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Quelle der Hoffnung

Heilige Messe nach dem Missale Pius V., Franziskanerkirche, Wien, 11. Februar 2008



« Nunc facta est salus, et virtus, et regnum Dei nostri, et potestas Christi eius»


«Das Reich und die Macht unseres Gottes sind Hoffnung und Leben, sind Friede, Heil und Hoffnung, so singt der Evangelist Johannes für die Mutter Gottes.

Diesen Satz haben wir in der Lesung gehört. Am heutigen Tag dürfen wir in froher Feier den 150. Jahrestag der Erscheinung Unserer Lieben Frau in Lourdes begehen. Am 11. Februar 1858 erschien dem kleinen Mädchen Bernadette Soubirous in der grauen, kalten, engen und unfreundlichen Grotte von Massabielle im unbekannten Städtchen Lourdes zum ersten Mal die Allerseligste Jungfrau. Achtzehn Male erschien die Gebenedeite unter den Frauen und versprach Heil und Gottesgnade den Menschen in unheiler Zeit. Klein, abgelegen und unbekannt war die Stadt, grau, traurig und eng war der Ort, wo sie erschien. Arm und ungebildet war das Mädchen, dem sie Heil und Gnade für die Welt versprochen hat. Das neunzehnte Jahrhundert war geprägt vom Zerfall der Ordnung, den die französische Revolution gebracht hatte. Die Kirche Gottes sollte von Erdboden ausgerottet werden. Doch mitten in diesem Zerfall hat mich die Allerseligste ausgesucht, weil ich ganz ungebildet bin. Hätte sie ein Mädchen gefunden, das noch ungebildeter wäre, sie hätte jenes gewählt, sagt Bernadette später.


Es war die Zeit der Bedrohung; man wollte die Kirche vernichten. In dieser Zeit hatte Papst Pius IX. am 8. Dezember 1854 offiziell und unfehlbar das Dogma der Unbefleckten Empfängnis bestätigt, gegen die Anmaßung und den Anspruch des sogenannten Illuminismus. Die Erscheinungen von Lourdes, die am 11. Februar 1858 begannen, wurden die herrlichste Bestätigung des Himmels für die Dogmenverkündigung der Unbefleckten Empfängnis durch Papst Pius IX.


Das unbekannte, abgelegene Dorf von 1858 ist heute ein weltberühmtes Heiligtum geworden. Im Jahre 2004, 146 Jahre nach der ersten Erscheinung der Mutter Gottes, besuchte Papst Johannes Paul II. Lourdes wenige Monate vor seinem Tod. Nachdem er von allen protokollarischen Diensten befreit war, bat der Papst darum, einige Minute allein vor der Madonnenstatue zu bleiben und zu meditieren. Seine letzte Worte in Lourdes, sein Testament, waren: Geht in die Schule Mariens und holt davon für die Welt eine Welle von Hoffnungen. (Johannes Paul II., Lourdes 15. August 2004)

Allein wollte der Papst vor der Muttergottes knien und betrachten. Wahrscheinlich hat er der Allerseligsten Jungfrau seine bevorstehende Abreise aus dieser Welt empfehlen wollen. Sein Testament wurde in der Schule Mariens gelernt, um Hoffnung und Freude zu verkündigen. Bringt den Menschen der ganzen Welt, der verschiedenen Kulturen und Religionen, die mit verschiedenen Sorgen und Problemen, Schmerzen und Lasten kämpfen, bringt ihnen Begeisterung und Hoffnung und legt ihre Last in den Schoß der Unbefleckten. Seit 150 Jahren ist Lourdes Synonym und Quell der Hoffnung, des Lebens und des Willens, für das Leben zu kämpfen geworden.


Man geht nach Lourdes, um eine Gnade, ein Wunder, einen Gefallen zu erbitten. Man verläßt Lourdes mit tiefem Eindruck und geistlicher Stärkung für seinen eigenen Stand, seinen eigenen Kampf des Lebens. Unabhängig davon, ob die Gnade, Heilung oder das Wunder sichtbar sind oder nicht. Man verläßt Lourdes mit der tiefen Überzeugung, daß es gut war, hierher zu kommen, daß es gut ist, sein eigenes Leben zu leben.


Wenn wir dies betrachten, so können wir mit der Kirche aus ganzen Herzen sprechen: Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Herrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten. (Offb 12,10) Und wir können mit dem Apostel singen: Nunc facta est salus, et virtus et regnum Dei nostri. Maria, die Mutter des Gesalbten, Mutter Christi, Mutter der Kirche, die Mittlerin aller Gnaden, hat in Lourdes durch das kleine ungebildete Mädchen Bernadette eine Quelle der Hoffnung und der Gnaden aufgetan. In und an der Atmosphäre, in und an dem Geist von Lourdes, in und am Wunder von Lourdes können wir sehen, was die Heilige Schrift meint, wenn sie vom Reich unseres Gottes und der Macht seines Gesalbten spricht. Die Erscheinung Mariens in Lourdes, gerade mitten in der kirchenfeindlichen Zeit zeigt der abgestumpften und in Materialismus und Genußsucht verhafteten Menschheit aufs deutlichste die Herrschaft Gottes und Jesu über die Welt: die Herrschaft der Sühne und der Versöhnung, die Herrschaft des Widerstandes und der Hoffnung, die Herrschaft des Reiches der Gnade und der Vergebung der Todsünde.


