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Die Saat der Gerechtigkeit

Dom zu Salzburg, 24. September 2006

 


Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!


Gerne bin ich der Einladung Eures Erzbischofs Dr. Alois Kothgasser gefolgt, um hier im Dom mit Euch am 25. Sonntag im Jahreskreis das Fest der Salzburger Glaubensväter und Diözesanpatrone Rupert und Virgil zu feiern. Ich danke herzlich Seiner Eminenz Dr. Alois Kothgasser, dem Nachfolger der heiligen Rupert und Virgil, dem Primas Germaniae und Hirten der Erzdiözese Salzburg für seine brüderliche Einladung.


Nach Salzburg, der Stadt der Kunst und der Musik, der Kultur und des Humanismus zu kommen, ist für den Nuntius, den Vertreter des Papstes, ein besonderes Ereignis. Es erlaubt ihm, die Kirche, die arbeitet und sich hingibt, die dient und lehrt, betet und opfert, feiert und hilft, zu treffen und kennenzulernen. Wir leben in unserer Zeit, die Augen zum Himmel gerichtet und die Füße tief im Boden verankert. Die Kirche verwurzelt sich in der Geschichte, und spiegelt sich in der konkreten Realität der Menschen wieder, um sie zu begleiten und zu orientieren. Gott hat seinen Sohn in diese Welt geschickt für das Heil und die Rettung der Menschen. Er hat die Kirche, die Una Sancta, als Sakrament, als Zeichen und Werkzeug der Wiederversöhnung und der Gemeinschaft der gesamten Menschheit mit Gott eingesetzt (Katechismus der Katholischen Kirche, 152). Die Geschichte der Kirche spricht eine manifeste und konkrete Sprache. Dies lehrt uns Christus, dies lehrt uns weiter das Leben von Rupert und Virgil, und dies bezeugt in den Jahrhunderten die altehrwürdige Kirche von Salzburg.


Liebe Brüder und Schwestern! Euer Glaube und Eure Kultur sind nicht dem Heute entsprungen. Ein Blick in die Vergangenheit stellt uns die handgreiflichen Aufgaben und die Mission des heiligen Rupert (+ 27. März 718) und des heiligen Virgil (+ 27. Nov. 784), beide außergewöhnliche Bischöfe und Patrone der Erzdiözese Salzburg, deutlich vor Augen. Sie kamen von Irland über Bayern hierher und breiteten unermüdlich ihre missionarische und seelsorgliche Arbeit bis in die Steiermark und bis nach Kärnten und Ungarn aus. Nach ihnen kamen in Salzburg noch viele andere gute Hirten und Pastoren. Ich erinnere vor allem an den tatkräftigen und mutigen ersten Erzbischof von Salzburg, den heiligen Arno (+ 24. Jänner 798), der sein Erzbistum mit großem Weitblick neu strukturiert und organisiert und im Kampf gegen die aus dem Osten eindringenden Feinde des Glaubens entschlossen verteidigt hat.


Die christliche Verkündigung und Botschaft von Rupert und Virgil wirken noch heute in der Kirche von Salzburg fort. Genau wie die heiligen Patrone einstmals, so verkünden auch heute die Bischöfe und Priester den ihnen anvertrauten Menschen das Wort Gottes und spenden ihnen die heiligen Sakramente. Die Kirche in Österreich feiert heute den Tag der Immigranten. Es ist eine Zelebration der Mitbrüderlichkeit und der Hospitalität. Es geht nicht nur darum, anderen Arbeit und Wohnung zu geben, sondern auch darum, ihnen unseren Glauben, unsere Werte und unsere Prinzipien anzubieten. Es ist gut, daran zu denken!

 

Die christliche Gemeinde von Salzburg ist im Lauf ihrer Geschichte immer mehr gewachsen und hat viele und reiche Früchte gebracht, die Sie, ihre Nachfahren, vererbt bekommen haben, die Sie aber auch Ihren Kindern und anderen Menschen weitervererben und weitervermitteln müssen.


