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Dies ist sein Gebot

50 Jahre Militärseelsorge und 7. Jägerbrigade, Pfarrkirche St. Ägid, Klagenfurt, 21. November 2006


 


Exzellenz, hochwürdigster Herr Militärbischof ,

hochwürdigster Herr Diözesanbischof,

verehrter Herr Landeshauptmann,

hochwürdiger Herr Dekan,

liebe Mitbrüder in priesterlichen Dienst,

geschätzte Offiziere und Soldaten des Österreichischen Bundesheeres, von allem der 7. Jägerbrigade, die Ihr heute Euer 50jähriges Jubiläum feiern dürft!


Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!


Das ist sein Gebot, das wir an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben (1.Jo 3,23).


Mit Freude und Dankbarkeit komme ich als Nuntius in die schöne Stadtpfarrkirche von St. Ägid in Klagenfurt, um mit Euch diese Feier zu zelebrieren. Heute dürfen wir in Dankbarkeit diesen Tag der Freude begehen. Unseren ersten innigsten Dank wollen wir mit dieser Heiligen Messe Gott dem Herrn Sabaoth, dem Herrn aller Scharen, abstatten. Danke wollen wir sagen für das 50jährige Bestehen der 7. Jägerbrigade. Danken wollen auch, daß katholische Geistliche seit 50 Jahren ihren Dienst als Militärseelsorger ausüben durften und dürfen. Wie der Herr Landeshauptmann von Kärnten schreibt: Das seelsorgliche Aufgabengebiet hat sich stark erweitert und ist vielfältiger geworden. Es ist bedingt durch die wachsenden Nöte der Menschen, die zahlreicher und differenzierter geworden sind.

Nach den Leiden des Ersten Weltkriegs, der die jahrhundertealte Ordnung zerbrochen hat und in dem die Kärntner eine hohen Preis an Menschen und Gut bezahlt haben, nach dem Schrecken des letzten Krieges, den viele von uns noch erleben mußten, haben wir nun mehr als 50 Jahre des Friedens, der Ruhe, der Sicherheit und des Wohlstands erlebt. Ihr alle, liebe Soldaten, steht und kämpft unter der Fahne Österreichs, dem eine überaus lange Friedenszeit zu genießen geschenkt worden ist. Ihr alle habt diesem Euren lieben Vaterland die Treue geschworen. Diese Treue verlangt von Euch den unbedingten Gehorsam gegenüber Euren Vorgesetzten. Dieser Gehorsam des Soldaten wird Euch mehr als einmal vor Situationen stellen, wo ihr an menschliche Grenzen stoßen werdet. Ihr seid aber, Gott sei Dank, nicht mehr bewaffnet, um den anderen zu vernichten, sondern um ihm zu helfen und ihn zu retten. Sei es in der Heimat, wo Ihr Hilfe bei Katastrophen zu leisten habt, sei es beim Einsatz an der Grenze, wo Ihr mit Menschen zu tun habt. Eure Uniform und Euer Schwert sind nicht mehr Zeichen des Todes und der Besatzung, sondern ein Olivenzweig des Lebens und der Hoffnung.

Seit Jahren sind österreichische Soldaten, die im Auftrag der Vereinten Nationen in die Krisengebiete der Erde entsendet werden, sehr oft an die Grenzen der menschlichen Existenz gestoßen. Unsägliches Leid von schuldlosen Menschen, ausgelöst durch Krieg und Bürgerkrieg, erleben sie hautnah mit. Ich selbst durfte Euren Kameraden einmal bei einem solchen Einsatz begegnen und ihre Einsatzfreudigkeit und Bereitschaft loben. Sie werden oft auch mit dem Leben für die Sicherung des Friedens bezahlen, so auch neulich in meiner Heimat, wo einer von Euren Kameraden schuldlos und sinnlos gefallen ist. Vor ihm und vor allen Soldaten und Militärgesandten, die überall in der Welt für die Erhaltung des Friedens gefallen sind, neigen wir dankbar unser Haupt und empfehlen sie im frommen Gebet der Liebe Gottes.


Liebe Soldaten, liebe Brüder und Schwestern,

In allen Situationen, in die Ihr als Soldaten hineingestellt seid, im Inland oder im Ausland, in der Heimat oder in der Ferne, seid Ihr Boten des Friedens, und Eure Mission ist immer ein Abwehrkampf und eine Verteidigung der Rechte des Menschen, seiner Würde und seiner Freiheit. Eure erste Tugend ist die Freundschaft und die Solidarität, untereinander und zu den anderen. In der Sprache der Kirche und des Evangelium heißt dies Liebe: Liebe für das Vaterland, für die Freunde, für die Mitbürger, Liebe für den Nächsten. Liebe, die keine Grenze, keine Sprache und keine Hautfarbe kennt. So sagt es uns die Liturgie am 50. Jahrestag der Militärseelsorge.

