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Wer bin ich?

Diakonweihe am Fest Mariä Heimsuchung, Stift Heiligenkreuz, 2. Juli 2007



Heute feiert die Kirche die Erinnerung an den Besuch Mariens bei ihrer Verwandten - im Orient sagen: wir bei ihrer Tante - Elisabeth. In der Sprache der Liturgie heißt diese Feier Mariä Heimsuchung. Maria wußte von ihrer Verwandten Elisabeth, die im Bergland von Judäa lebte. Also eilte sie, nachdem ihr der Engel Gabriel erschienen war, mit spontaner Freude und Liebe von Nazareth nach Judäa, um ihre Verwandte zu besuchen und ihr Hilfe anzubieten. Das Evangelium erzählt, daß Elisabeth nicht mehr jung war. Sie lebte wahrscheinlich auch ohne Verwandte in ihrem Bergdorf. Als Elisabeth das Grüßgott von Maria hörte, antwortete sie spontan: Gesegnet bist Du mehr als alle anderen Frauen. Wer bin ich, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? (Lk 1,43)

Wie kann man die Worte Wer bin ich, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? anläßlich einer Diakonweihe am Festtag Mariä Heimsuchung in der Zisterzienserabtei von Heiligenkreuz deuten? Was will uns diese Begegnung in einem Jahr sagen, in dem sich das Kloster, die Mönche, Professen und Novizen, das ganze Haus und die Gläubigen auf einen hohen Besuch vorbereiten? Es ist nicht irgendein Besuch, sondern der Besuch des Papstes, Benedikt XVI., des Vikars des Herrn, der den Mönchen dieses Jahr im September bevorsteht. Er kommt, um unseren Dienst, unser Leben für Gott, unser Gebet und unsere Geduld zu würdigen und sie als wertvoll anzuerkennen. Hier entfaltet die Diakonweihe ihren vollkommenen Sinn.


Wenn der Nuntius diese Weihe spendet, strahlt der Diakon die Freude Christi aus. Diakon sein, heißt sich auf den Weg machen, um Christus zu begegnen, ihn zu erfassen und noch mehr, ihn wie Maria zu Elisabeth, das heißt zu den anderen zu bringen. Das  Ora et labora , das Suchen des Mönches, sein Streben mit Geist und Leib, sein Lob mit Mund und Herz, sind hier zu Hause. Sie bringen Früchte, sie glänzen in der Nacht, sie blühen in der trockenen Zeit. Eine Stimme läßt sich hören: Der Mächtige zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind (Lk 1,51). Die moderne Heimsuchung ist verankert in der heutigen Realität. Sie ist Begegnung mit der Gemeinschaft Christi. In ihr ist der Diakonat eine Botschaft, eine Mission, geworden: zu den anderen zu gehen und mit ihnen Gott für sein wunderbares Geschenk zu danken. Wer bin ich, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Wer bin ich, daß der Herrgott mich in seinen Weinberg ruft, als Diakon, als Priester oder auch als Bischof?


Liebe Kandidaten zum Diakonat! Die Liebe Christi, die uns drängt, hat Euch zu diesem Kloster geführt. Ihr seid in der Betrachtung und in der Symbiose des  Ora et labora  dem gefolgt, der Euch gerufen hat. Gott mit seinem Geist hat Euch zum Weinberg seines Sohnes herausgerufen. Weg von vielen Eurer Kameraden und Freunde hat er Euch den Weg des Berglandes, hier in das Kloster des Heiligen Kreuzes, nach Heiligenkreuz, geführt und Ihr seid seinem Stern gefolgt. Ihr habt wie Maria Ja gesagt und Euch vorbereitet, den Weg des Diakonats zu beschreiten. Dies ist nicht nur eine Vorstufe zu Eurer Priesterweihe. Es ist der Weg unseres ganzen Lebens in der  Sequela Christi . Euer Bergland ist die Unendlichkeit der Liebe Gottes durch Christus, den Herrn. Eure Elisabeth ist Eure Gemeinde. Sie lehrt Euch. Sie begleitet Euch. Sie anerkennt in Euch die Sehsucht nach der Christusnachfolge, sie nimmt Euch mit Euren Eigenheiten an und begleitet Euch auf den Weg der Vollkommenheit der Liebe ( Perfectae Caritatis ). Ihr habt noch nicht das Bergland des Geistes und der Spiritualität erreicht. Die Diakonatsweihe markiert eine Raststation. Christus hat Euch in der Person Eures Abtes und der Mitbrüder schon bei Eurer Profeßfeier aufgenommen. Der Herr hat Euch bis hierher begleitet. Jetzt schließt er selbst einen neuen Bund mit Euch. Heute geht Ihr mit Eurem  Adsum , mit Eurem  Hier bin ich einen Schritt weiter in Eurem Engagement, auf dem Weg mit Christus. Er ist der Weg, bis hinauf nach Golgotha. Golgotha ist, wie wir wissen, nur ein Durchgang, es ist nicht ein Ende. Unser Hier bin ich ist ein Ja, wie es auch Petrus dem Herrn gegeben hat. Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. (Joh 6, 68) Der Diakonat ist die Vorstufe zur Teilnahme am Mittleramt Christi. Diakonat heißt, sich im Dienst an Gott und den Mitmenschen zu engagieren, Verantwortung zu übernehmen für das verheißene Wort Gottes und für das Sakrament Christi. Vergeßt nicht Eure Ehre, unsere Ehre, die wir durch diese Diakonweihe bekommen. Sie macht uns Christus ähnlich, dem Gottessohn, sie macht aus uns einen alter Christus, um seine Botschaft treu der Welt zu bezeugen, zu dienen und seinen Namen zu preisen. Vergessen wir nicht, daß er uns gesucht und als erster gerufen hat. Nicht weil wir es verdient hätten, sondern weil er auf die Niedrigkeit des Menschen schaut, um Großes an ihm zu tun (Lk 1,46-50).

