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Stärker als die Sonne, schöner als der Mond

Eucharistiefeier am Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel, Basilika von Mariazell, 15. August 2006





Es ist für mich eine große Freude, heute, am 15. August 2006 zum ersten Mal in Mariazell, als Nuntius in Österreich zu zelebrieren. Es ist mir eine besondere Freude, daß ich mit Euch, liebe Brüder und Schwestern aus Mariazell, und mit Euch, Ihr Pilger aus vielen Orten und aus mehreren Ländern, die Eucharistie feiern kann, in Konzelebration mit dem hochwürdigsten Bruder Bischof dieser Diözese, Egon Kapellari, mit zwei bischöflichen Mitbrüdern aus Brasilien und mit Dir, lieber Pater Karl Schauer, dem so verdienten Superior des Klosters Mariazell.

Mariazell! Welch lange Geschichte, welch reiches Leben! Wie viele Pilger und Gläubige, wie viele Menschen, Männer und Frauen, Kinder und Junge, Alte und Erwachsene, aus allen Gegenden sind nach Mariazell, zur Magna Mater Austriae gekommen, um vertrauensvoll zu beten, zu sprechen und sich ihr anzuvertrauen. Mit Tränen in den Augen oder mit Freude im Herzen haben sie ihre geheimen Wünsche und Hoffnungen Maria, der Mutter Gottes und der Mutter der Kirche anvertraut.

Maria mit ihrem Kind auf dem Arm zeigt Jesus den Menschen, wie um zu sagen: Er ist da für Euch, für Euch ist er gekommen, für Euch hat er gelebt, für Euch gelitten, für Euch ist er gestorben. Er ist aber auch auferstanden. Er ist da, um Euch zu begleiten und Eure Mühe und Euer Leid zu tragen, um zu zeigen, daß Leid und Schmerz einen Sinn, aber auch ein Ende haben. Die Schmerzen, Opfer und Bedrängnisse, der Verzicht und auch die Prüfungen des Augenblickes dienen der Reinigung von Leib und Seele, damit wir kraftvoller und sicherer durch diese Welt gehen.


Heute wie gestern, morgen und immer, kommt Ihr, liebe Brüder und Schwestern, aus ganz Europa, besonderes aus Mitteleuropa, um einfach und spontan, frei und entspannt, einige Momente bei Maria zu sein, sie um eine Gnade zu bitten, ihr einen Wunsch anzuvertrauen, einen Lieben oder einen Verwandten zu empfehlen. Ihr kommt aus allen Richtungen und Ländern: vor allem aus dem germanischen, slawischen, ungarischen und romanischen Raum. Ihr seid mit Verkehrsmitteln oder zu Fuß gekommen, Hände und Kopf zum Himmel gerichtet, Euren Geist und Euren Mund zu Jesus und seiner Mutter gewendet, in Zuversicht und Vertrauen, wie in einem neuen Coenaculum, - einem neuen Abendmahlssaal - . In einer einzigen Sprache ruft Ihr: Maria, Mater Gratiae, Mater Ecclesiae, Regina Pacis, Auxilium Christianorum!


Auf der ganzen Welt feiert die Kirche heute, im Morgen- wie im Abendland, das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Münder und Chöre preisen Maria höher als die Cherubim und als würdiger als die Seraphim. Sie ist gekrönt zur Rechten ihres Sohnes. Ja, liebe Brüder und Schwestern! In der Ersten Lesung haben wir gehört: Maria ist mit der Sonne umkleidet, der Mond liegt unter ihren Füßen und ihr Haupt ist mit einem Kranz von zwölf Sternen umgeben (Offb 12,1). Wer könnte so etwas tun? Doch nur Er, der stärker ist als die Sonne, kann Maria mit der Sonne bekleiden; der schöner ist als der Mond und vor dem der Mond sich verneigt, nur Er kann sie mit Sternen bekränzen. Wer ist dieser? Wer kann dieser sein? Doch nur Gott allein. Er, der Erde und Himmel, Sonne und Mond, Sterne und Gestirn, Tag und Nacht erschaffen hat. Gott, der Allmächtige über das All, ist aus Liebe zu den Menschen Mensch geworden. Er hat Fleisch von Maria angenommen und seine Mutter über alle Schöpfung verherrlicht. Deswegen erzählt Lukas, der Evangelist, daß Elisabeth Maria mit den Worten begrüßte: Gesegnet bist Du, mehr als alle andere Frauen! Wer bin ich, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Selig, die geglaubt hat.


