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Auserwähltes Werkzeug Christi

Priesterweihe von Joseph Robert Norys CanReg, Klosterneuburg, 27. April 2007



Lieber Herr Propst,

Liebe Brüder und Schwestern!


Es ist für mich ein große Freude, wieder mit Euch hier zusammen zu sein, um unserem Bruder Joseph Robert die Priesterweihe zu spenden. Ich habe ihn voriges Jahr zum Diakon geweiht, und jetzt nehme ich mit Freude und Dankbarkeit den Weg mit Joseph Robert wieder auf, um zu vollenden, was der Herr angefangen hat.


Wir sind am Freitag der Dritten Woche der Osterzeit. Die Liturgie erzählt uns von der Begegnung des Saulus mit Jesus, den er verfolgte, und davon, wie er bei dem Jünger Hananias von Saulus zu Paulus und ein auserwähltes Werkzeug Christi wurde. Im Evangelium nach Johannes, das wir gerade gehört haben, sagt Jesus, daß sein Fleisch und sein Blut ewiges Leben bringen. Wie kann er so etwas tun?, sagten schockiert die weisen Juden.


Erlauben Sie mir, eine Lektüre der beiden Lesungen zu machen, die in unsere heutige Gesellschaft und Welt übertragen ist. Ich stelle mir vor: Der junge Saulus ist ein dynamischer, unternehmungslustiger junger Mann unserer Zeit. Er ist überzeugt, daß nur, was die Wissenschaft und die Technik bringt, wichtig ist. In seinem Kampf und seiner Anstrengung will er alles selbst kennenlernen und wissen, erfahren und erleben. Er forschte tief in seinen Überlegungen und seinem Streben und wollte die wahre Gestalt und Botschaft von diesem Jesus entdecken. Sein Damaskus waren die Studien, die Suche und Überlegungen. Die Jünger des Herrn, die er treffen wollte, wollte er nicht fesseln und umbringen, sondern kennenlernen Er wollte seinen Durst sättigen. Die innere Stimme des Fortschritts sagte ihm: Du mußt weitergehen, suchen, um zu finden. Und wenn Du findest, mußt Du noch weiter suchen. Dieser Prophet Jesus hat mehr zu geben als die anderen. Er hat anders gesprochen, Zeichen vollbracht, die niemand vor ihm vollbringen konnte. Er war so sehr Mensch und zugleich so unfaßbar in seiner menschlichen Persönlichkeit. Er spricht klar, aber wenige hören seine Stimme und gehorchen ihm in allem. Unter allen Jüngern, die ihm folgen, hat er nur den Zwölf Aposteln eine eigene Botschaft gegeben: Tut dies zu meinem Gedächtnis. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben. Ich bin mit Euch, bis ans Ende der Welt.


Der junge Mann hörte viel, er konnte aber nicht verstehen, nicht unterscheiden, nicht entscheiden. Er hatte sein Land, seine Heimat, seine Leute und Freunde verlassen und ist in ein anderes Land, zu einer anderen Gemeinde gegangen, um dort seine Studien zu vertiefen und seinen Glauben zu stärken. Er hat die Antwort bekommen. Es war der Ruf des Herrn Jesus, den er nicht verfolgte, sondern den er suchte.


Er kam zu einem Haus und klopfte an die Tür. Er sagte: Hier bin ich. Ich will mit euch sein. Der Herr hat mich zu euch gesandt. Mit euch will ich noch weiter suchen, mit euch will ich beten und arbeiten. Mit euch will ich leben, noch weiter gehen.

Der Hausherr antwortete: Ich habe so viele junge Männer getroffen, mit vielen gesprochen; viele waren klug und ehrlich. Sie konnten aber nicht nach unserer Regel leben.

- Laß es mich doch versuchen, sagte der junge Mann, hat der Herr nicht gesagt, er löscht den glimmenden Docht nicht aus und zerbricht nicht das geknickte Rohr?

