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Predigt bei der "großen Wallfahrt" (26. April 2009, in Maria Kirchbüchl)

(Es gilt das gesprochene Wort.)

Gelobt sei Jesus Christus!

Liebe Mitbrüder im Priesteramt!
Sehr geehrte anwesende Bürgermeister und Pfarrgemeinderäte!
Liebe Pilger! Liebe Erstkommunikanten und Firmlinge!

Brüder und Schwestern im Herrn!

1. Ich freue mich heute, an diesem 3. Sonntag der Osterzeit, hier in Maria Kirchbüchl an der Großen Wallfahrt teilzunehmen. So danke ich herzlich für die Einladung, heute mit Euch und für Euch, liebe Pilgerinnen und Pilger, diesen Gottesdienst zu feiern.

Ich danke Euch allen für Eure Anwesenheit an diesem Gnadenort und möchte Euch zunächst die herzlichsten Grüße und Segenswünsche unseres Heiligen Vaters Papst Benedikt XVI. übermitteln. Meine Anwesenheit heute hier in Maria Kirchbüchl ist eine besondere Gelegenheit, dem Nachfolger des Heiligen Petrus unsere Zuneigung und Liebe zu bezeugen. Als pastor universalis leitet und führt der Heilige Vater die Kirche, die Gemeinschaft der Glaubenden, und ist dabei stets bemüht, wie er kürzlich gesagt hat, Gott gegenwärtig zu machen in dieser Welt, und den Menschen den Zugang zu Gott zu öffnen. " Ich lade Euch alle herzlich ein, in diesem Gottesdienst auch für den Heiligen Vater und seine Anliegen zu beten und Gott zu bitten, ihm Kraft und Gesundheit zu schenken für die große Aufgabe, die ihm anvertraut wurde.

2. Liebe Brüder und Schwestern! Wir sind Pilger auf dem Weg zum ewigen Leben. Wie Euch sicher bekannt ist, wurden die ersten Christen die Anhänger des (neuen) Weges" genannt. So steht es in der Apostelgeschichte geschrieben (vgl. Apg. 9,2; 22,4; 24,14). Als pilgerndes Volk Gottes wissen wir, daß wir gerufen sind, diesen  neuen Weg " zu gehen, der ja nichts anderes ist als die Nachfolge Jesu, der von sich selber gesagt hat:  Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben " (Joh. 14,6). Papst Benedikt hat an Ostern darauf hingewiesen, daß dieser  neue Weg " von Gott selber in der Geschichte der Menschheit durch Jesus Christus angelegt wurde, nicht irgend ein Weg von vielen anderen, auf denen die Menschen Heil und Glück finden mögen, sondern der einzig wahre und richtige" (Osterbotschaft Urbi et Orbi", 12. April 2009).

3. Als Pilger seid Ihr heute nach Maria Kirchbüchl gekommen, habt Ihr Euch auf den Weg gemacht. Eine Pilgerfahrt ist ja immer auch eine gute Gelegenheit, über den Sinn des Lebens nachzudenken: Woher kommen wir und wohin sind wir auf dem Weg? Als Gemeinschaft der Glaubenden wissen wir um das Ziel, dem wir uns Schritt für Schritt nähern. Gott der Herr, der uns berufen hat, ist heilig, und  so soll auch unser ganzes Leben heilig werden ", sagt der Apostel Petrus (1 Petr 1,15). Auf unserer Pilgerschaft müssen wir uns immer wieder neu orientieren, schauen, ob die Richtung stimmt. Falls wir  den geraden Weg verlassen und in die Irre gegangen sind " (2 Petr 2,15), dann müssen wir umkehren, umdenken (Metanoia) und uns der Barmherzigkeit Gottes anver­trauen.

4. Im heutigen Bittruf vor dem Alleluja heißt es:  Herr Jesus, erschließ uns die Schrift! Laß unser Herz entbrennen, wenn du zu uns redest ". Nach Jesu Tod und Auferstehung ist die Kirche beauftragt, von Generation zu Generation, die Frohe Botschaft der Liebe Gottes, die uns in Fülle in Jesus Christus geoffenbart worden ist, zu verkünden. Und diese Botschaft besagt, daß wir in Christus die Antworten finden, nach denen wir suchen, in ihm finden wir die Kraft, den Weg weiter zu verfolgen, der zu einer besseren Welt führen wird.