Ja, Brüder und Schwestern, Maria ist groß und selig geworden, weil sie geglaubt hat. Sie hat die Botschaft des Engels als wahr angenommen und an ihre Erfüllung geglaubt (Lk 1,45). Jesus, der Auferstandene, wird den Apostel Thomas hinweisen: Selig, die nicht sehen und doch glauben (Joh 20,29).

Papst Johannes Paul II. sagte: Der Glaube formt im Laufe der Zeit den Menschen zu einer immer neuen Beziehung zu Gott und zur Unendlichkeit. (28. August 2005). Darum kann man, wie Johannes Paul II. bei in seinem ersten Besuch als Pilger nach Mariazell, Cella Mariae, als er vor dem kleinen Gnadenbild alle Lebensformen der Berufungen empfahl, sprechen: Die erste und größte Würde ist, Christ zu sein. In Christus getauft zu sein, seinen Namen zu bekennen und seinen Vater im Heiligen Geist zu verehren. Die Sprache und das Mittel, um mit Gott in Gemeinschaft zu treten, hat einen Namen: Gebet.

Für die mehr als achttausend Priester und Ordensleute, die damals, 1983, hier versammelt waren, sagte Papst Johannes Paul: Das Gebet ist eure Sprache und eure Brücke zwischen den leidenden Menschen und dem barmherzigen Gott. Immer und überall gibt es leidende und deprimierte Menschen. Wenige aber verstehen, Gott zu Hilfe zu rufen und um seine Barmherzigkeit zu bitten. Heute wie gestern leidet die Kirche und ist Gegenstand des Hasses, der Verdachtes, der Gespaltenheit und des Egoismus, des Nationalismus oder der Unverständnisses, des Krieges, des Terrorismus und der Rivalität unter den Nationen. Wie ist es heute möglich, sagte der Papst, 1983, den Krieg zu vergessen, der die Brüder und Schwestern in Libanon zerreißt? Der mütterlichen Fürsprache der Seligen Jungfrau und Mutter Maria vertraue ich auch die Freiheit der Kirche in China an, und in ihre Hände lege ich das Streben der Menschen für Gerechtigkeit, Frieden und Brüderlichkeit.


Liebe Brüder und Schwestern, die Rede des Papstes vor 23 Jahren scheint für das heutige Treffen geschrieben zu sein. Mit Ehrfurcht und Hoffnung wiederhole ich als Vertreter des heiligen Petrus die Worte des Nachfolger Petri, um Euch alle zu bitten, in der Zelle Mariens, in cubiculo sanctitatis, für das Land Mariens zu beten, für die Christen in Libanon, im geliebten Nahen Osten, wie Papst Benedikt sagt, für das coenaculum Ecclesiae, und die ganze Welt, in der unser Licht als Hoffnung leuchten soll.


Mehr als zu jeder anderen Zeit braucht unsere Welt Gott für den Frieden. Christus ist der Friede der Welt.

Die Welt braucht Europa und Europa braucht Österreich. Österreich muß seine Wurzeln erfrischen und seine Rolle festhalten. Österreich und seine Nachbarländer müssen ihren Glauben hoch und heilig halten. Nur ein Volk, das Gott kennt und als seinen geistlichen und moralischen Halt schätzt, kann eine Hilfe und eine Macht für den Frieden werden. Frieden erst in den Herzen und im Gewissen, in der Beziehung mit Gott und mit seinen eigenen Überzeugungen. Frieden in den Familien und in der Gesellschaft, Gerechtigkeit und gegenseitigen Respekt, Frieden zwischen den Völkern und den Nationen. Österreich muß immer Mariazell, - der Zelle Mariens, dem Laboratorium des Friedens und der wahren Freiheit, treu bleiben. Dies ist nur möglich, wenn es treu seiner Wurzel, seiner Kultur, seinen Städten und Dörfern bleibt. Geht weiter! Gott wird seine Berufenen nicht verlassen. Maria in Mariazell, in jedem Dorf, in jeder Stadt; Maria mit den Gnadenkind oder am Fuß des Kreuzes vergißt Euch nicht. Maria breitet ihren Mantel aus, damit das Böse Euch nicht schadet. Maria! Wir grüßen Dich in Deinem Haus! Du Mutter aller Gnaden, nun breite Deine Hände aus, dann wird kein Feind uns schaden! Amen! Amen! Amen!