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Heil und Herrlichkeit

Priesterweihe von P. Paul Wodrazka CO, Kirche St. Rochus und Sebastian, Wien, 12. Mai 2006




 Das Heil und die Herrlichkeit ist bei unserem Gott (Offb 19,2)



Hochwürdigster Herr Präpositus,

Liebe Brüder in Priesteramt,

Liebe Brüder und Schwestern,

Es ist für mich eine große Freude, mit Euch wieder in dieser Kirche zu sein. Ich war hier in der heiligen Osternacht, um mit Euch das Licht des neuen Lebens zu begrüßen. Heute komme ich für die Priesterweihe unseres Bruders Paul. Die Priesterweihe in der Osterzeit ist wie die Antwort, dem Ruf des Lumen Christi zu folgen. Ein neuer Mitbruder in Priesteramt ist ein neuer Mitarbeiter im Weinberg des auferstandenen Herrn.


Gemeinsam mit Euch grüße ich zuerst unseren Weihekandidaten, Paul Wodrazka, dann seinen Vater, seine Schwester und seine Verwandten. Ich grüße seine Mitbrüder und seine Freunde. Ich grüße Euch alle, liebe Brüder und Schwestern, die Ihr Euch eingefunden habt, um ihn in dieser Stunde in froher Anteilnahme und mit aufrichtigem Gebet zu begleiten. Sie wollen auch ihn erinnern: Wir sind Zeugen Deiner Hingabe in die Spur des Lumen Christi. Geh weiter. Unsere Liebe und unser Gebet begleiten Dich.


Die Schrift lehrt, daß das Heil und die Herrlichkeit bei unserem Gott sind. Der Herrscher über alle Schöpfung, unser Gott ist der Vater, der seinen Sohn kennt und ihm die Macht gegeben hat, seine Weisheit und ewige Liebe nicht nur den Weisen und Klugen, sondern auch den Kleinen und Unmündigen zu offenbaren. Der Sohn weiß genau, was der Wille des Vaters ist: ihn zu kennen und seinen Sohn Jesus Christus, den er als Heiland, König, Priester und Diener gesandt hat. Weil der Sohn gütig und von Herzen demütig (Mt 11,29) ist, ruft er andere, seine Botschaft in die Welt zu bringen. Jesus, der Meister und Herr, ist auch Heiland und Priester. Er hat die Seinen mit sich genommen, damit sie Anteil und Verantwortung an seiner Mission und seinem Erbe haben.

 

Ich danke Ihnen, Präpositus Felix, für die Einladung, Ihrem Mitbruder Paul die Priesterweihe zu spenden, heute, am Fest der heiligen Märtyrer Achilleus und Nereus, für die der heilige Philipp Neri große Verehrung gehegt hat. Am 26. April habe ich in Rom eine Hochzeit in der Kirche der heiligen Achilleus und Nereus zelebriert. Wenn die Hochzeit einen Anfang zeigt, ist die Priesterweihe die Garantie der Erneuerung im Leben.

 Das Geheimnis des Priestertums, sagt Papst Benedikt XVI., liegt in der Tatsache, daß wir, armselige menschliche Wesen, Kraft des Sakraments mit seinem Ich (mit der Persona Christi) sprechen können. Das Sakrament Christi läßt die Menschen am seinem Tisch sitzen und sie nicht mehr Knechte, sondern Freunde sein. Das Sakrament Christi ruft seine Freunde zum neuen Leben und sichert ihnen Mittel, daß sie ihren neuen Weg gehen können: das Priestertum. Ohne Priestertum gibt es keine Taufe, keine Kirche. Die Freunde Christi sind seine Gemeinde, und die Gemeinde braucht ihre eigenen Zeichen, ihre eigene Regelung. Diese Zeichen, Regelung und Mittel für die Kirche sind die Sakramente, die der Priester spenden kann.