5. Wenn wir also heute hier vor diesem Gnadenbild knien und Gottes Wort hören und miteinander bedenken, dann wollen wir dabei auf Maria schauen, die ja das Vorbild der hörenden Kirche ist. Bei der Hochzeit zu Kana mahnte sie, zu tun, was der Herr sagte (Joh 2,5). Und hier und heute ermahnt sie uns Pilger, ebenfalls das zu tun, was der Herr uns sagt. Lassen wir deshalb unser Herz von Gottes Wort entbrennen. Laßt uns innehalten, stille werden, lauschen auf Gottes Wort, auf seine Wahrheit, die uns von Sünde und Tod befreit. Ja, der Herr spricht wirklich hier und heute zu uns, zu jedem einzelnen von uns. Und wenn wir dann von hier aufbrechen und uns wieder auf den Weg zurück in den oft grauen Alltag begeben, dann muß uns eines klar geworden sein, daß wir nicht nur auf Gottes Wort hören, sondern daß wir nach Gottes Wort leben sollen, daß wir unser ganzes Leben nach ihm ausrichten. Denn nach dem Wort des Herrn sind jene selig,  die das Wort Gottes hören und es befolgen " (Lk 11,28).

6. Liebe Brüder und Schwestern! Wir haben uns heute hier im Haus der Mutter Jesu und unserer Mutter versammelt. Maria wird von uns zu Recht als die  hörende Jungfrau " gegrüßt, die  das Wort Gottes im Glauben empfangen hat " (Papst Paul VI., Apostolisches Schreiben  Marialis cultus ", Nr. 17).

Wie jede Mutter, so weiß auch Maria um unsere Sorgen und Nöte, was jeder einzelne von uns ganz besonders braucht. Sie weiß darum, bevor wir es ihr sagen und anvertrauen. Eines dürfen wir nicht vergessen: Maria stärkt unseren Glauben und hilft uns, immer ganz offen zu sein für Gottes Wort. Wir wissen nur zu gut, daß wir alle arme Sünder und immer wieder auf Gottes Erbarmen angewiesen sind. Eine Pilgerfahrt ist darum auch Ausdruck unserer persönlichen und gemeinsamen Bitte um Vergebung unserer Sünden und Fehler, ein Akt der Reue, der Umkehr und des Neuanfangs, in einem Wort: ein Augenblick der Gnade, die uns geschenkt wird. In neuer Zuversicht, in Treue und Liebe sind wir gerufen, gemeinsam und miteinander diesen Weg zu gehen.

7. In diesem Paulusjahr möchte ich Euch allen, liebe Pilger, ein Wort des Völkerapostels in Erinnerung rufen. Der Heilige Paulus ermahnt uns, nicht zu vergessen, daß wir alle in Christus erwählt wurden  heilig und untadelig zu leben vor Gott " (vgl. Eph 1,4). Das ist darum auch Eure Aufgabe und Euer Ziel, d.h.:  Zum vollkommenen Menschen werden...Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen ". Und diese Aufgabe, Christus ähnlich zu werden, so daß er in uns lebt und wirkt, das soll und muß ein jeder von uns, gemäß den ihm geschenkten Talenten oder Charismen, in die Tat umsetzen. Wenn wir dies tun, liebe Brüder und Schwestern, dann tragen wir alle miteinander als  lebendige Steine " (2 Petr 2,5) dazu bei, daß der Leib Jesu, Seine Kirche (Eph 1,23),  in Liebe aufgebaut " (Eph 4, 16) wird.

8. Um dieses Ziel zu erreichen, vertrauen wir uns deshalb hier in Maria Kirchbüchl der mächtigen Fürbitte der Mutter Jesu an, die auch unsere Mutter ist. Sie wird uns in diesem  Tal der Tränen " allzeit beschützen und uns sicher zu unserem Herrn und Erlöser Jesus Christus hinführen; denn das ist ja ihre vornehmliche Aufgabe:  Durch Maria zu Jesus " - Per Mariam ad Jesum!" Und wie die Jünger von Emmaus, werden auch wir auf dem Heimweg dann erzählen können, was wir auf dieser Großen Wallfahrt" hier in Maria Kirchbüchl erlebt haben und wie unser Herz entbrannte, als er, der Herr, zu uns sprach und wir das heilige Brot empfangen haben.

Maria mit dem Kinde lieb, uns allen Deinen Segen gib!

Amen.

(Predigt des Apostolischen Nuntius in Österreich, S.E. Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, anläßlich der Großen Wallfahrt" in Maria Kirchbüchl am 26. April 2009)