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Die Geschichte der Apostolischen Nuntiatur in Österreich

Bild des Eingangs der Nuntiatur Wer sich in Wien in die Apostolische Nuntiatur in der Theresianumgasse 31 begibt, wird durch das Hauptportal, das die im Renaissance-Stil gehaltene Fassade ziert, in das Vestibül der Nuntiatur geleitet. Dort fällt der Blick des Besuchers gleich auf eine Büste von Papst Pius X. und auf eine lateinische Inschrift, die an die Errichtung des neuen Sitzes der Apostolischen Nuntiatur in Österreich im Jahre 1913 erinnert: „Deshalb, weil der Hof der Markgrafen des hohen Alters wegen baufällig geworden war, errichtete Papst Pius X. im elften Jahre seines Pontifikates dieses Palais, um den Apostolischen Nuntius eine neue und geräumigere Residenz zur Verfügung zu stellen," heißt es darin übersetzt.

Die Pläne der Fassade stammen von Pietro Palumbo, einen von der römischen Kurie angesehenen Architekten. Ein Wappen von Papst Pius X. schmückt gemeinsam mit dem Doppeladlerwappen Kaiser Franz Josephs I. das Mittelfenster des ersten Stocks, das von einem kleinen Balkon umrahmt ist. Von diesem Balkon aus hat Papst Johannes Paul II. während seiner Besuche in Österreich jeweils Gruppen von Menschen begrüßt, die auf ihn mit Spannung harrten. Auch Papst Benedikt XVI., dessen Ankunft am 7. September viele Menschen mit freudiger Erwartung entgegen sehen, wird sich sicherlich auf diesen Balkon zeigen.

Papst Benedikt XVI. ist nicht der erste Papst, der nach Österreich kommt. Insgesamt hat Österreich bereits viermal einen Papst empfangen. Gleich dreimal hat Papst Johannes Paul II. während seines langen Pontifikats Österreich besucht (1983, 1988 und 1998) und übernachtete während seines Aufenthalts immer mehrere Male in der Apostolischen Nuntiatur, der Botschaft des Heiligen Stuhls in der Wiener Theresianumgasse.

Der erste Besuch eines Papstes in Österreich liegt hingegen schon 225 Jahre zurück. Für die damalige Zeit war es ein ungewöhnliches Ereignis, dass Papst Pius VI. im Jahre 1782 die Strapazen einer anstrengenden langen Reise auf sich nahm, um dem vom Geist der Aufklärung geprägten Kaiser Joseph II. ins Gewissen zu reden. Joseph II. hatte 1781 das sogenannte „Toleranzpatent" erlassen, das zu einem Staatskirchentum führte und die Handlungsfähigkeit der katholischen Kirche stark einschränkte. Viele Klöster kontemplativer Orden wurden aufgelassen, die Ordensgeistlichkeit der Jurisdiktion der Bischöfe unterstellt und die Kommunikation der Bischöfe mit dem Heiligen Stuhl erschwert. Die Radikalität, mit der Joseph II. seine kirchlichen Reformen durchführte, hatte den Papst veranlasst, sich selbst ein Bild über die vom Apostolischen Nuntius geschilderte Lage in Österreich zu machen.

Einen ganzen Monat, vom 22. März bis 22. April, verweilte der Papst in der Hauptstadt der kaiserlichen Monarchie und residierte als Gast des Kaisers in den Gemächern der Hofburg, in denen einst Kaiserin Maria Theresia gewohnt hatte. Die intensiven Verhandlungsgespräche mit dem Kaiser fanden jedoch in der Apostolischen Nuntiatur statt, die sich damals im Althann'schen Palais „Am Hof", unweit der Kirche „Zu den neun Chören der Engel" befand. Vor der Fassade der Kirche mit dem Balkon, von dem aus Papst Pius VI. am Ostertag von 1782 die Gläubigen segnete, wird auch Papst Benedikt XVI. am kommenden 7. September eine kurze Andacht halten.

