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Wer bist Du, Herr?

Hochfest der Apostelfürsten Petrus und Paulus, Peterskirche, Wien, 29. Juni 2006



 Die Apostel Petrus und Paulus haben die Kirche begründet; sie haben den Kelch des Herrn getrunken, nun sind sie Gottes Freunde. (Eröffnungsvers)


Gestern haben wir im Stephansdom den ersten Jahrestag des Pontifikats von Papst Benedikt XVI., dem Nachfolger Petri, gefeiert. Heute zelebrieren wir in der Peterskirche das liturgische Hochfest der Apostelfürsten Petrus und Paulus. Wie wir im Eröffnungsvers gehört haben, hat Christus Petrus und Paulus zu seinen ersten und engsten Freunden gemacht und durch sie die Kirche begründet. Diesen Aposteln hat Christus verheißen, ihr Zeugnis werde bis zum Ende der Zeiten bestehen bleiben.


Petrus und Paulus haben einen sehr unterschiedlichen Charakter. Sie sind aber untrennbar voneinander zu betrachten. Petrus ist ein einfacher Fischermann, nicht mehr ganz jung, beschäftigt mit seinem Netz, um Fische für sich und seine Familie zu fangen. Paulus hingegen ist ein stürmischer Mann, hoch gebildet, intellektuell, ein Philosoph und Theologe. Er war von den Tätigkeiten dieser neuen religiösen Sekte der Jünger Jesu des Nazareners skandalisiert. Sie stifteten Unruhe inmitten des jüdischen Volkes und stellten viele herkömmliche Sitten in Frage. Paulus wollte sie bekämpfen und das jüdische Gesetz verteidigen, damit das Volk Gottes nicht Gefahr laufe, in die Irre zu gehen.


Christus hat beide gerufen und beide verändert. Petrus, der Fischer, wurde mit seinem Bruder Andreas gerufen. Sie sind Christus nachgefolgt. Paulus wurde auf seinem Weg nach Damaskus, wo er die ersten Christen verfolgen sollte, von der Gnade Gottes wie durch einen Blitz getroffen.


Beide begegneten Christus, jeder von ihnen zu seiner Zeit und auf unterschiedliche Weise. Beide haben sich durch diese Begegnung verändert. Petrus hat seine Netze, seinen geliebten See und auch seine Familie verlassen und folgte Jesus nach. Paulus wurde von einem Blitz am Weg nach Damaskus geblendet. Wer bist Du, Herr?, fragte er diesen ihm noch unbekannten Gott. Und Gott antwortete: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Doch steh auf und geh in die Stadt; dort wird man dir sagen, was du tun sollst. (Apg 9,5-6) Der Herr wollte ihn zum Apostel der Völker machen. Paulus sollte den Namen des Herrn in der ganzen Welt bekannt machen.


Petrus, der alte gute Fischermann, hat Christus sofort erkannt: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?, fragt Jesus seine Jünger. Und Petrus antwortet spontan: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes. Selig bist Du Simon, Sohn des Jonas, denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. (Mt 16,15-17)


Petrus und Paulus sind die zwei Säulen der Kirche. Petrus hat an Christus geglaubt, Paulus hat Christus verkündigt. Petrus, so steht es in der Präfation, hat als erster den Glauben an Christus, den Messias, bekannt, Paulus hingegen empfing die Berufung zum Lehrmeister der Heiden.


Das ist die Botschaft der Kirche zu allen Zeiten, gestern wie heute, und heute wie morgen und für immer: an Christus zu glauben und ihn den Menschen zu verkünden. Heute wird die Kirche oft kritisiert, oder sie wird ignoriert. Manche wollen die Kirche in den Schatten stellen und sie dort im Stich lassen. Wenn die Kirche nur von uns Menschen gemacht wäre, dann wäre sie schon lange verkümmert. Weh mir, wenn ich Christus nicht verkündige! Unsere Verkündigung ist Gott, die offenbarte Liebe. Die Liebe kennt keinen Alters- und keinen Gesellschaftsunterschied. Wo Menschen sind, da ist die Kirche gerufen, an die Liebe Gottes zu erinnern. Petrus und Paulus, beide Apostel haben je nach ihrer Art und ihrem eigenen Charisma Christus der Welt verkündet. Wir wollen und müssen überall mit Respekt für die Andersgläubigen, aber auch mit Respekt für unsere eigene Botschaft an Christus als Heil und Antwort auf alle Fragen der Menschen erinnern.

Wie dem Paulus, so steht Christus heute auch uns noch zur Seite und gibt uns Kraft, damit wir mit unserem Leben und mit Worten den Auferstandenen verkündigen. Er, der Petrus und Paulus gerufen hat, wird auch uns retten und uns helfen, seiner Botschaft treu zu bleiben. Wie die Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. lehren, so dürfen wir keine Angst haben. Was wir besitzen, kann uns niemand wegnehmen: Christus ist die Offenbarung Gottes, die den Menschen Rettung gebracht hat. Er, der unser Ziel und unser Heil ist, sei mit Euch allen. Amen.