Es war wunderbar und eindrucksvoll, aus dem Munde des alten und kranken Papstes eine Ermutigung zu erhoffen und zu hören. Die Hoffnung, liebe Brüder und Schwestern, ist eine Dynamik, eine Bewegung, sie ist ein Voranschreiten, ist ein Fortschritt hin auf die Vollkommenheit. Die Hoffnung ist lebendig, sie ist Leben. Nur was lebt, kann sich bewegen und wachsen, hoffen und lieben.


Vier Jahre nach der väterlichen Empfehlung Papst Johannes Paul II., eine neue Welle der Hoffnung zu entfachen, kam Benedikt XVI., sein Nachfolger auf dem Stuhl Petri, mit seiner Enzyklika über die Hoffnung und sagte: Nicht die Wissenschaft erlöst den Menschen. Erlöst wird der Mensch durch die Liebe (Spe Salvi, 26). Die wahre Hoffnung des Menschen kann nur Gott sein  der Gott, der uns bis ans Ende, bis zur Vollendung geliebt hat und liebt (Spe Salvi, 27).


Als Bernadette krank und dem Tod nahe war, lautete ihr Gebet: O Jesus, ich fühle nicht mein Kreuz. Ich denke an dein Heiliges Kreuz, dein verehrungswürdiges Kreuz. Auf dich setze ich meine Kraft, du bist meine Hoffnung, meine Freude. Wenn die Menschen schon über 150 Jahre nach Lourdes kommen und die Dame, die Mutter Gottes, bitten, so geschieht es deshalb, weil sie Gott suchen und Gott begegnen wollen. Gott ist nicht im Lärm, sondern in der Stille anzutreffen, sagt der Psalmist.


Gott ist ein Gott des Lebens und der Freude, der Gerechtigkeit und der Würde. Johannes Paul II. sagte in Lourdes mit der Klarheit des Geistes, der Schwäche des Leibes, mit der Stärke der Hoffnung und der Bereitschaft der Liebe: An euch alle, Brüder und Schwestern, richte ich den eindringlichen Appell, daß ihr alles in eurer Macht Stehende tut, damit das Leben, das ganze Leben, von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende geachtet wird. Das Leben ist ein heiliges Geschenk, niemand darf sich zum Herrn darüber erheben. (&) Wir wissen, daß wir dazu auf jene Frau zählen können, die niemals der Sünde nachgegeben hat und deshalb das einzig wirklich freie Geschöpf ist. (Lourdes, 15. August 2004). Maria ist frei, weil gehorsam, gehorsam weil sie liebt. Das sind die Merkmale des Lebens, das wächst und sich entfaltet von der Geburt bis zum Tod.


    Ebenso hat dies auch Papst Benedikt hier in Wien wiederholt, als er in der Hofburg den Vertretern des Staates und der Nationen gesagt hat: Es muß ein Anliegen aller sein, nicht zuzulassen, daß eines Tages womöglich nur noch die Steine hierzulande vom Christentum reden werden. (7. September 2007)

     

    Liebe Brüder und Schwestern, seit 150 Jahren pilgern die Gläubigen nach Lourdes um in ihrem Glauben gestärkt zu werden. Millionen von Gläubigen sind dort gekniet und haben dort gebetet. Über 7000 Menschen haben in der Quelle gebadet und wurden geheilt. 67 dieser Heilungen wurden nach strenger Prüfung durch die kirchliche Obrigkeit als Wunder anerkannt. Tausende und Abertausende sind geistig gestärkt und geistlich erfreut worden. Alle haben eine Gnade bekommen.

     

    Seit zweitausend Jahren glaubt und lehrt die Kirche, daß Gott ein Gott des Lebens, nicht des Todes ist. Gloria Dei homo vivens. Der Prophet Jesaja schrie, um die Ankunft des Erlösers vorauszusagen: Tauet, ihr Himmel! Tu dich auf, o Erde, und sprosse den Heiland hervor! (vgl. Jes 45,8) Schon am ersten Tag der Erscheinung sagte die schöne weiße Dame zu Bernadette: Geh zur Quelle und trinke daraus! Es gab dort aber kein Wasser. Das begeisterte Mädchen ging trotzdem in die Grotte und fand eine Quelle, die nicht existierte, trank daraus, und nach ihr trinken Millionen von Leuten bis heute. Der Himmel hatte wieder getaut und den Völkern neue Hoffnung, den Heiland neu gegeben. Heute, am 11. Februar, dem Tag der ersten Erscheinung in Lourdes, begeht die Kirche den Tag der Kranken, den Tag des Lebens, den Tag der Hoffnung. Und die Kranken pilgern nach Lourdes. Der 11. Februar ist ein Tag der Heilung und der Gesundheit, er ist ein Tag des Lebens geworden.

     

    Möge dieser Tag, möge dieses Jubiläum 150 Jahre der Erscheinungen von Lourdes uns alle bestärken und ermutigen, um mit Demut, aber mit Sicherheit unsere Hoffnung strahlen zu lassen und unseren Mitmenschen zu bezeugen, daß die Hoffnung groß ist, wo die Menschen lieben können. Und nur die Lebenden können lieben.

    Möge Gott, der Allmächtige, der Gott von Bernadette und allen Heiligen, Euch ermutigen und erleuchten, das Leben zu wählen und Eure Familien nie ohne Kinder lassen. Kinder! Kinder, die schreien. Kinder, die weinen! Kinder, die lachen! Kinder, die miteinander spielen und Lärm machen, die die Stille stören und Vati und Mutti ärgern. Sie sind der Stolz der Familie! Sie sind die Vertreter der Engel! Sie sind die Bürger des Staates, sie sind die Hoffnung der Gesellschaft und der Kirche. Laßt in Euren Familien die Kinder nicht fehlen, denn ihre Engel stehen vor Gott und singen ihm Alleluja!