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Der Ratschluß des Herrn bleibt in Ewigkeit

Eucharistiefeier am Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu Souveräner Malteser-Ritter-Orden, Augustinerkirche, Wien, 15. Juni 2007



„Der Ratschluß des Herrn bleibt in Ewigkeit!

Herr! Allmächtiger Gott, gib, daß wir aus der Quelle des göttlichen Erbarmens die Fülle der Gnade und der Liebe empfangen!“ (Eröffnungsvers)



Hochverehrter Großkanzler!

Hochverehrter Prokurator!

Hochwürdige Mitbrüder im priesterlichen Dienst!

Liebe Damen und Ritter des Malteserordens!


Ich glaube, daß uns die Introitus-Worte der liturgischen Herz-Jesu-Feier und unseres gemeinsamen Gebetes klar und deutlich sagen, was der Gehalt und der Sinn des heutigen Festgottesdienstes sind. Die vom Herzen Jesu getragene Spiritualität des Malteser-Ritter-Ordens will nichts anders besagen, als daß durch göttlichen Ratschluß im Jahre 1099 Ritter dem Vorbild des heiligen Johannes des Täufers folgten und sich berufen fühlten, die unterdrückten Brüder im Heiligen Land zu verteidigen und den Glauben an den Herrn Jesus Christus, dem Gottessohn und Erlöser der Menschen, zu verkündigen. Über Jahrhunderte hinweg haben diese Ritter trotz aller Schwierigkeiten, Kriege, Epidemien und Krankheiten, belebt und motiviert durch die „ tuitio fidei “ und das „ obsequium pauperum “ die im Herzen Jesu ausgedrückte Barmherzigkeit Gottes und die christliche Hoffnung an allen Orten und zu allen Zeiten verkündigt.

In ehrlichem und authentischem Gehorsam zum ewigen Ratschluß Gottes haben die Malteser die Gnade und Menschenliebe Gottes zu den Menschen gebracht und im Dienst am Herzen Jesu Heil und Hoffnung geweckt. Durch ihre Hilfe und Aufmerksamkeit den „Herren Kranken“ gegenüber, haben sie die Barmherzigkeit Gottes und die Liebe Jesu Christi überall in der Welt konkretisiert und manifestiert. Wie viele von ihnen haben dem Befehl des Herrn „Steh auf und geh!“ gehorcht!


Als die Neuzeit neue politische Bedingungen und Forderungen stellte, haben die Malteser mit Mut und Weitsicht ihre Sendung und Mission an die neuen gesellschaftlichen Verhältnisse angepaßt. Sie sind auf diese Weise zu wahren Rittern nach dem Vorbild des Herzens Jesu geworden. Als treue Diener sind sie dem Ratschluß Gottes gefolgt, haben ihr Versprechen treu gehalten und somit ihr überirdisches Ziel erreicht.


Im Jahre 1953 wurde erstmals in Köln der deutsche Malteser-Hilfsdienst gegründet. Bald darauf, im Jahre 1957, der Malteser-Hospitaldienst in Österreich. Unter dem damaligen Fürstgroßprior Baron Ludwigsdorff und seinem Vikar Graf Trapp, wurde auf Initiative von Graf Piatti hin der Österreichische Malteser-Hospitaldienst gegründet. Erster Kommandant wurde damals Graf Arco. Die spirituelle Arbeit, Mission und der Auftrag des Malteser-Hospitaldienstes waren von Anfang an, die Nächsten, besonders die Kleinen und Unmündigen, die Armen und Kranken im Sinne des Herzens Jesu die Liebe und Barmherzigkeit Christi schauen zu lassen. Das Motto des Ordens „ tuitio fidei “ und „ obsequium pauperum “ heißt aber auch, Erste Hilfe zu leisten in den natürlichen und menschlichen Katastrophen dieser Welt (Erdbeben, Überschwemmung, Krieg, Flucht, Vertreibung) durch Krankentransporte, Sozialdienste und medizinische Hilfeleistung, in den verschiedenen Aspekten des Lebens, die der christlichen Nächstenliebe bedürfen.


Die Malteser haben alle Schwierigkeiten und Wirrnisse der Jahrhunderte mit Tatkraft und Überzeugung gemeistert, weil ihre innere Ausrichtung und Spiritualität nicht von weltlichen und egoistischen Interessen geprägt sind, sondern im Sinne des Herzens Jesu von Gottes Liebe und christlicher Sensibilität für die Menschen aller Zeiten.


Die Malteser-Ritter leisten auch heute noch überall dort Hilfe, wo christliche Solidarität gefragt ist und wohin die Kirche sie ruft: im Gottesdienst, in der Anbetung, in der Gesellschaft und in der Politik. Wo die Kirche und die christliche Gemeinschaft präsent sind, dort sind es auch die Malteser. Mit ihrer schwarzen Kukulle und dem weißen Kreuz des achtfachen Elends bringen die Malteser-Ritter die Barmherzigkeit Gottes in den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft zum Ausdruck.