Der neue Bruder ist ein auserwählter Bruder. Der Herr hat ihn von weit her gerufen. Auch er soll seinen Namen vor Völker und Könige tragen. Er will sich opfern, um Gott mit Liebe zu ehren und um seiner Liebe willen den Brüdern zu dienen. Da ließ der Vorgesetzte den jungen Mann hereinkommen und sagte zu ihm: Bruder, der Herr hat mich hier verantwortlich gemacht, dich in seinem Namen nach der Regel unseres Vaters Augustinus brüderlich aufzunehmen und dich zu unserer Gemeinschaft zählen zu dürfen.


Im Lauf der Jahre hat der junge Mann viel gelernt, viel gebetet und an der Erkenntnis Jesu zugenommen. Er wurde einer von ihnen und wollte Jesus verkündigen, um auch in der heutigen Welt, in den heutigen Metropolen, unter den modernen Völkern und vor den neuen Königen weiter von ihm zu erzählen: Er ist Sohn Gottes. Er ist wahrhaft auferstanden. Jesus hat wirklich gesagt: Wer mein Fleisch nicht ißt, wird nicht ewig leben&


Das Fleisch ist das Brot und das Blut ist der Wein, die vom Himmel geschickt wurden. Jesus hat sie seiner Kirche beim Letzten Abendmahl anvertraut: Tut dies zu meinem Gedächtnis, bis ich wiederkomme. Das ist genau, was wir heute hier nach dem Wort des Herrn tun, um die Geschichte der Apostel wieder zu erleben.


Der junge Mann, der von weit her gekommen ist, ist unser lieber Bruder Joseph Robert.

Der Hausherr, der ihn empfangen hat, sind die Gemeinde und das Kloster, das ihn aufgenommen hat. Die Vertreter des Hananias sind wir alle. Das seid Ihr alle, die Ihr hier und heute im Namen Jesu versammelt seid, um seinen Namen zu verehren und in Ehrfurcht vor seinem Auftrag Brot und Wein als sein Fleisch und Blut zu teilen.


Im Namen der Kirche, die in der Tradition der Gemeinde von Jerusalem, Damaskus, Antiochien und Rom steht, salbe und besiegle ich Dich als Priester, als Vertreter Christi, damit Du seinen Leib und sein Blut den Menschen zu essen und zu trinken gibst. Diese heiligen Gestalten sind für das neue Leben gegeben. Dieses neue Leben, diese Heilssakramente, wirst Du gleich zu eigen haben, austeilen und geben können, und zwar durch die Handauflegung des Bischofs und das Weihegebet. Du wirst gesalbt und für Christus, den Auferstandenen mit dem Kreuz besiegelt, für die Heiligung des Volkes Gottes, für das Aufblühen der Kirche. Du wirst Deinen Namen verwirklichen und zum neuen Paulus werden.


Dein Propst, Deine Brüdergemeinde, die Kirche und die Welt erwarten von Dir, daß Du Christus verkündigst, neue Hoffnung für das Leben erweckst, den Menschen Freude verkündest. Christus, der Dich gerufen hat, Dich hierher geführt hat, ist der Weg, die Wahrheit und das Leben, das wahre Leben, das nicht mehr sterben wird. Sei froh, sei stolz, sei mutig! Der Herr hat Dich mit Deinem Namen aus vielen auserwählt, um Dich zu seinem neuen Werkzeug - heute und nicht gestern - in der Welt zu machen. Von nun an wirst Du sagen und beten: Das ist mein Leib, das ist mein Blut. Niemand kann sagen: das ist mein Leib und das ist der Kelch des neuen Bundes, mein Blut, außer im Namen und in der Person Christi, des einzigen Hohenpriesters des neuen und ewigen Bundes, schreibt unser Papst Benedikt XVI. in seinem neuesten Apostolischen Schreiben Sacramentum Caritatis (23).


Denk an Deine neue Ehre, an Deine neue Berufung: Du bist Christi Vertreter!