    Ja, liebe Kandidaten zum Diakonat, unsere Berufung ist groß und schön, weil wir sozusagen gratis, nur durch die Gottesgnade unter vielen gesucht, gerufen und ausgewählt wurden. Seid nicht weniger großmütig. Euer Ja sei total, so werdet ihr weiterhin Eure Freude ausstrahlen. Gott braucht unsere Mitarbeit, unsere Hilfe, wenn ich so sagen kann. Er braucht sie, weil er sich mit uns in Freude und Gelassenheit über die Menschheit freut. Der Mensch ist für die wirkliche und ewige Glückseligkeit geschaffen, die allein die Liebe Gottes geben kann (Sacramentum Caritatis, 31), sagt Benedikt XVI. Deswegen, so lehrt der Papst weiter, wird ein mangelhaft ausgebildeter Klerus, der ohne die gebotene Prüfung zur Weihe zugelassen worden ist, kaum ein Zeugnis bieten können (Sacramentum Caritatis, 25). In der Nachfolge Christi liegt eine transzendentale Faszination. (ebd.)

Liebe Kandidaten zum Diakonat! Ich danke Gott dem Vater, daß er Euch schon lange diese Faszination Christi verkosten ließ und daß Ihr geantwortet habt. Ich danke Eurem Spiritual und Euren Mitbrüdern, Euren Professoren, daß sie Euch mit einer guten Ausbildung, mit ihrem Wort und ihrem Vorbild motiviert haben, dieser Weihe frohen Mutes entgegenzugehen. Alle freuen wir uns mit der Mutter Kirche, daß der Herr der Ernte wieder neue Arbeiter für seinen Acker ruft. Lasset uns auch stolz und dankbar auf unseren Beruf sein, weil die Welt uns braucht. Sie braucht unseren unverzichtbaren Dienst!


Erinnert Euch immer an diesen Tag Eurer Weihe. Christus nennt Euch nicht mehr Diener, sondern Freunde, weil er das versprochen hat  wie es auch in der Orientalischen Liturgie heißt: Heute hat er uns sein Vertrauen gegeben, weil er weiß, daß wir sein Geheimnis nie verraten werden. Gott will Euch haben wie Maria, die niedrige Magd von Nazareth, um Großes mit euch tun zu können. Geht weiter, mit Sicherheit, mit Mut und Entschlossenheit  und auch mit Demut und geistlicher Freiheit. Christus ist Euer Anfang und Euer Ende, Euer Ziel und Eure Freude. Die wahre Freude, schreibt Benedikt XVI., besteht nämlich darin, zu erkennen, daß der Herr bei uns bleibt, als unser treuer Wegfährte. Die Eucharistie läßt uns entdecken, daß sich der gestorbene und auferstandene Christus im Mysterium der Kirche, seinem Leib, als unser Zeitgenosse erweist. Von diesem Geheimnis der Liebe sind wir Zeugen geworden. (Sacramentum Caritatis, 97). Und wenn Ihr einmal müde seid, im Acker des Herrn zu arbeiten, dann schaut sein Kreuz an. Dort trefft ihr seine Mutter, Maria, die von nun an gepriesen wird von allen Geschlechtern, weil sie geglaubt hat. Sie ist unsere Mutter, sie wird Euch mit ihrem mütterlichen Mantel schützen. Amen.