In der Ersten Lesung der heutigen Liturgie sagt der Prophet Ezechiel: „Ich werde meine Schafe auf die Weide führen. Ich werde sie ruhen lassen. Die verlorengegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen.“ (Ez 34,15-16) Ich erkenne in diesen Worten besonders die Personifizierung des Auftrags Jesu an den Malteser-Hospitaldienst. Die Malteser sind dabei getragen von der Motivation, von der Paulus spricht: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen“. Das aus dem Herzen Jesu geflossene Blut und Wasser hat uns errettet. Und Christus, der göttliche Heiland, hat uns die Fortführung seiner Heilsmission anvertraut. (vgl. Röm, 5,5-11)

Die heutige Gesellschaft braucht, auch wenn diese Welt es nicht erkennen will, die Kirche, sie braucht die Hilfe der Kirche. Die Malteser-Ritter bringen im Hospitaldienst die Barmherzigkeit Gottes zum Ausdruck. Nur jene, die dem Ratschluß Gottes folgen, nur die, die Gott suchen und seine Stimme hören, können das verstehen, können zu den Kleinen gehen, die Kranken heilen, die Entfernten rufen und die verlorenen Schafe mit Liebe und Aufmerksamkeit zur guten Weide zurückbringen. Jesus sagt: „Ich habe Mitleid mit der Menge.“ Die Kirche ist mit ihren verschiedenen Institutionen und Orden, mit ihren geistlichen und religiösen Bewegungen im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils Sakrament, Zeichen und Mittel der Liebe und Barmherzigkeit Gottes. Alle Söhne und Töchter der Kirche, vor allem die Malteser-Ritter, wollen Mut und Hoffnung in diese Welt bringen. Mit ihren verschiedenen geistlichen und caritativen Organisationen und Charismen versuchen sie mit Worten und Taten den Anspruch des Herzens Jesu zu bezeugen. Das traditionelle Motto steht dabei für das Zeugnis des Glaubens, die Verteidigung der christlichen und menschlichen Werte und für soziale Gerechtigkeit in einem.


Wenn wir in diesen Tagen mit Freude und Dankbarkeit das 50. Jubiläum des Malteser-Hospitaldienstes feiern, danken wir Gott für alles, was er durch den Malteser-Orden für seine Kirche und für die Welt getan hat. Durch die Malteser, wie auch durch viele moderne caritative Organisationen der Kirche, wird das “ Vexillum Regis “, das Banner der göttlichen Liebe in der Mitte und im Herzen der heutigen Gesellschaft hoch getragen. „Die Christen glauben nämlich“, wie uns Papst Benedikt XVI. lehrt, „trotz aller Unbegreiflichkeiten und Wirrnisse ihrer Umwelt weiterhin an die Güte und Menschenliebe Gottes“ ( Deus caritas est, Nr. 38).


Um dieses neue Engagement und diesen neuen Willen im Dienst der Integralität unserer Mission zu erklären, wiederhole ich gerne die Worte Papst Johannes Paul II. an Seine Hoheit und Eminenz, den Großmeister des Souveränen Malteser-Ritterordens (Fra Andrew Bertie): „Seid sicher, daß Euer uneigennütziger und freiwilliger Dienst angelehnt ist an die schönen Ausführungen des Evangeliums, wo der Herr sich mit den Kleinen und Demütigen identifiziert (Mt 10,42; 25,40; Mk 9,41; Lk 9,48). Euer Dienst ist nicht nur Hilfe und Trost für Eure Betreuten in den Krankenhäusern, Alten- und Waisenheimen, in den Gefängnissen und den verlassenen Vierteln der modernen Städte. Er ist auch ein Werk der Liebe, die Euch dereinst zurückgegeben wird. Ihr seid durch die Nächstenliebe angespornt, die eigene Kleinmütigkeit zu vergessen und die eigene Unvollkommenheit zu überwinden. Denn die Liebe entwickelt Verständnis für die Leiden und Nöte der anderen. Sie gibt der Solidarität einen erhabenen Sinn.“ (Johannes Paul II., 20. Juni 1980)

„Wenn ihr alles getan habt, was zu tun ist, dann sagt zu euch selbst: wir sind nur unnütze Diener, “ spricht der Herr. Wir müssen dienen nach dem Vorbild des Herzens Jesu. Wir können uns mit Christus, dem guten Hirten, freuen, weil er uns, seine Schafe, wieder gefunden (Lk 15,7), wieder gerufen, wieder auserwählt und uns seine Freunde genannt hat, um uns am eucharistischen Tisch zum Sakrament seiner ewigen Liebe zu versammeln.


Am heutigen Herz-Jesu-Fest wollen wir dienstbereit und bewußt unserer Berufung als Malteser-Ritter mit den alten Worten der Herz-Jesu-Verehrung beten: „ O Iesu, mitis et humilis corde, fac cor meum secundum cor tuum!“


Amen!





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