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Rede und Antwort stehen

Eucharistiefeier mit Firmspendung, Pfarrkirche Steyr, 21. Mai 2006



 Der Herr hat sein Volk befreit. Verkündet es jauchzend bis ans Ende der Erde.



Liebe Brüder und Schwestern!


Es freut mich sehr, Euch mit diesen Worten der Freude und der Sieges des Herrn zu begrüßen. Es freut mich sehr, mit Euch diesen letzten Sonntag der Osterzeit zu feiern. Der Herr ist auferstanden! Er ist wirklich auferstanden! Und jetzt bereitet er sich vor, zu seinem Vater zurückzukehren, um uns dort einen Platz zu bereiten.


Wenn ein Verwandter, ein Sohn, ein Bruder, eine Schwester, oder ein Freund fortreisen muß, bleibt die Familie in der Regel ein wenig traurig zurück. Die Jünger wissen nicht, daß Jesus zum Vater zurückkehren muß. Sie jubeln, sie singen, weil sie sehen, wie Philippus, der Diakon, der Diener, Wunder vollbringt. Die Menge achtete auf seine Worte, weil sie die Wunder sah. Viele Besessene wurden von unreinen Geistern befreit. Lahme und Krüppel wurden geheilt. Voller Freude schickt die Kirche von Jerusalem Petrus und Johannes aus, um die Freude auch anderen mitzuteilen, aber auch um besonders zu beten. Ein Wunder ist ein Zeichen von Gott, und das Gebet ist eine Verbindung mit Gott. Die Apostel in Jerusalem freuten sich über die vielen neuen Christen, wobei sie die Wunder richtig als Mittel, nicht als Ziel verstanden, um das Wort Gottes richtig zu empfangen. Sie wollten, daß die neuen Christen auch die Firmung bekommen. Die Firmung ist der Eintritt des Heiligen Geist in die Existenz des Menschen, um ihn auf den rechten Weg zu führen.


Um den Heiligen Geist in rechter Weise empfangen zu können, muß man ihm den Weg ins Herz vorbereiten. Die Hände des Firmspenders auf den Köpfen der zu Firmenden sind wie die Handauflegung der Apostel bei den ersten Christen. Wenn die Seele sich vorbereitet hat, nimmt Gott Wohnung in uns. Die Firmung wird auch unsere ewige Verbindung mit Christus genannt. Die Taufe ist die Incorporatio in Christus, die Firmung ist die Gabe des Geistes, um als Jünger immer der Botschaft Christi treu zu bleiben. Deswegen kann der heilige Petrus, der den Heiligen Geist den Christen von Samarien vermittelt hat, später den Christen empfehlen: Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig. Seid bereit jedem Rede und Antwort zu stehen. Antwortet bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen. (1Petr 3,15)


Liebe Brüder und Schwestern! Vielleicht haben wir uns zu prüfen, ob wir wirklich in unserem Herzen, welches in der Taufe und Firmung durch Christus geprägt worden ist, Christus heilig bewahrt haben. Wenn wir genug Mut und Vernunft haben, können wir viel von unseren Schwierigkeiten, viel von unserer Schwäche verstehen. Wir, die kleine Gemeinde, die sich Christus verpflichtet und treu ergeben weiß, wir versuchen ihm nachzufolgen im Alltag.


Wenn wir dies verstehen, verstehen wir, daß Gott in Christus bei uns ist. Wenn es scheint, daß er weit weg von uns ist, ist es nur wegen seiner göttlichen Würde und Erhabenheit. Sein Geist aber bleibt als Tröster und Beistand bei uns. Er ist der Geist der Wahrheit, den Ihr nur deshalb kennt, weil er selbst bei euch bleiben will.


Liebe Brüder und Schwestern, oft fragen wir uns, warum unsere Gesellschaft so entgeistert von Gott und seiner Liebe ist, von Gott, der die Liebe ist, und warum so viele Menschen andere Ziele, andere Antworten und andere Religionen suchen. Ist es nicht, weil wir etwas von unserem Glauben einschlafen haben lassen und uns die Ethik an die Seite gestellt haben? Bevor wir Nein sagen, bevor wir uns entmutigen lassen, bitten wir den Heiligen Geist, in dem uns Christus dem Tod entrissen hat. Christus lebt, und noch mehr, er lebt in uns, und im Heiligen Geist führt er uns. Wer meine Gebote hält, wird von meinem Vater geliebt, spricht der Herr. Ist es nicht schade, dies zu übersehen? Ist dies nicht eine verjüngende Energie, die uns immer jung und begeistert in die Nachfolge Christi ruft? Wer ein Licht hat, kann es nicht verstecken. Christus, das Osterlamm, ist unser Licht. Er erleuchtet uns mit seinem Geist und gibt uns alles, was wir brauchen. Er liebt uns und behütet uns. Er hat uns alles geoffenbart.


Sehr gerne möchte ich zum Schluß an die Worte des Heiligen Vaters erinnern. Die Liebe, schreibt der Papst, ist nicht einfach im Gedanken, sondern im unerwarteten und in gewisser Hinsicht im unerhörten Handeln Gottes. Dieses Handeln nimmt seine dramatische Form nun darin an, daß Gott in Jesus Christus selbst dem verlorenen Schaf, der leidenden und verlorenen Menschheit, nachgeht. Wenn Jesus in seinen Gleichnissen vom Hirten spricht, der dem verlorenen Schaf nachgeht, von der Frau, die die Drachme sucht, von dem Vater, der auf verlorenen Sohn zugeht und ihn umarmt, dann sind dies alles nicht nur Worte, sondern Auslegungen seines eigenen Seins und Tuns. Von diesem Blick her findet der Christ den Weg seines Lebens und Liebens. (Deus Caritas est, 12)


So können wir vielleicht besser verstehen, warum die Mutter Kirche an diesem Sonntag vor der Himmelfahrt Christi jubelt und jauchzt, um alles, was man von unserem Herrn und Heiland hört und weiß, zu verkünden.


Unsere Welt, die so viel, so oft und manchmal so wunderbar von der Liebe spricht, hat ein Interesse daran, zur Quelle der Liebe zurückzufinden. Aber wenn sie es nicht kann, sind dann nicht wir für unsere Nächsten und Freunde verantwortlich?

Der Herr der Liebe sei mit Euch in diesem Monat, der seiner göttlichen Mutter geweiht ist, und in allen Monaten und Jahren, so daß wir mit Jubel, Jauchzen und Überzeugung allen verkünden können: Gott, die Liebe ist auferstanden, um Euch Freude und Hoffnung, Zufriedenheit und Segen zu versichern und um Euch zu erlösen. Möge Maria, die wir als unsere Mutter und Fürsprecherin anrufen, Euch alle mit ihren mütterlichen Händen umarmen und behüten. Amen.