
pilgernd
auf
der
Suche
nach
einer
Heimat,
es
war
verbannt
und
versklavt,
fern
der
ursprünglichen
Heimat.
Und
nun,
zur
Zeit
Johannes',
hat
es
zu
seinem
Land
zurückÂgefunden,
aber
sieht
sich
von
einer
fremden
Macht
gedemütigt.
       Â
Johannes
verkündigt:
„Das
Himmelreich
ist
nahe"
(
Mt
3,2b).
Dieses
„Himmelreich"
unterscheidet
sich
von
dem,
was
die
Juden
bisher
erwartet
hatten:
ein
neues
Reich,
verschieden
von
jedem
anderen
von
Menschen
geschaffenen
Reich.
Himmelreich
bedeutet
Gottesreich:
ein
anderes,
breiteres
und
größeres
Reich,
gewissermaßen
so
wie
der
Himmel
höher
als
die
Erde
ist.
Der
Messias
ist
im
Kommen,
um
dieses
Reich
Wirklichkeit
werden
zu
lassen.
Wir
müssen
vorbereitet
und
bereit
sein,
um
daran
teilzuhaben,
um
mit
Ihm
in
dieses
Reich
einzuziehen.
Johannes
sagt
uns,
daß
dafür
unsere
Bekehrung
notwendig
ist:
„Kehrt
um!"
(
Mt
3,2a).
       Â
Umkehren,
sich
bekehren,
heißt,
dem
Leben
eine
neue
Richtung
geben.
Welche
aber?
Die
wahre
Kehrtwende
im
Leben
„bringt
Frucht
hervor,
die
eure
Umkehr
zeigt"
(
Mt
3,8).
Die
Frucht
ist
etwas,
das
die
Pflanze
nichts
für
sich
behält,
sondern
anbietet,
damit
es
für
die
Menschen
von
Nutzen
sei.
Früchte,
die
unsere
Umkehr
zeigen,
sind
demnach
Wahrhaftigkeit
und
Großmütigkeit
und
nicht
Egoismus
und
Falschheit.
Es
sind
weiters
die
Früchte
der
Gerechtigkeit
und
der
Barmherzigkeit.
Die
guten
Gaben
des
Geistes
des
Herrn,
die
bei
Jesaja
genannt
werden
und
deren
Träger
und
Überbringer
der
Messias
ist,
damit
wir
ihrer
teilhaftig
werden,
sind
diese:
Weisheit,
Einsicht,
Rat,
Stärke,
Erkenntnis
und
Gottesfurcht.
       Â
In
Wirklichkeit
wünscht
sich
jeder
aufrichtige
Mensch
diese
Gaben,
die
für
uns
selbst
und
auch
für
die
anderen
kostbar
sind.
Und
jeder
kann
sich
bemühen,
sie
hervorzubringen.
Mit
Gewißheit
gelingt
dies,
wenn
wir
uns
vom
Messias
im
Heiligen
Geist
und
im
Feuer
taufen
lassen:
im
Geist
der
Wahrheit,
der
unser
Wirken
fruchtbar
macht,
im
Feuer
der
Liebe,
die
uns
reinigt.
Wir
können
schließlich
festhalten:
Der
Christ
ist
ein
Mensch
des
Geistes,
weil
Christus
gerade
deshalb
gekommen
ist,
um
uns
seinen
Geist
zu
schenken,
der
die
höchste
aller
Gaben
ist.
3.    Â
Die
dritte
Persönlichkeit,
die
uns
in
den
heutigen
Schriftlesungen
begegnet,
ist
der
Apostel
Paulus.
Seine
Worte
sind
Worte
des
Trostes
und
der
Hoffnung,
aber
auch
des
ehrlichen
Bemühens,
denn
er
lädt
uns
ein,
in
uns
die
gleichen
Intentionen
zu
nähren
wie
Jesus.
Dies
bedeutet
ein
neues
Leben,
das
anders
ist
und
nicht
vom
Äußeren,
sondern
von
der
Innerlichkeit
Jesu,
der
unser
Leben
umgestaltet,
bestimmt
wird.
Die
Intentionen
Jesu
erheben
unsere
Seele
zum
Vater
und
verbrüdern
uns
untereinander
und
mit
allen
Menschen.
Sie
machen
auch
unsere
Feinde,
die
wir
zu
Freunden
haben
wollen,
zu
unseren
Brüdern.
Diese
innere
Bewegung
Jesu
eint
uns
durch
die
Kraft
seines
Geistes,
an
der
er
uns
teilhaben
lässt.Â
       Â
Unser
Leben
wird
so
von
nun
an
umgestaltet
in
eine
Vorwegnahme
der
Fülle
des
ewigen
Lebens,
wenn
das
Reich
Gottes
voll
verwirklicht
sein
wird
und
unser
Leben
die
Liebe
Gottes
besingen
wird.
Wir
können
daher
sagen:
Der
Christ
ist
ein
Mensch,
der
die
Intentionen
Christi
in
sich
trägt.
       Â
Und
deshalb
öffnet
sich
der
Christ
in
Freude,
„einträchtig
und
mit
einem
Munde"
für
den
gemeinsamen
Lobpreis
Gottes,
des
Vaters
unseres
Herrn
Jesus
Christus,
mit
seinen
Brüdern
und
Schwestern
und
mit
der
gesamten
Schöpfung
(vgl.
Röm
15,6).
4.    Â
Wir
sind
berufen,
diese
Wirklichkeit
in
unterschiedlicher
Weise
und
Weite
an
jedem
Tag
unserer
demütigen
Existenz
zu
leben,
dies
jedoch
mit
besonderer
Intensität
in
der
Eucharistiefeier
zu
tun,
die
unsere
Herzen
weitet
und
vereint.
Sie
spiegelt
die
Liturgie
des
himmlischen
Jerusalems
wider
und
nimmt
sie
vorweg.
Sie
feiert
das
Kommen
des
Herrn
in
unserer
Zeit
und
macht
uns
der
Verdienste
seiner
glorreichen
Passion
teilhaftig,
die
uns
für
das
neue
Leben
der
Auferstehung
und
der
frohen
Erwartung
 der
Wiederkunft
des
Herrn
in
Herrlichkeit
öffnet.
       Â
Hier
dürfen
wir
schon
jetzt
stets
aufs
Neue
den
Trost
der
Heiligen
Schrift
verkosten,
inder
wir
die
lebendige
Stimme
des
Herrn
hören.
Dieser
Trost
hebt
Leiden
und
Schmerzen
nicht
auf,
aber
er
gestaltet
sie
um.
Hier
begegnen
wir
nicht
nur
Jesaja,
Johannes
dem
Täufer,
Paulus
und
allen
großen
Männern
und
Frauen
Gottes,
sondern
dem
Sproß
des
Thrones
Davids,
dem
Messias,
Jesus:
Er
ist
es,
der
uns
Tag
für
Tag
begleitet,
der
uns
öffnet
und
hineinführt
in
das
Reich
der
Freude,
der
Wahrheit
und
der
Liebe
des
Vaters
und
des
Heiligen
Geistes.
Amen.
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