In der Weiheliturgie gibt es verschiedene Gesten und Zeichen, so daß die Gemeinde des Gottesvolkes am Geheimnis teilnimmt und weiß, daß ein Mensch für sie zum Priester geweiht wird. Die älteste und ehrwürdigste Geste ist die Handauflegung des Bischofs auf den Kopf des zu Weihenden, um die Kontinuität und die Legitimität des neu berufenen und geweihten Priesters zu garantieren. Die Hand der Menschen ist das Werkzeug des Handelns Gottes.


In der sakramentalen Geste der Handauflegung durch den Bischof ist es der Herr selbst, der dem Kandidaten zusagt: Folge mir! Ich werde Dich zum Fischer (Diener) der Menschen machen. Er sagt auch: Hab keine Angst! Ich bin bei Dir. Ich verlasse Dich nicht. Du aber verlaß auch mich nicht.


Lieber Paul, heute nimmt der Herr die Gemeinde zu Zeugen, um Dir zu sagen: Ich nehme Dich zum Meinen. Ich verlasse Dich nie. Du aber, auch Du verlaß mich nicht.


In der Lesung haben wir von der Vision des heiligen Johannes gehört, der die unzählbare Schar aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen sehen durfte, die einmal vor dem Thron Gottes stehen werden, wo sie keinen Hunger und keinen Durst mehr leiden werden, wo das Lamm sie weiden und zu den Quellen des Wassers des Lebens führen wird und wo jede Träne aus ihren Augen abgewischt sein wird.


Es sind die Geretteten, die der großen Bedrängnis dieser Welt entkommen sind und nun vom Blut des Lammes gereinigt in das Loblied des Himmels einstimmen dürfen. Sie warten auf Dich, sie brauchen den Herrn, an den Du glaubst, weil Du weißt, daß Er die Worte des ewigen Lebens hat. Damit ihre Zahl voll wird, hat Jesus Dich, lieber Pater Paul, gerufen.


Er ruft Dich am heutigen Tag Deiner Weihe - und an jedem kommenden Deines Lebens als Priester - mit stets größerer Deutlichkeit, Dich um seinetwillen in jeder Hinsicht für die Seinen einzusetzen, damit sie die Bedrängnis dieser Welt zu überstehen vermögen. Dafür verleiht er Dir heute das Priestertum, durch das Du befähigt wirst, die Menschen, zu denen Jesus Dich sendet, zu weiden, und im Namen Jesu Christi hoffen zu lassen.

Er möchte Dich als Werkzeug seines Dienstes. Und wenn Du einmal müde, oder wie Petrus verführt bist, erinnere Dich, daß der Herr Dir beisteht und Dich nie verlassen wird. Mit liebenden Augen begleitet er Dich, und mit seiner starken Hand führt er Dich.


Nochmals möchte ich Dich mit den Worten des Heiligen Vaters anspornen, Gott der Welt zu bringen. Heute wie zu seiner Zeit hat Jesus Mitleid mit den Menschen. Man kann sie nicht hungrig wegschicken. (Mt 15,32) Der Herr, der für uns Brot und Wein geworden ist und Dich als seinen Vertreter gerufen hat, sei mit Dir. Wenn du einmal müde und zweifelnd bist, erinnere Dich an Deine Mutter, die schon im Himmel ist. Erinnere Dich an Maria, unsere himmlische Mutter. Beide werden Dich begleiten, so daß Dein Fuß nicht an einen Stein stößt(Mt 4,6). Die Welt braucht Gott, nicht irgendeinen Gott, sondern den Gott Jesu Christi. Den Gott, der Fleisch und Blut geworden ist, der uns geliebt hat und uns als Mitarbeiter gewollt hat. Schau, wie groß ist die Menge ist, die auf Dich schaut und die Aufgabe, die auf Dich wartet! Hab keine Angst&Jesus ist mit Dir. Er begleitet Dich bis ans Ende der Welt. Duc in altum! - Fahr hinaus! & (Lk 5,4)