Die Erzdiözese Salzburg ist selbst mit drei Partnerdiözesen verbunden - mit Bokungu- Ikela in Zaire, San Ignacio de Velasco in Bolivien und Taegu in Südkorea - und leistet hier große Hilfe. Wenn heute die Menschen hilfsbereit zusammenleben und -arbeiten, wenn die Christen untereinander verbunden sind und brüderlich teilen, dann geschieht dies sicher nicht deshalb, weil sie mehr Verstand und Einsicht als zu Zeiten von Rupert und Virgil aufwiesen. Es geschieht vielmehr deshalb, weil durch die christliche Lehre und Moral von den Vätern effizient die Liebe und guter Samen in ihre Herzen gesät worden ist, und jetzt in vielen Richtungen wächst. Ohne Vater und ohne Mutter gibt es keine Kinder. Die Kinder von heute sind die Verantwortlichen von Morgen und der Stolz aller Zeiten. Die christliche Gemeinde von heute ist die Nachfahrin der vorausgegangenen Geschlechter. Die Familie von heute ist die natürliche Grundlage unserer gesellschaftlichen Zukunft. Das ist unsere Botschaft, das ist unsere Teilnahme am Werk Gottes für das Heil der Schöpfung, für die Vervollkommnung der Menschen.


Die heutige Liturgie lehrt uns, daß das Gebot der Liebe zu Gott und dem Nächsten die Erfüllung des ganzen Gesetzes ist. Darum läßt sie uns beten um die Kraft, dieses Gebot treu zu befolgen, damit wir das ewige Leben erlangen. Die Liebe zu unserem Nächsten ist die Erfüllung des Gesetzes. Was für eine Herausforderung für uns alle! Nur mit diesem Gebot können wir in dieser Welt bestehen und wachsen, um das ewige Leben zu erlangen! Es ist schwierig zu erfüllen, aber fürchtet Euch nicht! Die heilige Mutter Kirche geht mit Euch und begleitet Euch. Sie weist Euch den rechten Weg. Sie ist Sponsa Christi, Mutter und Lehrerin.


Sie stellt uns am heutigen Sonntag drei Lesungen vor Augen. Die erste, aus dem Buch der Weisheit, erzählt vom Argwohn gegenüber dem Gerechten, weil er in den Augen der Frevler unbequem ist und ihrem Tun im Wege steht. Der Gerechte rühmt sich, die Erkenntnis Gottes zu besitzen und nennt sich einen Knecht des Herrn. Er ist unbequem. Darum laßt uns ihm auflauern. (Weish 2,12). Was der Apostel Jakobus in der zweiten Lesung erwidert: Nur im Frieden ist Gerechtigkeit. Wo Friede herrscht von Gott her, wird der Mensch die Saat der Gerechtigkeit ernten (Jak 3,18). Das Urbild der Gerechtigkeit, des Friedens und der Zufriedenheit ist Christus selbst, der auf Grund seiner unanfechtbaren Gerechtigkeit der menschlichen Macht ausgeliefert und getötet wird; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen. Seine Auferstehung ist die Versicherung des Ewigen Lebens. Im Glauben, in der Kultur und vor allem im Nächsten begegnet uns Gottes Liebe. Christus spricht: Wer ein kleines Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf. Wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat. (Mk 9,16-20)


Liebe Brüder und Schwestern! Das ist unsere Herausforderung. Das ist unsere Botschaft, das ist die Sehnsucht unseres ganzen Lebens: Gott zu lieben und um Gottes willen den Nächsten wie sich selbst zu lieben! Die echte Liebe, die wirkliche Liebe Gottes und des Nächsten ist die Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit, in der Treue zu Gott und zu den Menschen.