Das alte Palais der Nuntiatur „Am Hof" stand im Laufe der Geschichte noch öfters im Mittelpunkt wichtiger politischer Ereignisse. In dieser Nuntiatur hatte Nuntius Antonio Eugenio Visconti am 16. Mai 1770, durch einen Stellvertreter für den Bräutigam, die Trauung von Marie Antoinette, der Tochter der Kaiserin Maria Theresia, mit dem Kronprinzen von Frankreich, dem späteren König Ludwig XVI. abgehalten.

Später, zur Zeit des Wiener Kongresses in den Jahren 1814/ 1815 fanden in diesem Gebäude entscheidende Gespräche zwischen dem österreichischen Staatsminister Fürst Metternich, dem französischen Außenminister Herzog Talleyrand und dem Staatssekretär des Papstes, Kardinal Consalvi, statt, die zu einer vollständigen Wiederherstellung des von napoleonischen Truppen besetzten Kirchenstaates führten.

Nuntius Gennaro Pignatelli entschied 1909, das Palais der Nuntiatur „Am Hof" zu verkaufen und für die Summe ein Grundstück in der Theresianumgasse zu erwerben. Die Österreichische Zentralbank kaufte schließlich 1912 das Gebäude der Nuntiatur „Am Hof", das jedoch während des amerikanischen Bombenangriffs im März 1945 zerstört wurde. An dieser Stelle befindet sich heute die Kontrollbank.

Im neuen Gebäude der Nuntiatur in der Theresianumgasse konnte nach dem Ersten Weltkrieg das Konkordat mit der Republik Österreich ausgearbeitet werden, das am 5. Juni 1933 im Vatikan durch Kardinalstaatssekretär Pacelli für den Heiligen Stuhl und von Bundeskanzler Dollfuß für die Republik Österreich paraphiert wurde.

Nuntius Gaetano Cicognani (1935-1938) versuchte von hier aus im Auftrag von Papst Pius XI. bei den österreichischen Bischöfen gegen eine Anlehnung an das nationalsozialistische Hitler-Deutschland einzutreten und Bundeskanzler Schuschnigg zu stützen. Cicognani legte offiziell Protest bei der Regierung ein, als am 13. März 1939 das Gesetz über die „Wiedervereinigung" Österreichs mit dem Deutschen Reich erlassen wurde und deutsche Wehrmachtstruppen in Österreich einmarschierten.

Aus dem Archiv der Nuntiatur geht hervor, dass Papst Pius XI. Nuntius Cicognani nach dem Einmarsch Hitlers in Österreich anwies, die österreichischen Bischöfe aufzufordern, sich in Zukunft aller politischer Erklärungen zu enthalten und Hitler mit keinerlei Wohlwollen zu begegnen. Nuntius Cicognani musste jedoch auf Grund einer Aufforderung des Reichsstatthalter Seyß-Inquart am 3. April 1938 das Land verlassen, während das leere Nuntiaturgebäude von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und darin das Amt für Gewässerkunde eingerichtet wurde.

Am 13. April 1945 zogen sowjetische Truppen in das Parterre des Nuntiaturgebäudes ein, ohne dass jedoch das Amt für Gewässerkunde seine Büro-Räume in den oberen Stockwerken aufgeben musste. Kurz nach dem Kriegsende drängte Papst Pius XII. bei den vier Siegermächten darauf, die staatliche Souveränität Österreichs wiederherzustellen. So gewährten die vier Siegermächte am 28. Juni 1946 der österreichischen Regierung das Recht, wieder diplomatische Beziehungen mit anderen Staaten aufzunehmen.

Zu neuen diplomatischen Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl kam es, als Pius XII. am 4. November 1946 Erzbischof Maurilio Silvani zum ersten Apostolischen Nuntius bei der österreichischen Regierung der Zweiten Republik ernannte. In zahlreichen Beratungen zwischen dem Staatssekretariat des Vatikans und der österreichischen Regierung konnte in den Jahren 1957/1958 schließlich das 1933 abgeschlossene Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Österreich novelliert werden.