In der Ersten Lesung aus dem Ersten Johannesbrief haben wir gehört: Das ist sein Gebot, daß wir an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben. Das Johannesevangelium überbringt uns das Testament Christi: Bleibt in mir. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. (Joh 15,5)


Liebe Soldaten, liebe Brüder und Schwestern!

Christus ist der Weinstock, das Leben und das Heil. Wir sind die Reben, sein Leib und seine sakramentale Anwesenheit in der Geschichte. Wenn die Reben am Weinstock bleiben, bringen sie viele Früchte, wenn wir in Christus bleiben, wenn wir mit ihm verbunden bleiben, bekommen wir viel Mut und viel Schwung. Wir erklimmen die Berge und suchen die Verlorenen, wir reisen in die Ferne und versuchen, Spannungen zu lösen. Alles tun wir belebt durch menschliche Solidarität, eingedenk der Pflichten und mit Achtung vor den Notleidenden. Das ist die Caritas Christi, das ist die besondere Eigenschaft der Christen, wie die Reben am Weinstock fühlen sie sich einer für den anderen verantwortlich.

Liebe Soldaten, das ist die Botschaft der Soldaten heute, das ist die ewige Botschaft Christi: den anderen zu lieben und dem anderen zu helfen. Es ist auch die Empfehlung der Weisheit und der Vernunft. Der Soldat muß sich nicht unbedingt in alle Gefahren stürzen. Der Christ muß nicht allen Situationen mit Naivität und ohne Vernunft entgegengehen. Wenn die Liebe das erste christliche Gebot ist: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, lautet das nächste und ähnliche Gebot: Seid daher klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben. (Mt 10,16)

 Klug wie die Schlangen heißt, mit Vernunft handeln und mit Klugheit kommandieren, in Solidarität zu den Mitmenschen aber auch in Treue zu den eigenen Werten und Tugenden.

Um dem anderen gut zu helfen, muß man sich selbst gut kennen. Unser Gut und unser Reichtum, unser Patrimonium und der Grund unseres Engagements sind unsere Überzeugung und unser Glaube an Christus. Er, und nur Er allein kann uns, und besonders Euch, liebe Soldaten, Antwort, Führung und Licht geben. Hört auf ihn. Sucht ihn, erkennt ihn weiter und tiefer. Gebt ihm Platz in Eurer Tätigkeit. Er kennt uns bis in unser Innerstes. Und er weiß genau, was wir brauchen.

Ihr steht heute hier als Soldaten des Staates Österreich, eines Staates, der sich seit mehr als fünfzig Jahren um Sicherheit bemüht hat. Überall, wo seine Kräfte gebraucht wurden, hat er mit Eifer an der Sicherung des Friedens mitgewirkt. Wenn wir alle heute Dank dafür sagen dürfen, dürfen wir nicht vergessen, daß es dafür ist, weil Österreich seiner Identität treu bleibt. Seine Identität liegt im tiefen historischen Bund mit Gott und seiner Offenbarung als Gott der Allmächtige, aber auch als Vater und Quell aller Rechte. Als dynamischer Partner wußte Österreich sein Leben und seine Politik, seine Weltanschauung und seine Strategie mit seiner eigenen Identität zu harmonisieren und hat so das Attribut Felix Austria gewonnen. Um helfen zu können, ist es unbedingt notwendig, daß die Soldaten, die sich für den Frieden und die Entwicklung einsetzen, ihrem Geist und ihrer Seele treu bleiben. Kirche und Soldat sind untrennbar, schreibt Ihr Kommandant Brigadier Günter Polajnar. Beide sind zur Hilfe der anderen gerufen, jeder in seinem Bereich, nach seiner eigenen Botschaft. Soldaten sind heute Diener des Friedens, die Kirche ist Sakrament und Quell der Hoffnung. Der Soldat braucht den geistig psychologischen Rückhalt in schwierigen Situationen des Lebens, schreibt nochmals Brigadier Polajnar. Die Kirche braucht den Menschen, um ihre Botschaft wirksam werden zu lassen. Gerne helfen Euch Eure Militärgeistlichen. Wendet Euch ruhig und vertrauensvoll an sie. Sie werden Euch sagen, was wahrhaftig und recht ist, was Eure Seelen und Euren Geist berühren und beruhigen kann.

Nehmt Euch ein Vorbild an den großen Heiligen des Soldatenstandes. Denkt an den heiligen Georg, den heiligen Mauritius, den heiligen Sebastian und den heiligen Florian. Sie alle haben in exemplarischer Weise das Leben eines christlichen Soldaten geführt. Ahmt ihren Glauben an Jesus Christus, den einzigen und wahren Sohn Gottes nach! Ahmt ihre Liebe zum Nächsten nach. Wenn Ihr Euch dessen aus ganzen Herzen bewußt seid, werdet auch Ihr einst die Freude haben dürfen, mit ihnen vereint im Himmel Gott zu loben und ihn zu preisen. Jetzt aber bereitet Euer Herz, damit wir die heilige Eucharistie, den Quell und Garanten aller Gnaden Gottes und alles Segens, in rechter Weise feiern können.