Gott sei Dank, daß in unserer Zeit die Liebe zu Gott und dem Nächsten sehr groß und in vielen Hilfsaktionen auch sichtbar geworden ist. In verschieden geistlichen Gruppen und Gemeinschaften, vor allem auch in den Klöstern und Ordensgemeinschaften, wird gelehrt, gedacht, gelesen, meditiert, gebetet und in der Liebe Gottesdienst gefeiert. Christus, der uns Gott als Liebe geoffenbart hat (Deus Caritas est), ist mitten unter Ihnen. Er ist in uns allen, in uns, die wir seine Kirche sind. Auch viele Familien stellen noch heute wirkliche Gebetsgemeinschaften dar, und tragen als ecclesia domestica die Sorge der Kirche um die Menschen mit. In ihrer innigen Verbindung mit Gott bekommen sie die Kraft, nicht nur das ewige Leben zu erlangen, sondern auch das Leben in dieser Welt besser zu meistern. Die Familien, diese wahrhaft christlichen Familien, diese treuen Familien, Euch alle möchte ich im Namen des Heiligen Vaters ermutigen, segnen und Euch für Eure Treue danken. Haltet fest an Eurem Glauben. Ihr habt Recht! Mit Eurer Geduld werdet Ihr auch andere für die Liebe zu Gott, unser aller Vater, gewinnen. Ihr alle seid im Weinstock des Herrn engagierte Mitarbeiter.


Jetzt, in dieser Eucharistie, danken wir dem Herrn für das Geschenk unseres Glaubens, den dereinst die Heiligen Rupert und Virgil hierher gebracht haben. Wir danken ihren Nachfolgern, angefangen vom ersten Erzbischof Arno bis hin zum 90. und jetzigen Erzbischof Alois, daß sie diesen Glauben in Herzen der Christen vertieft und in der Gesellschaft verbreitet haben. Wir bitten den Herrn, er möge unseren Glauben weiter stärken und festigen und unseren Papst Benedikt XVI., seinen Stellvertreter unter uns, segnen, auf daß er als sein Gesandter die Schafe in dieser Zeit hüte und weide, immer bei ihnen bleibe, sie schütze und behüte und ihnen helfe und mit seinem klaren Wort beistehe! Die Mächte der Unterwelt werden die Kirche nicht überwältigen (Mt 16,18). Der Haß und der Obskurantismus, der Fanatismus und die Ignoranz der modernen Frevler können ihr zwar auflauern. Wer aber glaubt, daß Christus auferstanden ist und uns gerettet hat, weiß genau, daß der Kreuzweg zur Auferstehung und zum Sieg führt. Er braucht keine Angst zu haben. Sein Tun und Denken, sein Beten und sein Wünschen gehen dahin, daß das Reich Gottes komme, das Reich der Gerechtigkeit, der Freiheit und der Liebe. Die Liebe, die Gott selber ist, wird am Ende siegen!


Liebe Brüder und Schwestern! Intensiviert Euren Glauben! Entdeckt in Eurer großen Salzburger Diözesangeschichte wieder Eure Ehre. Müht Euch wieder um Spiritualität und Gebet! Folgt dem Vorbild Eurer Väter im Glauben nach! Redet mit Stolz und Demut von der Lehre Eurer Heiligen, Eurer Lehrer, Bischöfe und Hirten! So werdet Ihr spüren, wie nahe Euch Gott zu allen Zeiten gewesen ist. Schreitet voran und erkennt Euer geistiges und geistliches Erbe, um den Schatz Eures Glaubens und Euer christliches Patrimonium auch den anderen zu opfern. So wird sich Gott über Euch freuen.


Brüder und Schwestern! Laßt uns mit der Kirche beten und singen:


 Nun, Brüder, sind wir frohgemut,

so will es Gott gefallen!

Der Herr ist seinem Volke gut,

Nun soll ein Lob erschallen.

Wir grüßen dich in deinem Haus,

du Mutter aller Gnaden.

Nun breite deine Hände aus,

dann wird kein Feind uns schaden!


Amen, Amen.